Eismeergarnele — Marine Stewardship Council
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Eismeergarnele

+++ Pandalus borealis +++ wird 3 bis 4 Jahre alt +++ Ø 16 cm groß +++

Eismeergarnele © Scandinavian Fishing Year Book

Unter den Krebstieren sind die Garnelen in Deutschland am populärsten und auch unter dem Namen Shrimps bekannt. Die über 2000 verschiedenen Garnelenarten werden nach Größe und Lebensraum eingeteilt. Garnelen werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch „Krabben“ genannt, was – möchte man es genau nehmen – nicht stimmt, da Krabben Kurzschwanzkrebse sind, Garnelen hingegen Langschwanzkrebse.

Die Eismeergarnele kommt im nördlichen Atlantik und Pazifik in Tiefen von 200 bis 700 Metern vor und wird besonders vor Kanada, Grönland und Norwegen gefischt. Die rosafarbenen Eismeergarnelen werden deshalb auch als Grönland-, Tiefsee- oder Kaltwassergarnelen bezeichnet. Für den Geschmack und die Konsistenz des Garnelenfleisches ist die Wassertiefe und -temperatur des Lebensraumes von großer Bedeutung. Je kälter das Wasser, desto feiner das Fleisch.

Lebensweise

Die Eismeergarnele weist biologisch eine Besonderheit auf: Sie ist ein Zwitter, wissenschaftlich gesagt ein Hermaphrodit, der im Laufe seines Lebens das Geschlecht wechselt. Die Eismeergarnele beginnt ihr Leben als Männchen und verwandelt sich für den Rest ihres Lebens in ein Weibchen. Wie lange die Eismeergarnele ein Männchen bleibt, ist von Region zu Region verschieden. Die Weibchen laichen im Herbst und tragen die befruchteten Eier bis zu zehn Monaten mit sich herum. Die kleinen Larven schlüpfen zur ersten Planktonblüte von April bis Juni und ernähren sich vom Plankton.

Aussehen

Fast alle Garnelen haben einen schmalen, gebogenen Körper und lange Fühler. Einige Arten wirken leicht durchsichtig und haben eine grün-bräunliche oder rosa bis braunrote Färbung. Die Eismeergarnele ist auch ungekocht intensiv rosa gefärbt und wird bis zu 16 cm lang (wenn man sie ausgestreckt misst).

 

© Joerg Lehmann, MSC – Klassischer Cocktail von EismeergarnelenRezepte mit Garnelen >> 






Beispiel einer MSC-zertifizierten Fischerei

> Kanadische EismeergarnelenfischereiCanada northern and striped shrimp

EismeergarneleIn Kanada werden Eismeergarnelen mit Grundschleppnetzen gefangen. Jedes Schleppnetz muss mit einem Nordmore-Gitter ausgerüstet sind, welches die Selektivität erhöht. Während Garnelen klein genug sind, um das Gitter zu passieren, werden Fische und andere Meereslebewesen zur Oberseite des Netzes geleitet, wo sie durch eine Ausstiegsluke wieder in die Freiheit entkommen. Das Netz ist an einem Grundtau befestigt, das mit Stahlkugeln oder Gummischeiben beschwert wird. Diese rollen über den Meeresboden und halten das Netz selbst knapp darüber. Die Garnelen hüpfen aufgeschreckt nach oben und landen im Netz, während Plattfische unter dem Netz, zwischen Grundtau und Meeresboden, entfliehen können. Der ungewollte Beifang wird durch diese Methode auf ein angemessenes Maß reduziert. Des Weiteren wurden verschiedene Anpassungen an Scherbrettern, Tauen und dem Netz gemacht, um Strömungseigenschaften und Kraftstoffeffizienz zu verbessern. EismeergarneleEismeergarnelen bevorzugen weiche Böden, können aber auch auf steinigen Böden gefischt werden, wo es auch Kaltwasserkorallen geben kann. Untersuchungen zum Beifang von Korallen in dieser Fischerei zeigen, dass nur zwei Prozent aller Fänge Korallen beinhalten. Um einen potenziellen Schaden an Kaltwasserkorallen noch besser ausschließen zu können, musste die Fischerei Zertifizierungsauflagen erfüllen: Im Rahmen eines breit angelegten Forschungsprojektes hat die Fischerei in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern ihr gesamtes Fanggebiet kartiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Fischer nicht in Gebieten fischen, wo sensitive Arten wie Korallen oder Schwämme wachsen. Für den Fall, dass die Fischer ihr Fanggebiet wechseln, müssen sie eine proaktive Strategie entwickeln, um sicherzustellen, dass sensitive Gebiete weiterhin gemieden werden.

Bestandsinformationen

Eismeergarnele...zum Bestand vor der Atlantikküste Kanadas (FAO 21): 

Der Eismeergarnelenbestand (Pandalus borealis) kommt in den Hoheitsgewässern Grönlands und Kanadas vor und wird von beiden Nationen gemeinsam befischt und gemanagt. Mitte der 90er Jahre wurde die Fischerei erheblich intensiviert. Durch den Rückgang des Kabeljaus im selben Gebiet – dem Feind der Eismeergarnele – konnte sich die Garnele ungestört vermehren. In den vergangenen 10 Jahren sinken die Fangmengen und die Quoten. Das Management reagiert so angemessen auf Beobachtungen, die zeigen, dass unter anderem der Kabeljaubestand im Gebiet und somit der Fraßdruck auf die Eismeergarnele wieder zunimmt. Die ‚gestreifte Garnele‘ Pandalus montagui mischt sich mit P. borealis und kommt nur zu einem sehr kleinen Anteil im Fang vor. Die Fangmengen sind angemessen und der Bestand weiterhin in einem guten Zustand.



© Speziesbild: Scandinavian Fishing Year Book | Fischereibild 1: Katharina Bunk, MSC | Fischereibild 2: The Navigator 2009 | Fanggebietskarte: Fischbestände Online verändert nach FAO

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