Der MSC weist die Aussagen im jüngsten „Gütezeichen-Guide“ von Greenpeace Österreich vehement zurück.

Leider geht aus der Greenpeace Publikation „Zeichen-Tricks“ nicht hervor, welche Methodologie der Bewertung der Siegel nach Ampelsystem zugrunde liegt, noch in welcher Form die Übereinstimmung der Kriterien geprüft wurde. Greenpeace definiert in seinem 2018 „Gütesiegel-Guide“ sechs Voraussetzungen, welche Gütesiegel aus Greenpeace-Sicht erfüllen müssen, um als „ vertrauenswürdig“ eingestuft zu werden. Diese Kriterien werden vom MSC ausnahmslos erfüllt. Die Einschätzung von Greenpeace verwundert daher sehr und ist weder berechtigt noch nachvollziehbar.

Im Folgenden möchten wir die von Greenpeace getroffenen Aussagen richtigstellen:

Greenpeace-Kritik: Das MSC-Programm hat keinerlei positive Auswirkungen

Diese unsachliche Greenpeace-Behauptung ist schlichtweg falsch. Der MSC ist eines der wenigen Zertifizierungsprogramme, das regelmäßig Fortschrittsberichte über die erreichten Verbesserungen in den zertifizierten Fischereien ablegt. Der MSC konnte in den vergangenen Jahren viele Fischereien und Unternehmen rund um den Globus zu einer nachhaltigeren Arbeitsweise bewegen. Fischbestände und Lebensräume im Meer profitieren von diesen gemeinsamen Anstrengungen von Fischereien, Handel und Verbraucher. Beim MSC beschäftigt sich ein ganzes Team damit, die Effektivität von MSC-Zertifizierungen zu messen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse werden jährlich in sogenannten Fortschrittsberichten festgehalten. Intakte Fischbestände, weniger Beifang, mehr Schutzgebiete, stärkere Kontrollen und detaillierte Forschung: MSC-zertifizierte Fischereien tragen dazu bei, den Lebensraum Meer für die Zukunft zu erhalten. Erfahren Sie mehr im Fortschrittsbericht 2017

Greenpeace-Kritik: Das MSC-Siegel täuscht Konsumenten uneingeschränkte Nachhaltigkeit vor

Was Greenpeace unter dem Begriff „uneingeschränkte Nachhaltigkeit“ versteht, ist unklar. Der MSC trifft keine Pauschalaussagen; im Gegenteil, bei einer MSC-Zertifizierung werden jeweils die individuellen Bedingungen, unter denen Fischereien operieren, genau und für jede Fischerei separat betrachtet. Auch der Begleittext des MSC-Logos auf Produkten stellt deutlich klar: Der Fisch in diesem Produkt stammt aus einer Fischerei, welche nach den Richtlinien des MSC zertifiziert wurde. Was diese Richtlinien umfassen, und auch was nicht, kann jeder Konsument durch einen kurzen Besuch auf der MSC-Internetseite leicht nachvollziehen; z.B. in diesen kurzen Videos.  Von „Uneingeschränktheit“ kann demnach keine Rede sein – der Inhalt und Geltungsbereich einer MSC-Zertifizierung ist sehr klar abgesteckt.

Greenpeace-Kritik: MSC ist Preistreiber und Verkaufsförderer

Der MSC als freiwilliges Zertifizierungsprogramm hat keinerlei Einfluss auf die Entwicklung und Höhen von Produktpreisen und Umsätzen. Diese werden – wie allgemein in einer Marktwirtschaft üblich – durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Der Einsatz von MSC-zertifizierter Rohware in Fischprodukten ist heute - dank des Umdenkens in den Einkaufspraktiken von Herstellern und Händlern – vielerorts Marktstandard geworden. MSC-Produkte sind daher oft preislich nicht anders positioniert als Produkte mit konventionell gefangenem Fisch.

Greenpeace-Kritik: Nicht Erreichung des Ziels, den Meeresfischverbrauch zu senken.

Wir möchten Greenpeace ausdrücklich bitten, seine Agenda nicht zu unserer zu machen. Greenpeace propagiert Konsumverzicht in punkto Fisch. Der MSC steht für bewussten Fischkonsum. Wenn Fisch – dann aus nachhaltiger Herkunft. Meeresfisch ist eine wichtige und unverzichtbare Nahrungsquelle für viele Menschen weltweit – daher müssen wir mithelfen, diese wertvolle Ressource nachhaltig zu bewirtschaften, anstatt sie aus dem Speiseplan zu verbannen. Den Vorwurf, dass MSC den Fischkonsum ankurbelt, widerlegen Statistiken, die eine Abnahme des Pro Kopf Konsums an Fisch und Meeresfrüchten in Österreich seit 2007 belegen.

Greenpeace-Kritik: MSC-Zertifikat wird zu früh im Prozess vergeben

MSC-Fischereien werden mit unterschiedlich guten Bewertungen zertifiziert, doch ausnahmslos alle Fischereien müssen die Anforderungen des MSC-Standards erfüllen. Jede Fischerei hat Auswirkungen auf den Lebensraum Meer. Auch in einer nachhaltigen Fischerei sollte es Raum für weitere Verbesserungen geben. Wo MSC-zertifizierte Fischereien sich noch verbessern können, werden ihnen Zertifizierungsauflagen gemacht. Erfüllen sie diese nicht im vorgegebenen Zeitraum, so riskieren sie, dass ihnen das MSC-Siegel wieder entzogen wird – zuletzt geschehen bei der argentinischen Sardellenfischerei im Januar 2018. Das übt Druck auf die Fischereien aus, weiter an sich zu arbeiten und hat in den vergangenen 20 Jahren zu mehr als 1.000 positiven Veränderungen im Bereich Fischbestandsgrößen und Habitatschutz geführt. 

Greenpeace-Kritik: Zertifizierung von Fischereien mit zerstörerischen Fangmethoden

Der MSC schließt keine legale Fangmethode pauschal von einer Zertifizierung aus. Jede Fangmethode hat in Abhängigkeit vom Naturraum, in dem sie eingesetzt wird, in Abhängigkeit von der individuellen Beschaffenheit des Fanggeräts und in Abhängigkeit von der befischten Art, unterschiedliche Auswirkungen. Im Rahmen einer angestrebten MSC-Zertifizierung wird daher jede Fischerei einer Einzelfallprüfung unterzogen. Die MSC-zertifizierte Schollenfischerei in der Nordsee z.B. fängt mit Grundschleppnetzen – und das ohne langfristige Folgen für den Meeresboden, da wir hier sandig-lehmige Böden haben, welche durch starken Gezeitengang ständig umgewälzt werden und ein hohes Regenerierungspotenzial haben. Auch die zertifizierten Muschelfischereien mit Dredgen haben bewiesen, dass ihre Fangmethode nicht zu irreversiblen Schäden am Meeresboden führt. Viele andere Fischereien müssen im Kontext ihrer MSC-Zertifizierung wissenschaftliche Untersuchungen anstoßen, um das marine Ökosystem besser zu verstehen und schonen zu können.

Greenpeace-Kritik: Zertifizierung von Fischereien mit hohem Beifang

In Fischereien, bei denen sich gezielt einzelne Arten fangen lassen, etwa Schwarmfische wie Hering und Makrele, funktioniert die Beifangvermeidung sehr gut. Aber oft landen verschiedene Fischarten im Netz. In manchen Fischereien lässt sich Beifang nicht vermeiden, da viele Fischarten nicht in reinen Schwärmen vorkommen, sondern sich mit anderen Arten mischen. Beifang ist ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt beim MSC. Die Höhe des akzeptablen Beifangs für eine MSC-Zertifizierung ist jedoch von Fischerei zu Fischerei unterschiedlich. Unabhängige Experten haben bestätigt, dass die Höhe des Beifangs und die Sterblichkeitsrate von Blauhaien in der MSC-zertifizierten kanadischen Schwertfischfischerei biologisch vollkommen akzeptabel sind und die Gesundheit der nordatlantischen Blauhaipopulation nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil: Der Blauhaibestand im Nordwestatlantik ist in einem sehr guten Zustand und nach aktueller Datenlage wird der Fortbestand der gesunden Blauhaipopulation durch die fischereibedingte Sterblichkeitsrate nicht gefährdet. Alle beigefangenen Blauhaie in der Schwertfischfischerei werden noch im Wasser befreit – was jedoch rund 15% der Tiere nicht überleben. Die Behauptung, die Fischerei sei für 100.000 tote Haie verantwortlich, ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Greenpeace-Kritik: Zertifizierung von überfischten Beständen

Das MSC-Siegel wird nur an Fischereien vergeben, die Fischbestände nachhaltig nutzen oder eine Strategie (also z.B. einen Erholungsplan) implementiert haben, die nachweislich dazu beiträgt, dass sich der Bestand schnell erholt. Der MSC-Standard lässt keine Zertifizierung von Fischereien zu, deren Zielartbestände nach internationaler Definition überfischt sind. Langfristige Managementpläne sind das Herzstück einer zukunftsfähigen nachhaltigen Fischerei und können Unsicherheiten in wissenschaftlichen Bestandsprognosen und Bestandsschwankungen auffangen. Fischbestände sind nicht statisch. Die Größe von Fischbeständen ist von vielen Faktoren (z.B. Räuber-Beute-Verhältnis, Wassertemperatur etc.) abhängig und schwankt auch ohne Befischung. Die Tatsache, dass ein Bestand zu einem gewissen Zeitpunkt unter seinem Zielreferenzwert liegt, bedeutet also nicht automatisch, dass er nicht nachhaltig gemanagt wird. Wichtig ist, dass das Fischereimanagement auf solche Schwankungen angemessen reagiert und z.B. Fangmengen senkt, und genau das fragt der MSC-Standard ab.

Greenpeace-Kritik: Interessenkonflikt mit der Industrie

Der MSC ist eine gemeinnützige Einrichtung, die aus der Zertifizierung von Fischereien keine Gelder erhält. Das MSC-Budget stammt aus Fördermitteln und aus Lizenzgebühren, die Produzenten und Händler für die Nutzung des MSC-Siegels auf MSC-zertifizierten Fischprodukten an den MSC abführen. Die Lizenzgebühren werden vollständig in das MSC-Programm reinvestiert und beispielsweise für die Weiterentwicklung der Standards und für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt. Unsere jährlichen Einnahmen und Ausgaben legen wir offen und transparent dar. Als Zertifizierungsorganisation, die sich die Marktkräfte zu Nutze macht, arbeitet der MSC mit der Industrie zusammen. Unsere Arbeit fußt auf der Tatsache, dass ein wirtschaftlicher Anreiz der wirkungsvollste Hebel für mehr Nachhaltigkeit ist.

Greenpeace-Kritik: keine signifikante Anzahl von Fischereien aus Entwicklungsländern zertifiziert

Das Gros der MSC-zertifizierten Fischereien ist in europäischen und nordamerikanischen Gewässern anzutreffen. Aktuell sind 27 Fischereien aus Schwellen- und Entwicklungsländern MSC-zertifiziert, weitere acht befinden sich in Bewertung. Viele kleine Fischereien sowie Fischereien aus Entwicklungsländern stehen auf dem Weg zur MSC-Zertifizierung vor besonderen Herausforderungen. Hierzu gehören u.a. ein Mangel an empirischen Daten z.B. über die befischten Bestände sowie institutionelle Schwächen und begrenzte Ressourcen. Um auch diesen Fischereien den Zugang zum MSC-Programm zu ermöglichen, hat der MSC Instrumente und Maßnahmen entwickelt, um sie bei einer nachhaltigeren Ausgestaltung ihrer Aktivitäten zu unterstützen.

Im Juli 2015 hat der MSC den Global Fisheries Sustainability Fund (GFSF) ins Leben gerufen. Mithilfe des Fonds werden Forschungsvorhaben im Fischereibereich und kleine Fischereien, die sich zertifizieren lassen möchten, unterstützt. Um eine Finanzierung bewerben können sich wissenschaftliche Einrichtungen, unabhängige Forscher, Fischereien, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen. Die madegassische Oktopusfischerei hat mit dieser Förderung z.B. eine wissenschaftliche Bestandsbewertung finanziert. Fischereiverbesserungsprojekte benötigen fast immer die Unterstützung vieler Partner wie Nichtregierungsorganisationen, Regierungen, Wissenschaftler, Unternehmen, Geber. Der MSC unterstützt Fischereien dabei, diese Partner zusammenzubringen. Ein speziell entwickelter Leitfaden gibt Hilfestellung für die Zusammenarbeit. Erfahren Sie hier mehr darüber, was der MSC tut, um auch kleinen, handwerklichen Fischereien die Teilnahme am MSC-Programm zu ermöglichen.

Greenpeace-Kritik: Keine Berücksichtigung von sozialen Kriterien

Der MSC-Standard ist in erster Linie ein Umweltstandard und umfasst bisher keinen gesonderten Sozialstandard. Unternehmen und Fischereien, die in den letzten zwei Jahren wegen Vorwürfen der Zwangsarbeit verurteilt wurden, sind jedoch von einer MSC-Zertifizierung ausgeschlossen. Darüber hinaus hat der MSC Zwangsarbeit als dringendes Thema in der weltweiten Fischerei identifiziert. Der MSC arbeitet seit 2016 daran, das Thema Arbeitsrechte stärker als bisher in seinem Zertifizierungsprogramm zu verankern. Im Laufe der im Jahr 2018 turnusmäßig anstehenden MSC-Standardüberarbeitungen werden erste Kriterien eingeführt, um MSC-zertifizierte Fischereien und Unternehmen gegen Zwangsarbeit abzusichern. Lesen Sie mehr zu unserer aktuellen Konsultation zum Thema Sozialstandards.

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