Kanada Dornhai — MSC
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Kanada Dornhai

Fischerei: British Columbia spiny dogfish

Hintergrundinformation

Der MSC-Standard bewertet eine Fischerei anhand von international anerkannten und wissenschaftsbasierten Maßstäben, welche die Nachhaltigkeit der Fischbestände, anderer betroffener Arten und des weiträumigeren Ökosystems sicherstellen. Die Bewertung nach MSC-Standard wird von einem unabhängigen Team durchgeführt, das aus einem Zertifizierer und erfahrenen Wissenschaftlern besteht. Externe Stakeholder mit einem Interesse an der jeweiligen Fischerei können sich auf verschiedenen Stufen des Prozesses in die Bewertung einbringen. Die mit Bodenlangleinen operierende Dornhai-Fischerei Britisch-Kolumbiens ist weltweit die erste Fischerei auf Dornhai (einen kleinen küstennahen Hai), die den MSC-Standard erfüllt.

  • Die Fischerei wird vom ‚Department of Fisheries and Oceans Canada‘ (DFO) nach dem Vorsorgeprinzip geführt
  • Die unabhängige Beurteilung nach MSC-Standard bestätigt, dass die Fischerei gut gemanagt wird, die Bestände stabil und die Auswirkungen auf die Meeresumwelt akzeptabel sind
  • Um Unsicherheiten hinsichtlich der Biomassegröße auszugleichen, wurden die Bestände mit Hilfe des MSC ‚Risk-Based Framework‘ bewertet, einem Risikoanalyse-Ansatz, der dem Vorsorgeprinzip in höchstem Maße gerecht wird
  • Die Fangmengen waren in den letzten 20 Jahren niedrig und die erlaubte Höchstfangmenge wurde nie voll ausgefischt
  • Jegliche Fischereiaktivitäten werden durch eine 100%-ige Überwachung an Bord und an allen Anlandestellen erfasst
  • Die Fischerei setzt ihre Bodenlangleinen nachhaltig ein, so dass wenig Beifang und keine irreversiblen Schäden am Meeresboden entstehen
  • Alle Fänge werden im Ganzen und mit Flossen angelandet und fast komplett verarbeitet
  • Wie vom Zertifizierer vorgeschrieben, hat sich die Fischerei zu einer noch intensiveren wissenschaftlichen Forschung und zur Zusammenarbeit mit Stakeholdern in Britisch-Kolumbien verpflichtet

Nachhaltigkeitsaspekte

Bestandsituation:

Vorsorglicher Risikoanalyse-Ansatz wurde zur Bewertung der Bestände herangezogen
Im Fall des nordpazifischen Dornhais konnten wissenschaftliche Bestandsbegutachtungen keine ausreichende Sicherheit über die Größe der Biomasse der beiden befischten Bestände liefern (dem inneren Bestand in der Strait of Georgia und dem äußeren Bestand an der Küste Britisch-Kolumbiens). Um den Zustand der Bestände im Rahmen der Bewertung nach MSC-Standard bestimmen zu können, wendete das Bewertungs-Team einen speziellen Risikoanalyse-Ansatz an, das MSC ‚Risk-Based Framework‘ (RBF). Das RBF wurde speziell für Fischereien entwickelt, die keine ausreichenden Daten zur Verfügung stellen können, um die standardmäßige Bewertungsmethode des MSC anzuwenden. In der Praxis bedeutet dieser Risikoanalyse-Ansatz, dass das Risiko inakzeptabler Auswirkungen auf die Zielbestände extrem niedrig sein muss, damit datenarme Fischereien die Bewertung nach MSC-Standard bestehen.

Im Rahmen des RBF bewertete das Team wie hoch das Risiko der nicht nachhaltigen Ausbeutung der Bestände durch die Fischerei ist. Zu diesem Zweck untersuchten die Experten die räumliche und zeitliche Ausdehnung der Fischerei sowie die Intensität ihrer Aktivitäten. Die Bewerter gründeten ihre Entscheidungen auf Expertenurteile, lokales Wissen, praktische Erfahrungen sowie fischereispezifisches und ökologisches Fachwissen, das durch einen qualitativen, Stakeholder-geleiteten Prozess gesammelt wurde. Das Team evaluierte im Anschluss die Produktivität und die Empfindlichkeit der Spezies, indem es verschiedene Faktoren über ein semi-quantitatives Verfahren analysierte. Die kumulierten Bewertungspunktzahlen ergaben dann den Zustand der Bestände.

Besondere Biologie der Art und Ausmaß und Intensität der Fischerei berücksichtigt
Die Fischerei ist auf einer begrenzten Fläche ihres Gebietes aktiv. Das innere Gebiet (Strait of Georgia) wird saisonal befischt und das äußere Gebiet (entlang der Britisch-Kolumbischen Küste) während eines Großteil des Jahres. Eine relativ kleine Anzahl von 24 Schiffen fängt gezielt Dornhai. Das Risiko für die Art beurteilte das Bewertungs-Team aufgrund des begrenzten räumlichen und zeitlichen Ausmaßes der Fischerei sowie ihrer Intensität als mittelmäßig.

Der nordpazifische Dornhai (S. suckleyi) wird auch als ‚gefleckter Dornhai‘ bezeichnet. Er ist aufgrund seiner besonderen Biologie ein naher, jedoch getrennt zu betrachtender Verwandter des ‚gemeinen Dornhais‘ (S. acanthias). Der nordpazifische Dornhai erreicht ein durchschnittliches Höchstalter von 60 bis 70 Jahren bei einer Größe von 110 bis 120 cm (Weibchen, die Männchen sind etwas kleiner). Die Art wächst langsam und wird erst spät geschlechtsreif (mit ca. 31,5 Jahren). Sie ist vivipar, d.h. die Embryos entwickeln sich im Leib der Mutter, mit 2 bis 16 lebend geborenen Jungen. Aufgrund dieser biologischen Besonderheiten ist der Dornhai anfällig für Überfischung.

Diese Faktoren wurden bei der Bewertung der Produktivität der Art im Rahmen des RBF evaluiert. Die Bewerter teilten die Art in die höchstmögliche Risikostufe ein und gaben ihr die niedrigste und damit vorsorgendste Punktzahl für ihr hohes durchschnittliches Alter bei Geschlechtsreife, hohes durchschnittliches Maximumalter, niedrige Fruchtbarkeit, niedrige Fortpflanzungszahlen und hohe Stufe im marinen Nahrungsnetz – also für all jene Faktoren, die maßgeblich die Empfindlichkeit dieser Art bestimmen.

Zusätzlich berücksichtigte das Team die räumliche Überlappung der fischereilichen Aktivitäten mit dem Vorkommen der Art. Aufgrund des begrenzten befischten Gebietes und der begrenzten Zahl der beteiligten Schiffe wurde dieser Aspekt mit einem niedrigen Risiko für die Art belegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Art durch das Fanggerät der Fischerei erfasst wird, wurde als hoch eingestuft, da Dornhaie leicht aufzuspüren sind. Die Bodenlangleinen sind darauf ausgerichtet, Dornhaie zu fangen und so wurde die Selektivität der Fischerei als hoch eingestuft. Die Sterblichkeitsrate der Art wurde als niedrig bezeichnet. Dies bedeutet, dass viele der Tiere, die gefangen aber wieder ins Wasser zurückgesetzt werden (z.B. aufgrund ihrer geringen Größe), überleben.

Alle so vergebenen Punktzahlen für die relevanten Aspekte betrachtend kam das Team zu dem Ergebnis, dass die Fischerei ein moderates Risiko für die Bestände darstellt und sie somit die Anforderungen des MSC-Standards an den Bestandszustand erfüllt. Eine Zertifizierungsauflage fordert jedoch, dass für eine erneute Bewertung nach MSC-Standard eine analytische Bestandsbewertung durchgeführt werden muss. Diese wird dazu beitragen, die Unsicherheiten bzgl. der Biomassegröße zu reduzieren, welche zur Anwendung des RBF in der jetzigen MSC-Bewertung geführt hatten.

Niedrige Fangmengen
Aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf die Biomasse gründet die zulässige Höchstfangmenge nicht auf der Biomasse sondern auf den langfristigen durchschnittlichen Fangmengen. In den letzten 20 Jahren blieben die fischereilichen Entnahmen unter der möglichen Höchstfangmenge. Zwei neuere Prüfungen von Einheitsfang-Daten (Catch Per Unit Effort, CPUE) kamen zu dem Schluss, dass das relative Vorkommen des Dornhais im inneren Gebiet in Bezug auf andere Arten im selben Gebiet in den letzten 20 Jahren konstant geblieben ist (King und McFarlane, 2009), dass der äußere Bestand stabil und der fischereiliche Druck relativ zur geschätzten Biomasse niedrig ist (Wallace et al., 2009). Diese Prüfungen bestätigten, dass die Fangmengen der Fischerei über die letzten 20 Jahre relativ zur geschätzten Populationsgröße angemessen waren und boten der Managementbehörde DFO ausreichend Sicherheit, um zu folgern, dass nachteilige Bestandabnahmen bei gleichbleibender fischereilicher Entnahme in den kommenden fünf Jahren unwahrscheinlich seien.

Umweltauswirkungen:

Hohe Selektivität des Fanggerätes führt zu niedrigen Beifängen
Der Dornhai macht ungefähr 90 Prozent des gesamten Fanggewichts der Fischerei aus. Die Bandbreite der beigefangenen Arten in der zertifizierten Bodenlangleinen-Fischerei ist groß, aber die Beifangraten sind niedrig und die Überlebensraten der beigefangenen Individuen werden als sehr hoch eingeschätzt. Bedrohte, gefährdete oder geschützte Arten, die im Gebiet der Fischerei vorkommen, sind Sechskiemerhai, Stachelköpfe und Lederschildkröten. Die Beifangraten der Dornhai-Fischerei an Stachelköpfen (unter 0,6 Prozent), Sechskiemerhaien (0,06 Prozent) und Lederschildkröten (kein erfasster Beifang) behindern die Erholung dieser Arten nicht. Dennoch entwickelt das DFO einen Hai-Management-Plan und wird im Management ihrer Meeresressourcen einen umfassenden Ökosystemansatz umsetzen.

Lebensräume durch die Fischerei nicht maßgeblich beeinträchtigt
Bodenlangleinen haben vergleichsweise geringe Auswirkungen auf den Meeresboden. Zudem legen die räumliche Begrenzung der Fischerei, das Bodenhabitat auf dem sie ausgeführt wird sowie Nachweise aus anderen Fischereien nahe, dass die Auswirkungen der Fischerei Küstenhabitate - insbesondere Kaltwasserkorallen und Glasschwammriffe - nicht signifikant beeinträchtigen. Gleichwohl hat die Managementbehörde DFO eine Schutzstrategie für Kaltwasserkorallen und Glasschwammriffe erarbeitet, welche Managementvorschläge enthält, die zur weiteren Eingrenzung der fischereilichen Auswirkungen auf Korallenlebensräume beitragen soll.

Management:

Fischereiaufwand vom Management überwacht und kontrolliert
Einige Stakeholder befürchten, dass die Zertifizierung dieser Fischerei dazu führen wird, dass weitere Teilnehmer der Fischerei beitreten und der Fischereiaufwand steigen wird. Es ist Aufgabe der Managementbehörde, die gesamte Fischerei im Rahmen eines vorsorglichen und ökosystem-basierten Ansatzes zu managen. Eine erhöhte Teilnahme an der Fischerei, was auch immer der Auslöser ist, benötigt die Zustimmung der Managementbehörde. Die Fischerei unterhält ein innovatives System der individuellen Schiffsquoten (Individual Vessel Quota oder IVQ), im Rahmen dessen jeder gefangene Dornhai auf die erlaubte Fangmenge angerechnet wird, so dass auch beigefangene Dornhaie in anderen Fischereien Britisch-Kolumbiens berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden die regelmäßigen Überwachungsaudits für das MSC-Zertifikat die Auswirkungen eines möglicherweise steigenden Fischereidrucks bewerten und feststellen, ob dieser nachhaltig ist oder nicht.

Weitere Faktoren:

100-prozentige Überwachung
Die Fischereiaktivitäten werden zu 100 Prozent durch Kameras an Bord überwacht. Diese elektronische Überwachung wird angewandt, um die gefangenen, einbehaltenen und wieder zurück gesetzten Arten zu erfassen. Zusätzlich werden die Fänge von den Skippern in Logbücher eingetragen, um die Zahlen vergleichen zu können. Die Fänge dürfen nur in registrierten Häfen angelandet und nicht abgeladen werden, bevor ein Kontrolleur vor Ort ist.

Dornhai aus Britisch-Kolumbien weltweit vermarktet
Der Dornhai dieser Fischerei wird im Ganzen und mit Flossen angelandet. Das Fleisch des Dornhais geht nach England und in andere europäische Länder, die Bauchlappen werden nach Deutschland exportiert und die Flossen nach Asien. Die Abfälle aus der Verarbeitung werden für Dünger und andere Zusätze verwendet. Der MSC-Standard umfasst keine Aspekte, die in Zusammenhang mit der Verarbeitung oder mit gesundheitlichen Fragen stehen, wie beispielsweise den Quecksilbergehalt von Dornhaien. Diese Aspekte liegen nicht im Einflussbereich von Fischereien und finden somit in MSC-Bewertungen keine Berücksichtigung.

Verbesserungen:

Zertifizierungs-Bedingungen werden Wissen vertiefen und Unsicherheiten verringern
Drei Bedingungen sind an die Zertifizierung geknüpft und müssen in den kommenden fünf Jahren - der Gültigkeitsdauer des Zertifikates - erfüllt werden. 1. Eine analytische Bestandsbewertung muss entwickelt, umgesetzt und von der Managementbehörde anerkannt werden. 2. Es muss nachgewiesen werden, dass ein umfangreicher Managementplan für den Sechskiemerhai erfolgreich umgesetzt wurde. 3. Ein Forschungsplan muss entwickelt, umgesetzt und aktualisiert werden, um dem Management vertiefte Informationen zu den Beständen zu liefern. Diese Bedingungen werden dazu beitragen, Unsicherheiten in der Fischerei auszuräumen und ihre Auswirkungen noch weiter zu reduzieren. Der Fortschritt im Erfüllen der Bedingungen wird jährlich überprüft und neue verfügbare Daten und Informationen werden berücksichtigt werden.

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