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Verschwindet mein Lieblingsfisch?

Juni 8, 2020

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(C) NOAA/Unsplash

Aus Sorge um unsere Ozeane: VerbraucherInnen ändern Konsumverhalten. Generationsübergreifend denkt hierzulande jeder Dritte, dass sein Lieblingsfisch in 20 Jahren nicht mehr erhältlich sein wird.

Die weltweit wachsende Sorge um unsere Meere und Fischbestände bringt derzeit eine neue Welle von Verbraucher-Aktivismus ins Rollen, wie eine aktuelle Studie des MSC (Marine Stewardship Council) zeigt. So haben im Schnitt sechs von zehn FischesserInnen ihr Konsumverhalten in den vergangenen zwölf Monaten geändert, um Ozeane und Fischbestände besser zu schützen. In Zukunft möchten dies sogar acht von zehn Befragten tun. 

Für die repräsentative, weltweit größte Studie dieser Art, wurden mehr als 20.000 Menschen in 23 Ländern  zum Thema Ozeane und Fischkonsum befragt, unter anderem in Deutschland. 


Deutsche „Generation Fridays for Future“ stimmt in Sachen Meeresschutz mit der Gabel ab

Auch in Deutschland gaben  im Schnitt sechs von zehn Befragten an, ihr Einkaufsverhalten von Fisch und Meeresfrüchten in den vergangenen zwölf Monaten geändert zu haben – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Altersgruppen: Während bei den 18 bis 24-Jährigen mehr als 80 Prozent aussagten, die Art ihres Fischkonsums im vergangenen Jahr bewusst geändert zu haben, waren es bei den über 55-Jährigen „nur“ – oder auch: immerhin! – knapp 50 Prozent.

Generationsübergreifend haben sich die Befragten dabei am häufigsten bei der Wahl ihrer Fischprodukte umorientiert: Ein Viertel gab an, in den letzten Monaten gezielter zu Produkten gegriffen zu haben, die als nachhaltig und umweltfreundlich gekennzeichnet waren, zum Beispiel durch das blaue MSC-Siegel. Jeweils 12 Prozent haben ihren Fischhändler oder Supermarkt gewechselt, um Zugriff auf ein nachhaltigeres Fisch-Sortiment zu haben, oder sind auf andere, mutmaßlich weniger überfischte Fischarten umgestiegen.

In der Gruppe der 18 bis 24-Jährigen kommt ein weiterer Faktor hinzu: 40 Prozent der Befragten aus der „Generation Fridays for Future“ gaben an, heute bewusst weniger Fisch zu essen als noch vor einem Jahr  – ebenso viele sind auch in dieser Altersgruppe gezielt auf Fischprodukte mit Nachhaltigkeitskennzeichnung umgestiegen. 
Meere schon bald ohne Lachse, Thunfische und Garnelen?
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Die Besorgnis um die Gesundheit unserer Gewässer und Fischbestände treibt immer mehr Menschen um. Während jeder Dritte in Deutschland den Klimawandel als seine größte „Umweltsorge“ benennt (33 Prozent), sind Gewässer- und Meeresschutz heute für jeden Fünften (20 Prozent) das wichtigste Umweltthema, so die aktuelle Studie. Und fast einer von drei Menschen denkt, dass „sein“ Lieblingsfisch in 20 Jahren nicht mehr erhältlich sein wird. 

Stefanie Kirse, Leiterin des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz: „Wir sehen, dass die wachsende Sorge der Menschen um die Zukunft unserer Ozeane auch Ansporn für nachhaltigere Kaufentscheidungen ist. Das begrüßen wir sehr! Denn schon die kleinen Entscheidungen, die wir alle täglich beim Einkauf treffen, haben einen großen Welleneffekt. Wenn Menschen quasi ,mit der Gabel‘ abstimmen und beim Fischkauf eine nachhaltige Wahl treffen, dann ist dies ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Meere.“ 

Bis zu 80 Prozent alles tierischen Lebens auf unserem Planeten befindet sich im Meer. Fische und Meeresfrüchte sind eine wichtige Nahrungs- und Eiweißquelle für mehr als 3 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt. Doch mehr als ein Drittel (34,2%) der weltweiten Fischbestände sind überfischt. Weitere 60 Prozent werden maximal genutzt, dürfen also nicht noch stärker befischt werden, wenn sie eine nachhaltige Bestandsgröße behalten sollen. Neben der Fischerei belasten auch Klimawandel und Meeresverschmutzung die Tierwelt in unseren Ozeanen mehr und mehr.      

Anlässlich des Welttags der Meere am 8. Juni appelliert der MSC an alle FischliebhaberInnen, bei jedem Fischkauf bewusst eine nachhaltige Wahl zu treffen und z.B. auf das blaue MSC-Siegel zu achten. Denn, darin sind sich Wissenschaft und zwei Drittel (64 Prozent) der in Deutschland Befragten einig: Um Fischbestände und Artenvielfalt in unseren Meeren auch für zukünftige Generationen zu erhalten, ist die nachhaltige, umweltschonende Fischerei ein Muss.


1  Die Umfrage wurde in Australien, Belgien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, der Schweiz, Singapur, Spanien, Südafrika und den USA durchgeführt. 
2  82% der 18- bis 24-Jährigen im Vergleich zu 49% der über 55-Jährigen und 65% der Eltern im Vergleich zu 53% der Kinderlosen haben im letzten Jahr ihren Fischkonsum verändert, um Meere und Fischbestände besser zu schützen. 
FAO Sofia Report 2020. 
4  In der Fachzeitschrift Nature stellte ein internationales Wissenschaftlerteam kürzlich die These auf,  dass die Gesundheit unserer Meere innerhalb einer Generation wiederhergestellt werden könnte, wenn nachhaltig gefischt, große Meeresgebiete geschützt und die Verschmutzung der Meere kontrolliert würde.  

 
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