MSC-Fischereien setzen Impulse
Die Fischerei hat nicht nur Folgen für den Lebensraum Meer und die weltweiten Fischbestände. Die Auswirkungen des Fischfangs sind komplex, nur schwer messbar und variieren von Fangbetrieb zu Fangbetrieb. Damit unsere Ozeane gesund und ertragfähig bleiben, müssen sensible Lebensräume, vom Aussterben bedrohte Tierarten und die Nahrungskette geschützt werden.
Erfahren Sie, wie MSC-zertifizierte Fischereien neue Wege aufzeigen, um die Vielfalt in den Meeren für künftige Generationen zu erhalten:
Fördern eines vorbildlichen Fischereimanagements
Technik vorteilhaft nutzen
Bekämpfen illegaler Methoden
Schutz der Artenvielfalt der Meere
Abschaffen zerstörerischer Fischereipraktiken
Fördern eines vorbildlichen Fischereimanagements
In vielen Fischereien wird den ökologischen Konsequenzen der Fischereiaktivitäten keine Beachtung geschenkt. Verantwortungslose Fangpraktiken haben gravierende Auswirkungen, sowohl für die Fischbestände und das Ökosystem, als auch für die von der Fischerei abhängigen Menschen: Schätzungen der UN-Welternährungsorganisation FAO zufolge sind elf der 15 größten Fanggründe und 69 Prozent der wichtigsten Fischarten der Welt überfischt. Diese Zahlen fordern ein schnelles, konsequentes Umdenken und begründen, warum der Schwerpunkt des MSC-Zertifizierungsprogramms auf einem effektiven Management des Fischfangs liegt.
Beispiel: Die Manager der MSC-zertifizierten neuseeländischen Hoki-Fischerei verlangen von allen Flottenmitgliedern die Unterzeichnung eines Vertrags, über den sie sich zur Einhaltung eines vereinbarten Verhaltenskodex verpflichten. Der Kodex legt fest, wie jedes Fangschiff seine Auswirkungen auf die befischten Lebensräume sowie auf Seerobben und Meeresvögel zu minimieren hat. Darüber hinaus ermöglichen strenge Konformitäts- und Meldesysteme eine engmaschige Beobachtung und ein adäquates Management der Aktivitäten der Fischerei.
Technik vorteilhaft nutzen
Der weltweite Fischfang hat ein enormes Ausmaß angenommen. Dabei profitiert er vom technischen Fortschritt – von elektronischen Ortungsgeräten, Hochleistungsturbinen, Ladekammern mit integrierten Gefriersystemen, Betankung auf hoher See und der wissenschaftlichen Kartierung des Meeresbodens. Dank dieser Innovationen ist die Fischerei heute schneller, sicherer und effizienter als früher. Aber ohne entsprechende Kontrollen gefährdet sie Lebensräume, Fischbestände und bedrohte Arten. Zwischen 1950 und 2000 hat sich das Fangvolumen von 19 Millionen Tonnen auf rund 90 bis 100 Millionen Tonnen pro Jahr verfünffacht (UN FAO). Erschöpfte, ertragsarme Ozeane nutzen niemandem. Doch die vorhandene Technik kann auch verantwortungsvoll eingesetzt und zum Erhalt von Ressourcen und Habitaten genutzt werden.
Beispiel: Die Fangquoten für die nach MSC-Standard zertifizierte Alaska-Seelachs-Fischerei beruhen auf Schätzungen des Fischbestands, die mithilfe hochmoderner Datenerhebungsmethoden modelliert werden. Durch das Erfassen von Echtzeitdaten über Fang und Beifang gewährleisten Beobachter an Bord, dass die vorgegebenen Quoten nicht überschritten werden. Ferner werden die erhobenen Daten an die restliche Flotte weitergeleitet, so dass die Verantwortlichen entsprechende Maßnahmen ergreifen können, wie z.B. Gebiete zu umfahren, in denen ein Beifangrisiko besteht.
Bekämpfen illegaler Fischereipraktiken
Die illegale Fischerei stellt weltweit ein gravierendes Problem dar. Rund um den Globus zerstört sie Lebensräume, untergräbt die Aktivitäten gesetzestreuer Fischereien, bedroht die Lebensgrundlage von Menschen und gefährdet die Nahrungsmittelsicherheit. Nicht alle Fangbetriebe halten sich an Kontrollen zum Schutz unserer Ozeane wie fangfreie Zonen oder Zeiten, und verbotene Methoden sind weit verbreitet. Der Wert des Fangs aus illegalen, nicht regulierten und nicht gemeldeten Fischereipraktiken wird auf 10 bis 23 Milliarden US-Dollar beziffert; dies entspricht einem Volumen von 11,06 bis 25,91 Millionen Tonnen Fisch (Quelle: MRAG 2008, The Global Extent of Illegal Fishing).
Das Zertifizierungsprogramm des MSC trägt zur Bekämpfung der illegalen Fischerei bei. Alle Fischereien, die an unserem Programm teilnehmen, müssen zeigen, dass sie alle relevanten örtlichen, nationalen und internationalen Gesetze einhalten. Selbst vorschriftsgemäß operierende Fischereien können nicht zertifiziert werden, wenn andere Schiffe in derselben Fischerei illegale Aktivitäten verüben und so eine Überfischung der Bestände verursachen. Darüber hinaus werden alle Betriebe, die MSC-zertifizierten Fisch verpacken und verarbeiten, nach dem MSC-Produktkettenstandard geprüft, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Ware sicherzustellen. Der MSC-Produktkettenstandard liefert damit die Garantie, dass kein illegal gefangener Fisch in die Produktkette gelangt.
Beispiel: Die nach MSC-Standard zertifizierte Fischerei auf Schwarzen Seehecht in Südgeorgien hält mithilfe einer hochmodernen Technik illegale Fangschiffe aus ihrem Gebiet fern. Auf allen Schiffen reisen an Bord unabhängige Beobachter mit, die über die Fangzahlen Buch führen und diese den örtlichen Behörden melden. Ein konsequentes System zur Fanglizenzerteilung an Schiffe wird rigoros durchgesetzt und ein Umladen des Fangs ist nicht gestattet. Die Zahl der Anlandestellen ist begrenzt und wird streng kontrolliert. Über ein gesichertes Satellitenüberwachungssystem wird mittels Bordwaagen und Lokalisierung der Schiffe per GPS jedes Pfund angelandeter Fisch registriert. Nach der Anlandung werden die Fangkisten mit einem Barcode versehen, damit illegal gefangener Fisch nicht in die Lebensmittelkette eindringen kann. Dieser Fangbetrieb ist ein mustergültiges Beispiel dafür, wie verantwortungsvolles Management illegale Aktivitäten unterbinden und durch eine nachhaltige und vorbildliche Fischerei ersetzen kann.
Schutz der Artenvielfalt der Meere
Mit dem Begriff "Beifang" sind alle Lebewesen gemeint, die ungewollt in den Netzen der Fischer landen – also alle Arten, die nicht auf der Fangliste stehen. Hierzu gehören nicht nur unerwünschte Fischarten und Jungfische, sondern auch andere Meeresbewohner wie Vögel, Schildkröten, Korallen und Meeressäuger. Um den Beifang in Fischereien zu reduzieren, haben Aufsichtsbehörden in manchen Teilen der Welt die Anlandung beigefangener Arten verboten. In solchen Fällen müssen die Fischereien die oft bereits toten oder sterbenden Tiere in das Meer zurückwerfen. Andere Fischereien landen den Beifang zwar an, dürfen ihn jedoch nicht verkaufen.
Das Beifangvolumen variiert stark von Fischerei zu Fischerei. Schätzungen der FAO zufolge werfen kommerzielle Meeresfischereien jedes Jahr weltweit fast sieben Millionen Tonnen Beifang zurück ins Meer – dies entspricht etwa acht Prozent des globalen Fangs. Hinzu kommt das wahrscheinlich noch viel größere Volumen des angelandeten Beifangs. Dieser ist in manchen Fischereien wesentlich höher als der eigentliche Fang. Sein Gewicht kann bis zu zwanzig Mal höher sein als jenes der gewünschten Arten. In den meisten Fischereien lässt sich Beifang nur schwer komplett vermeiden. Allerdings können in jeder Fischerei einfache und bezahlbare Maßnahmen ergriffen werden, um die Folgen für die Ökosysteme zu minimieren.
Beispiel: In der nach MSC-Standard zertifizierten Fischerei auf Schwarzen Seehecht in Südgeorgien konnte die Zahl beigefangener Meeresvögel auf nahezu Null reduziert werden, nachdem die Fischer ihre Schiffe mit auffälligen Leuchtstreifen markiert hatten und Fischköpfe nicht mehr in der Nähe der Fischleinen ins Meer zurückwarfen. In der Nordseekrabben-Fischerei, die sich gerade nach MSC-Standard bewerten lässt, versuchen Fischer mit großmaschigeren Netzen, den Beifang von Scholle zu reduzieren.
Abschaffen schädlicher Fischereipraktiken
Einige der schlimmsten Umweltschäden werden durch schädliche Praktiken verursacht. Zwei besonders zerstörerische Methoden sind das Gift- und das Sprengstoff-Fischen: Beim Gift-Fischen werden Fische mithilfe einer Zyanid-Lösung betäubt und lassen sich so leichter fangen. Beim Sprengstoff-Fischen werden sie durch eine Explosion, zum Beispiel mit Dynamit, getötet. Anschließend werden alle an der Meeresoberfläche treibenden Fische mithilfe von Netzen aufgesammelt. Bei diesen Methoden handelt es sich um ziellose Praktiken mit verheerenden Konsequenzen für Meerestiere und die betroffenen Lebensräume. Der MSC schließt diese beiden Fischereimethoden von seinem Zertifizierungsprogramm aus, da sie weder kontrolliert durchgeführt werden können noch dem Prinzip der Nachhaltigkeit entsprechen.
Jede Art der Fischerei hat Auswirkungen auf den Lebensraum Meer. Fangbetriebe, die nach MSC-Standard für nachhaltige Fischerei zertifiziert sind, müssen demonstrieren, dass sie nur geringfügig in das Ökosystem eingreifen und vorbildlich geführt werden. Grundschleppnetze beispielsweise werden oft als schädliche Methode verdammt. Doch sollte man mit solchen Pauschalurteilen vorsichtig sein, denn es gibt große Unterschiede zwischen den verschiedenen Grundschleppnetzfischereien. Deshalb sind auch Grundschleppnetzfischereien nicht vom MSC-Programm ausgeschlossen. Vielmehr steht es allen Fischereien offen, die nachhaltig und verantwortungsvoll geführt werden sowie effektive Kontrollmechanismen verwenden und umsetzen.

