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MSC investiert in Forschung - Neue wissenschaftliche Studienergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für nachhaltigen Fischfang

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26.07.2011

Kleine Schwarmfische wie Sardinen und Sardellen nehmen eine wichtige Rolle in unseren Meeren ein. Auch als „Spezies der unteren trophischen Ebenen“ bezeichnet, stehen sie am unteren Ende des Nahrungsnetzes, sind Nahrungsgrundlage für viele andere Arten und nehmen Schlüsselpositionen im Ökosystem ein.

Gleichzeitig sind sie eine bedeutende Ressource für den Fischereisektor: Über 30 Prozent der weltweiten Fischereiproduktion besteht aus solchen kleinen Fischen. Umso wichtiger ist es, dass die Fangmengen nicht nur auf eine nachhaltige Bewirtschaftung der Schwarmfischbestände ausgerichtet sind, sondern auch die Bedürfnisse der von diesen Arten abhängigen Lebewesen berücksichtigen.

Eine wissenschaftliche Studie, die vom MSC (Marine Stewardship Council) in Auftrag gegeben und zum großen Teil finanziert wurde, untersucht, welche Fangmengen für eine langfristig verträgliche  Nutzung solcher zentralen Arten angemessen sind. Das Forschungsteam kommt zu einer wegweisenden Erkenntnis: Kleine Schwarmfischbestände wie Sardinen und Sardellen müssen noch viel vorsichtiger bewirtschaftet werden, als es das nachhaltige Management von Arten erfordert, die eine weniger zentrale Rolle im Nahrungsnetz einnehmen.

Viele Fischereien weltweit folgen einem Managementansatz, der darauf abzielt, Bestände bis zu einem Niveau zu nutzen, das etwa 40 Prozent der geschätzten unbefischten Biomasse entspricht. Dieser Managementansatz ist allgemein als besonders verantwortungsbewusst anerkannt und auf eine Vielzahl von Fischereien und Ökosystemen anwendbar. Die Studie zeigt jedoch, dass dieses gängige Management bei Arten, die am unteren Ende des Nahrungsnetzes stehen und Schlüsselpositionen im Ökosystem einnehmen, in manchen Meeresregionen starke negative Auswirkungen auf andere Lebewesen und das weitere Ökosystem haben kann. So hat das Forscherteam festgestellt, dass unter gewissen Umständen ein weitaus höheres Bestandsniveau von 75 Prozent der geschätzten unbefischten Biomasse notwendig ist, um negative Folgen für das Ökosystem zu minimieren.

Das Ergebnis der Studie, das auch im Online-Bereich des Wissenschaftsmagazins „Science“ behandelt wurde, nimmt der MSC heute für relevante Fischereien in sein Beurteilungssystem auf und demonstriert so einmal mehr die führende Position des MSC-Programms bei der Bewertung und Kennzeichnung nachhaltig arbeitender Fischereien.

Ökologisch verträgliche Fangmengen von Ökosystem und Nahrungsnetz abhängig

Im Rahmen der Studie untersuchte das Forscherteam mithilfe von drei Computermodellen die Auswirkungen unterschiedlicher Fangmengen auf einen Fischbestand in verschiedenen Ökosystemen. Die Untersuchung zeigte, dass die ökologisch verträgliche Fangmenge eines Bestandes vom Ökosystem und vom Nahrungsnetz beeinflusst wird, in das die jeweilige Fischart verwoben ist.

Das Erhalten größerer Bestände bei solchen zentralen Arten sichert die Nahrungsgrundlage anderer Arten im Ökosystem, ohne dass Fischereien ihre Fänge um mehr als 20 Prozent einschränken müssen.

In der Nordsee identifizierten die Forscher etwa den Sandaal und die Leuchtgarnele als zentrale Arten. „Dies ist überraschend, da Hering oder Sprotte dort fast genauso häufig vorkommen“, erklärt Christopher Zimmermann, stellvertretender Direktor des von Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock und deutscher Vertreter im Beratungsausschuss des Internationalen Rates für Meeresforschung.

Zimmermann begrüsst die Investitonen des MSC in solcherlei Forschungsarbeiten: „Wissenschaftliche Forschung ist eine grundlegende Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände in unseren Meeren. Die Studienergebnisse können das Management von Fischereien auf Arten am unteren Ende der Nahrungskette maßgeblich beeinflussen.“

David Agnew, beim MSC für die Weiterentwicklung der Standards verantwortlich, kommentiert: „Wir vom MSC sind sehr stolz darauf, einen Beitrag zu diesen bahnbrechenden Erkentnissen geleistet zu haben. Wir haben uns dazu verpflichtet, die technischen Grundlagen unseres Standards auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Die Forschungsarbeiten helfen uns dabei, diesem Anspruch gerecht zu werden. Ich möchte allen Experten, die zu dieser Studie beigetragen haben, herzlich danken.“

Mehr über die Studie

Die Studie “Impacts of Fishing Low–Trophic Level Species on Marine Ecosystems” wurde erstellt von Anthony D.M. Smith (1), Christopher J. Brown (2,3), Catherine M. Bulman (1), Elizabeth A. Fulton (1), Penny Johnson (1), Isaac C. Kaplan (4), Hector Lozano-Montes (5), Steven Mackinson (6), Martin Marzloff (1,7), Lynne J. Shannon (8), Yunne-Jai Shin (8,9), Jorge Tam (10).

1  Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization, Wealth from Oceans Flagship, Hobart, TAS 7001, Australia.
2  School of Biological Sciences, The Ecology Centre, University of Queensland, St Lucia, QLD 4072, Australia.
3  Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation, Climate Adaptations Flagship, Cleveland, QLD 4163, Australia.
4  National Oceanographic and Atmospheric Administration, Northwest Fisheries Science Center, Seattle, WA 98112, USA.
5  Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization, Wealth from Oceans Flagship, Floreat, WA 6014, Australia.
6  Centre for Environment, Fisheries and Aquaculture Science, Lowestoft NR33 0HT, UK.
7  Institute for Marine and Antarctic Studies, University of Tasmania, Sandy Bay, TAS 7005, Australia.
8  University of Cape Town, Marine Research (MARE) Institute and Department of Zoology, Rondebosch 7701, South Africa.
9  Institut de Recherche pour le Développement, UMR EME 212 Ecosystèmes Marins Exploités, 34203 Sète, France.
10  Instituto del Mar del Perú, Esquina Gamarra y General Valle s/n, Callao, Perú.

Die Ergebnisse der Analyse wurden am 21. Juli in der Onlineausgabe des internationalen, wöchentlich erscheinenden Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht. Die Zusammenfassung des Artikels kann auf „Science Express“ eingesehen werden: Abbonenten können den gesamten Artikel einsehen, Nicht-Abonnenten den Artikel erwerben. Der Artikel wird zu einem späteren Zeitpunkt in der Druckversion von Science erscheinen.

 

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