Fragen & Antworten für Fischereien
Eine MSC-Zertifizierung ist für jede Fischerei ein wichtiger Schritt, der ihr mit großer Wahrscheinlichkeit beträchtliche Vorteile einbringt. Damit Sie Fragen Ihrer Mitarbeiter beantworten und ihnen das Verfahren erklären können, sollten Sie von Anfang an genau wissen, wie sich die Bewertung gestaltet.
Die folgenden Fragen werden uns oft zu Beginn des Verfahrens gestellt:
1. Was ist eine Zertifizierung?
2. Wie läuft das Zertifizierungsverfahren ab?
3. Welche Fischereien qualifizieren sich für eine Zertifizierung?
4. Nach welchen Kriterien werden Fischereien bewertet?
7. Was beinhaltet die Bewertung der Fischerei?
8. Wie viel kostet das Verfahren?
9. Wie lange dauert das Verfahren?
1. Was ist eine Zertifizierung?
Unser Programm bestätigt Fischereien, die den MSC-Umweltstandard erfüllen, dass sie verantwortungsvoll und vorbildlich geführt werden. Die Fischereien können ihren Fang mit dem MSC-Siegel kennzeichnen und damit ihr umweltschonendes Arbeiten nach außen kommunizieren. Um die Neutralität des Verfahrens zu gewährleisten, erfolgt die Bewertung durch unabhängige Dritte, so genannte Zertifizierungsstellen. Diese Vorgehensweise bürgt für ein neutrales Ergebnis.
• Erste Partei: Ein Unternehmen, ein Erzeugnis oder ein Service erfüllt einen bestimmten, nach den eigenen Vorgaben aufgestellten Standard.
• Zweite Partei: Das Unternehmen, das Erzeugnis oder der Service erfüllt von anderen aus der Branche, zum Beispiel einem Branchenverband, aufgestellte Standards.
• Dritte Partei (‚Zertifizierung‘): Im Rahmen einer unabhängigen Beurteilung wird nachgewiesen, dass das Unternehmen, das Erzeugnis oder der Service von unabhängigen Experten aufgestellte Standards erfüllt. Dies wird durch ein Zertifikat bestätigt.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) empfiehlt bei Ökokennzeichnungs-Programmen für Fischereien, eine Zertifizierung durch Dritte, um das Vertrauen der Verbraucher zu steigern.
2. Wie läuft das Zertifizierungsverfahren ab?
Die Zertifizierung ist ein mehrstufiges Verfahren und erfolgt durch eine von der Fischerei beauftragte unabhängige Zertifizierungsstelle. Diese muss von Accreditation Services International (ASI) zur Bewertung von Fischereien nach dem MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei zugelassen sein. Eine Liste der zugelassenen Zertifizierungsstellen finden Sie auf dieser Website unter der Rubrik Zertifizierungsstelle suchen. Nach der Wahl eines Zertifizierers kann das Verfahren beginnen:
Vorbewertung: In einem vertraulichen Bericht teilt der Zertifizierer der Fischerei mit, ob sie die Voraussetzungen für die eigentliche Bewertung erfüllt und wie sie sich darauf vorbereiten kann.
Vorbereitung: Fischereien können sich auf die Bewertung vorbereiten, indem sie Mitarbeiter, Fischereibehörden und Abnehmer über ihr Vorhaben informieren, Zuwendungen beantragen, einen Projektmanager ernennen oder einen Lenkungsausschuss einsetzen und Interessengruppen dazu aufrufen, sich am Verfahren zu beteiligen.
Eigentliche Bewertung: Im Rahmen eines siebenstufigen Verfahrens wird ermittelt, ob eine Fischerei den MSC-Standard erfüllt. Die Bewertung erfolgt unter der Leitung des beauftragten Zertifizierers und dessen Experten-Bewertungsteam. Sie umfasst die Konsultation von Interessengruppen, die Aufstellung relevanter Leistungsindikatoren, die Bewertung der Fischerei anhand dieser Indikatoren, die Identifizierung von Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Leistung bzw. der erzielten Punkte, die Beurteilung durch Sachverständige und schließlich die Bestimmung, ob die Fischerei dem MSC-Standard gerecht wird. Im Rahmen des intensiven Verfahrens müssen die Fischerei und andere Gruppen detaillierte Informationen bereitstellen.
Nach der Bewertung: Die Fischerei muss einem jährlichen Audit zustimmen. Außerdem sollte sie sich überlegen, wie die Zertifizierung mit Hilfe des Produktkettenstandards für die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Erzeugnissen mit MSC-Siegel optimal genutzt werden kann.
3. Welche Fischereien qualifizieren sich für eine Zertifizierung?
Die Zertifizierung nach MSC-Standard ist freiwillig – das heißt, eine Fischerei wird nur dann bewertet, wenn sie sich aus eigenen Stücken dazu entscheidet. Keine Fischerei kann gegen ihr Wissen oder gegen ihren Willen bewertet werden. Alle Fischereien, die Wildfisch aus Süß- und Salzwasser fangen, können sich nach MSC-Standard zertifizieren lassen. Zuchtbetriebe sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
Das MSC-Programm ist allen Fischereien, unabhängig von Größe, Umfang, ökologischen Merkmalen, Standort oder verwendeter Technik, zugänglich. Bislang haben die verschiedensten Fischereien – von sehr kleinen bis ganz großen Fangbetrieben – die Zertifizierung beantragt. Beispiele für Fischereien, die an unserem Programm teilnehmen:
• Fang einer einzigen Art und Fang verschiedener Arten
• Pelagische und demersale Arten
• Schleppnetze, Langleinen, Fallen und handgelesen
• Süßwasser und Salzwasser
• Binnengewässer und Küstengewässer
Über ein eigens entwickeltes Programm erleichtert der MSC nun auch Entwicklungsländern die Teilnahme. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt „Leitlinien zur Bewertung kleiner Fischereien mit mangelhafter Datenlage“ (engl.).
4. Nach welchen Kriterien werden Fischereien bewertet?
Der MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei ist das Ergebnis einer umfassenden internationalen Konsultation, bei der die Stimmen aller Gruppen, die an Fischereien ein begründetes Interesse haben, zum Tragen kamen. Dieser Standard, die so genannten „Grundsätze und Kriterien für nachhaltige Fischerei“, beruht auf dem Verhaltenskodex der FAO für verantwortlich geführte Fischereien und anderen internationalen Instrumenten zum Schutz der Umwelt.
Die drei Grundsätze des Standards lauten:
1. Nachhaltigkeit der Zielbestände
2. Aufrechterhalten der betroffenen Ökosysteme
3. Effektives Fischereimanagement
Untermauert werden diese drei Grundsätze von 23 Kriterien, die den Zertifizierern bei der Bewertung von Fischereien als Anhaltspunkte dienen. Zur Orientierung verwenden sie dabei die vom MSC aufgestellte Methodik zur Zertifizierung von Fischereien (engl.). Diese Methodik legt fest, was bei der Bewertung einer Fischerei zu beachten ist, insbesondere welche Informationen bereitgestellt und welche Interessengruppen am Verfahren beteiligt werden müssen. Im Juli 2008 veröffentlichte der MSC darüber hinaus seine Methodik zur Bewertung von Fischereien und Anleitung für Zertifizierer – einen umfassenden betrieblichen Leitfaden zur Interpretation der Grundsätze und Kriterien, der auch auf Deutsch erhältlich ist.
5. Wer wird zertifiziert?
Ein ‚Fischereikunde‘ kann eine einzelne Person, ein einzelner Betrieb oder eine ganze Gruppe von Unternehmen sein, die eine offizielle Bewertung eines Fangbetriebs beantragen. Zu unseren Kunden gehören Regierungseinrichtungen ebenso wie Fischereiverbände und örtliche Fischereibehörden.
Die endgültige Verantwortung für das Einführen der Bedingungen, unter denen ein Fangbetrieb zertifiziert wird, liegt beim Fischereikunden selbst. Ein Verstoß gegen die auferlegten Konditionen kann zu einem vorübergehenden oder dauerhaften Entzug des Zertifikats führen. Deshalb muss der Kunde auch über das Management der Fischerei einen gewissen Einfluss ausüben können, solides Projektmanagement betreiben und sich darauf verlassen können, dass alle an die Zertifizierung geknüpften Bedingungen zufriedenstellend eingehalten und umgesetzt werden.
6. Was zählt als ‚Fischerei‘?
Fischereien, die eine Bewertung beantragen, werden in der Regel anhand von vier Referenzpunkten definiert: Fanggebiet, gefangene Arten, verwendetes Fanggerät und die für das Zertifikat verantwortlichen Managementgruppen bzw. Organisationen. Auch andere Merkmale der Fischerei können zur Klarstellung dienen, was vom Zertifikat abgedeckt werden soll und was nicht. Gemeinsam bilden diese Elemente die so genannte ‚Zertifizierungseinheit‘. Sie wird zu Beginn des Verfahrens vom Fischereikunden bestimmt. Dabei nimmt die Zertifizierungsstelle eine beratende Funktion ein. Zur Zertifizierungseinheit können eine komplette Fischerei oder auch nur bestimmte Fangschiffe einer Flotte zählen und sie kann eine oder auch mehrere gefangene Arten umfassen. Sie nimmt in jedem Fall Bezug zum Fanggerät oder den eingesetzten Fangmethoden.
Nur Erzeugnisse, die Fisch aus der genannten Zertifizierungseinheit enthalten, dürfen mit dem MSC-Siegel gekennzeichnet werden. Folglich lautet die wichtigste Frage, die sich der Kunde zu Beginn des Verfahrens stellen muss: Weshalb lassen wir uns zertifizieren? Wer bzw. was wird zertifiziert? Welche Erzeugnisse sollen das MSC-Logo tragen dürfen?
Die Zertifizierungseinheit lässt sich während des Verfahrens nicht ohne erhebliche Verzögerungen ändern. Das heißt, die Fischerei darf dem MSC-Zertifikat nach einer bestandenen Bewertung keine anderen Arten wie etwa ein Nebenprodukt hinzufügen. Aus diesem Grund müssen die Weichen gleich zu Beginn klar gestellt werden.
Der Fischereikunde entscheidet, welche Fangschiffe zur Zertifizierungseinheit gehören – nur diese dürfen das Zertifikat verwenden. Andere Schiffe können sich zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen von ‚Gruppenzertifikaten‘ anschließen, dürfen jedoch nur dann aufgenommen werden, wenn sie die gleichen Merkmale – Fanggerät, gefangene Arten, Fangebiet, Management usw. – aufweisen, wie alle anderen Mitglieder der Gruppe auch.
7. Was beinhaltet die Bewertung der Fischerei?
Die Beurteilung der nachhaltigen Praktiken einer Fischerei ist ein komplexes Verfahren, das solide und glaubwürdig sein muss. Neben dem finanziellen Aufwand müssen Fangbetriebe damit rechnen, dass die Zertifizierung auch Zeit ihres Personals und zahlreicher anderer Mitarbeiter in Aufsichtsämtern, Fischereibehörden und zur Teilnahme am Verfahren aufgerufener Interessengruppen in Anspruch nimmt. Wer diese Gruppen von Anfang an miteinbezieht und ihre Unterstützung gewinnt, wird sie am ehesten begeistern, Zeit in das Verfahren zu investieren.
Entscheidend ist, dass der Prozess von Beginn an sorgfältig gemanagt wird. Eine der wichtigsten Lektionen, die zertifizierte Fischereien gelernt haben, lautet: Ein fundiertes Verständnis der Voraussetzungen und eine sorgfältige Vorbereitung auf das Verfahren reduzieren den mit der Bewertung verbundenen Zeitaufwand und die dafür anfallenden Kosten. Fischereien, die bereits zertifiziert wurden, empfehlen dringend die Ernennung eines Projektmanagers.
Darüber hinaus muss die Fischerei bei Bedarf auch nötige Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit und ihrer Leistung ergreifen und unter Umständen für Forschungsarbeiten zu ihren Aktivitäten oder zu neuen Managementpraktiken aufkommen.
8. Wie viel kostet das Verfahren?
Die Kosten für die Zertifizierung handeln der Fischereikunde und die Zertifizierungsstelle unter sich aus. Der MSC erhält hieraus keine Zahlungen und ist nicht an der damit verbundenen Kostenkalkulation beteiligt. Vielmehr erzielt er sein Einkommen aus der Erteilung von Logonutzungslizenzen, wenn Einzelhandelsunternehmen, Restaurants und fischverarbeitende Betriebe sich zur Verwendung des MSC-Logos auf ihren Erzeugnissen entscheiden.
Die wichtigsten Kostenelemente der Zertifizierung:
• Vorbewertung
• Bewertung
• Jährliche Audits
Die von den Zertifizierungsstellen berechnete Gebühr ist in der Regel eine vertrauliche Angelegenheit zwischen ihr selbst und dem Kunden. Zur Deckung der Kosten können Fischereien Zuwendungen (engl.) beantragen.
Die Kosten für die Bewertung variieren und sind abhängig von der Komplexität der Fischerei, der Verfügbarkeit relevanter Daten und der Anzahl der beteiligten Interessengruppen. Aus anekdotischen Erfahrungsberichten geht hervor, dass sie sich auf 25.000 bis 500.000 US-Dollar belaufen. In jedem Fall gilt: Eine gründliche Vorbereitung reduziert den mit der Bewertung verbundenen Zeitaufwand und die dafür anfallenden Kosten.
9. Wie lange dauert das Verfahren?
Sorgfältige Vorbereitung und gewissenhaftes Projektmanagement sind der Schlüssel zur Senkung des nötigen Zeitaufwands und der anfallenden Kosten. Wer die benötigten Informationen schon im Voraus sammelt, sorgt darüber hinaus für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Verfahrens und ein Minimieren der nötigen Zeit.
Im Durchschnitt nimmt eine Bewertung 18 Monate in Anspruch, allerdings gibt es zwischen den einzelnen Fischereien enorme Schwankungen. Die Dauer ist abhängig vom Grad der Vorbereitung, von Terminplänen sowie von der Art und Komplexität der Fischerei. Maßgeblich für die Länge des Verfahrens ist, wie groß das Interesse und die Bereitschaft zur Teilnahme von Personen ist, die wichtige Informationen oder Daten zur Fischerei besitzen.
Auch die der Zertifizierungsstelle zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie andere Verpflichtungen der Gutachter können den Zeitumfang stark beeinflussen. Besprechen Sie die anvisierten Fristen deshalb am besten direkt mit Ihrer Zertifizierungsstelle.
Der Rat anderer Fischereikunden lautet: Stellen Sie Ihrem Zertifizierer möglichst viele Fragen über dessen Erfahrung, darüber wie lange eine Bewertung dauert und lassen Sie sich vertraglich zusichern, dass sie nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt.
10. Wer ist wofür zuständig?
Der MSC gibt den Umweltstandard vor, nach dem Fischereien bewertet werden. Ferner definiert er die zur Bewertung herangezogene Methodik und bietet fachliche Hilfe zu deren Interpretation und der Auslegung des Standards.
Accreditation Services International (ASI) erteilt unabhängigen Zertifizierungsstellen eine Genehmigung zur Durchführung von Bewertungen nach MSC-Standard und kontrolliert, dass sie die Vorschriften einhalten. Außerdem dient ASI als erste Anlaufstelle bei Beschwerden über eine Zertifizierungsstelle.
Zertifizierungsstellen werden von ASI zur Durchführung von Bewertungen akkreditiert bzw. zugelassen, sind für die Aufstellung des Gutachterteams verantwortlich, stellen Fischereizertifikate aus und übernehmen während deren Gültigkeitsdauer die Audits.
Das Bewertungsteam wird vom Zertifizierer damit beauftragt, eine Fischerei nach MSC-Standard zu bewerten. Mithilfe eines vorgegebenen Kriterienkatalogs beurteilt das Team den Fangbetrieb anhand der von ihm selbst und von Interessengruppen bereitgestellten Informationen. Das Gutachter-Team selbst muss keine Daten erheben und zusammentragen oder Forschungen durchführen, um ein Urteil darüber fällen zu können, ob eine Fischerei den MSC-Standard erfüllt.
Der Fischereikunde:
• Muss eine rechtlich anerkannte Körperschaft sein, um Verträge schließen zu können.
• Ermöglicht den Gutachtern den ungehinderten Zugang zu Daten und Informationen über die Fischerei.
• Legt den Gutachtern alle relevanten für und gegen eine Zertifizierung sprechenden Informationen über die Fischerei offen.
• Informiert die Zertifizierungsstelle über alle betroffenen Interessengruppen.
Die Interessengruppen:
• Lenken die Aufmerksamkeit des Gutachterteams auf Probleme bzw. Bedenken hinsichtlich der von der Fischerei angewendeten Methoden und Leistungen, die für den MSC-Standard relevant sind.
• Liefern fundierte, solide Argumente für die von ihnen vertretene Position und verweisen auf Quellen, die objektive Nachweise liefern und den Gutachtern die Bewertung erleichtern.
• Vertreten ihre jeweilige Interessengruppe sowie deren Standpunkte.

