Antwort des MSC auf die NABU Kritik an Hoki

Nachhaltige Fischerei ist ein sehr komplexes Thema, und es gibt unterschiedliche Einstellungen dazu, was darunter zu verstehen ist. Der MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei hat den Anspruch, den langfristigen Erhalt von Fischbeständen und Lebensräumen im Meer zu sichern und fußt ausschließlich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Die neuseeländische Hoki-Fischerei ist eine von derzeit 361 MSC-zertifizierten Fischereien weltweit. Sie wurde 2001 zum ersten Mal zertifiziert und hat im September 2018 ihre zweite Rezertifizierung erfolgreich abgeschlossen. Seit 2001 hat sich die Hoki-Population mehr als verdoppelt und die Fischerei hat ihren Beifang an Seevögeln um 85% gesenkt.

MSC nimmt Stellung zur Kritik des NABU

NABU-Kritik:

Jährlich verendeten rund 222 Seebären als Beifang in Fischernetzen. Der Beifang weiterer auch gefährdeter Arten wie Albatros, Riesenhai und Delfin, einschließlich des akut vom Aussterben bedrohten Hector- und Maui-Delfins, seien nicht oder nicht zuverlässig erfasst.

In den Gewässern um Neuseeland gibt es eine große Vielfalt an Meeressäugern, die alle als geschützte Arten ausgewiesen sind. Die neuseeländische Hokifischerei kommt selten mit gefährdeten Arten in Berührung. 30% der Fangfahrten der Hokifischerei werden von unabhängigen Beobachtern begleitet, die u.a. Daten zu unbeabsichtigten Beifängen erheben. Diese Beobachterdaten sind online frei verfügbar und einsehbar: https://psc.dragonfly.co.nz/2017v1/released/explore/. Jeder einzelne Fang einer Nicht-Zielart ist unglücklich und bedauerlich. Die Untersuchung des Bewertungsteams hat jedoch gezeigt, dass Zusammensetzung und Menge des unerwünschten Beifangs in der Hokifischerei keine negativen Auswirkungen auf die Populationen der jeweiligen Arten hat und innerhalb nachhaltiger und damit akzeptabler Grenzen liegt.

Die Fischerei hat viele erfolgreiche Maßnahmen zur Einschränkung von unerwünschten Beifängen entwickelt. So hat jedes Schiff der Fischerei einen individuellen Managementplan, der darauf abzielt, das Risiko von Seevögel- und Meeressäugerbeifängen zu verringern. Seit 2001 konnte die Fischerei z.B. die Anzahl der Seevögel, die sich auf der Suche nach Nahrung in den Leinen der Netze verfangen, um 85% reduzieren. Die Maßnahmen zur Reduzierung des Beifangs von Meeressäugern betreffen insbesondere den unbeabsichtigten Fang von neuseeländischen Seebären. Der Bestand dieser Robbenart ist groß und stabil. Die Art gilt in Neuseeland als nicht gefährdet.

NABU-Kritik:

Die stark rückläufige Bestandsentwicklung der Zielfischart selbst sei mit einer Zertifizierung unvereinbar.

Das MSC-Siegel wird nur an Fischereien vergeben, die Fischbestände nachhaltig nutzen oder eine Strategie (also z.B. einen Erholungsplan) implementiert haben, die nachweislich dazu beiträgt, dass sich der Bestand schnell erholt. Der MSC-Standard lässt keine Zertifizierung von Fischereien zu, deren Zielartbestände nach internationaler Definition überfischt sind. Die Größe eines Fischbestandes schwankt. Sie hängt nicht nur von der gefangenen Menge Fisch ab, sondern auch von natürlichen Einflüssen, wie zum Beispiel dem Nahrungsangebot oder der Menge des Nachwuchses. Geht ein Fischbestand zurück, bedeutet dies also nicht unbedingt, dass die Fischerei nicht nachhaltig arbeitet. Doch MSC-zertifizierte Fischer müssen auf solche Entwicklungen reagieren. 

Der westliche Bestand der Fischart Hoki vor Neuseeland nahm in den frühen 2000er Jahren aufgrund natürlicher Einflüsse stark ab. Um die Nachhaltigkeit der MSC-zertifizierten Fischerei sicher zu stellen, haben die Fischer ihre Fangmengen über Jahre hinweg stark gesenkt. Das zahlte sich aus und der Hokibestand konnte sich erholen. Die Daten der aktuellsten wissenschaftlichen Bestandsbewertung bestätigen, dass die Hokibestände heute deutlich über ihren Managementzielen liegen und der westliche Bestand wird vom Management als vollständig erholt bewertet.. Derzeit sind die Hokivorkommen in einem von fünf Fanggebiete zurückgegangen, worauf die Fischer bereits mit einer freiwilligen Reduzierung ihre Fangmengen reagiert haben. Sollte der Hokibestand in den roten Bereich abrutschen, wird der Fischerei das MSC-Zertifikat entzogen.

NABU-Kritik:

Zertifizierung ignoriere wissenschaftliche Studien und interne Regierungsberichte.

Das entspricht nicht der Wahrheit. Jede MSC-Bewertung wird von unabhängigen, externen Gutachtern durchgeführt. Diese sind verpflichtet, eine transparente, objektive und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Bewertung der Fischerei vorzunehmen. Ihre Arbeit umfasst An-Bord-Besuche und Interviews mit Fischereivertretern, örtlichen Behörden und Interessengruppen, ebenso wie die Analyse aller vorhandenen Informationen und wissenschaftlichen Daten über die Fischerei. Um die Ergebnisse der Gutachter zu verifizieren, sind in den MSC-Zertifizierungsprozess verschiedene Kontrollmechanismen integriert: Die Gutachterergebnisse werden durch mindestens zwei unabhängige Peer-Reviewer überprüft, NGOs können Einspruch erheben und bei Meinungsdifferenzen wird ein externer Schiedsrichter hinzugerufen. Auch die Gutachter der Hokifischerei haben wissenschaftliche Studien sowie Hinweise auf illegale Praktiken während des gesamten Bewertungsprozesses rigoros überprüft und entsprechend darauf reagiert. Alle Kommentare und Ergebnisse sind im Zertifizierungsbericht dokumentiert.

NABU-Kritik:

Fast alle Daten, die in die Hoki-Bestandsbewertung einfließen, stammen von der Fischereiindustrie anstatt von unabhängigen wissenschaftlichen Institutionen und seien daher unzuverlässig.

Auch diese Behauptung stimmt nicht. Um den Zustand eines Bestandes einzuschätzen, ziehen Wissenschaftler zum einen Angaben von Fischereien heran. Außerdem liefern Probefänge von Forschungsschiffen Informationen über Menge und Alter der Fische sowie den Anteil der geschlechtsreifen Exemplare. Auf Basis all dieser Daten errechnen sie dann die Entwicklung des jeweiligen Bestandes. Das tun auch die Wissenschaftler des National Institute of Water and Atmospheric Research Limited (NIWA), die für die Beurteilung der Hokibestände zuständig sind. 

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