Schellfisch — Marine Stewardship Council
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Schellfisch

+++ Melanogrammus aeglefinus +++ wird bis zu 14 Jahre alt +++ max. 1 m lang +++

Schellfisch © Scandinavian Fishing Year BookDer Schellfisch ist mit dem Kabeljau verwandt. Sein charakteristisches Merkmal ist der große runde schwarze Fleck über der Brustflosse. Um die Ursache des schwarzen Fleckes ranken sich verschiedene Sagen, die meist den Griff des Heiligen Petrus für ihn verantwortlich machen. Einige Geschichten erzählen wie Petrus sich mit einem Schellfisch in der Hand vor Jesus niederwarf. Andere handeln davon wie Petrus einen widerspenstigen Fisch aus seinem Netz griff und ihm mit dem Ausspruch „Du bist mir ein wahrer Schelmfisch!“ gleich seinen Namen gab.

 

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Beispiele MSC-zertifizierter Fischereien

> Norwegischer Nordost-Arktischer Schellfisch: Norway North East Arctic haddock

SchellfischDie Schellfischfischerei setzt diverse Fanggeräte ein: Twin Rigs, Grundschleppnetze, Bodenlangleinen, Stellnetze und Snurrewaden. Grundschleppnetze sind nur außerhalb der 12-Seemeilenzone vor der norwegischen Küste zugelassen, da die meisten Schiffe mehr als 1.200 Tonnen Gewicht haben. Schiffe unter 1.200 Tonnen dürfen jedoch in bestimmten Gebieten und zu bestimmten Zeiten mit einem Abstand von bis zu sechs Seemeilen zur Küste fischen.

Wie auch in der MSC-zertifizierten norwegischen Kabeljaufischerei sind die Beifänge in der Schellfischfischerei sehr niedrig. Sie werden komplett angelandet, da Rückwürfe von quotierten Arten in Norwegen illegal sind. Die Beifänge umfassen auch Kabeljau des küstennahen Bestandes, der stark abgenommen hat. Die MSC-Bewertung hat dazu beigetragen, dass seit 2011 ein Wiederaufbauplan für diesen Kabeljaubestand existiert, der z.B. geschlossene Gebiete, eine höhere Mindestfanggröße sowie das Verbot von mobilen Fanggeräten in den norwegischen Fjorden beinhaltet. Auch wenn die Schellfischfischerei nicht zum Rückgang der beigefangenen Arten beiträgt, muss sie ihre Auswirkungen auf diese Arten überprüfen und, wenn nötig, reduzieren.

> Canada Scotia-Fundy haddock

Die MSC-Zertifizierung hilft der Fischerei auf Schellfisch in Neuschottland sich auf bestehenden Märkten zu behaupten. Bruce Chapman, Vorsitzender des Groundfish Enterprise Allocation Council, erläutert wie die Fischerei den Fang von Nichtzielarten reduziert und weitere Auswirkungen der MSC-Zertifizierung für diese Fischerei.

"Ich glaube, dass immer mehr führende Fischeinkäufer vorzugsweise nachhaltig gefangenen Fisch wählen. Das ist die Zukunft."
Bruce Chapman, Geschäftsführer des Groundfish Enterprise Allocation Council

Ein konservatives Management sorgt für gesunde Schellfischbestände

Eine unabhängige Bestätigung nachhaltiger Arbeitsmethoden, die eine MSC-Zertifizierung liefert, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Wichtige Einkäufer von Fisch und Meeresfrüchten entwickeln Einkaufsrichtlinien für MSC-zertifizierte oder ähnliche Produkte. Daher wird es für nachhaltige Fischereien immer wichtiger, auch als solche anerkannt zu werden. Dieser Trend ist auch in Ostkanada nicht unerkannt geblieben, wo in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Faktoren dazu führten, dass viele traditionelle Fischereien zusammen brachen. Jahrelanges konservatives Management und weitere Maßnahmen haben seitdem dazu beigetragen, dass sich die Mehrzahl der Bestände wieder erholt hat. Insbesondere Schellfisch, allen voran die Bestände in der Bay of Fundy und dem südlichen Kontinentalschelf von Neuschottland, zeigen eine gute Entwicklung. Hier hat sich eine der wichtigsten Fischereien der Region entwickelt. Bruce Chapman ist Geschäftsführer des Groundfish Enterprise Allocation Council und vertritt Fischer auf Grundfischarten in Kanadas Atlantikregion. Chapman erklärt, dass sich die Schellfischbestände auf einem gesunden Niveau befinden. Deshalb haben sie entschieden, die Fischerei in eine MSC-Bewertung zu schicken und damit den Vorteil zu erwerben, auch weiterhin Käufer von Fischen und Meeresfrüchten beliefern zu können, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. „Ich glaube, dass immer mehr der führenden Käufer diesen Weg gehen werden“, sagt Chapman. „Das ist die Zukunft.”

Canada Scotia-Fundy Haddock © Nova Scotia Department of AgricultureDie erlaubten Fangmengen für Beifangarten und für Kabeljau in der gemischten Fischerei auf Schellfisch und Kabeljau wurden reduziert

Der Zertifizierungsprozess zeigte, dass der Beifang von Kabeljau, Weißem Gabeldorsch und Rochen auf einem bestimmten Niveau bleiben muss, um die Populationen dieser Arten nicht zu gefährden. Dies galt vor allem für die Langleinenfischerei, die sowohl Schellfisch als auch Kabeljau gezielt fängt. Um das zu erreichen, entwickelte die Fischerei einen Schutzplan und eine Aufbaustrategie für die Kabeljaubestände in der Bay of Fundy und auf dem südlichen Kontinentalschelf Neuschottlands und reduzierte die Höchstfangmenge für Kabeljau für das Jahr 2011 von 3.000 auf 1.650 Tonnen. Die Zertifizierung war nicht der alleinige Anstoß für diese Maßnahmen, aber die Entwicklung einer Aufbaustrategie für die oben genannten Kabeljaubestände kann auf die MSC-Zertifizierung der Schellfischfischereien in dieser Region zurückgeführt werden. In der Schellfischfischerei mit Grundschleppnetzen ist Beifang ein weniger großes Problem. Hier werden Trennvorrichtungen eingesetzt, durch die der Kabeljau aus dem Netz flüchten kann, während der Schellfisch im Netz bleibt. Mit dieser Maßnahme konnte auch der Beifang anderer Nichtzielarten wie zum Beispiel Rochen erheblich reduziert werden. Chapman ist der Meinung, dass die Limitierung des Kabeljaufangs langfristig gesehen vorteilhaft sein wird: „Die Zertifizierungsauflagen fordern das Formulieren klarer Ziele und Regeln für das Festsetzen von Höchstfangmengen. Damit gibt es jetzt klare Vorgaben für die Entscheidungsfindung. Ich finde das gut. Man wird immer mehr Fischbestände auf diese Weise bewirtschaften, und das sollte zu einer nachhaltigeren Nutzung der Ressourcen führen.“

© Alexander - Fotolia.com - NeuschottlandDie MSC-Zertifizierung erhält bestehende Märkte und eröffnet nach und nach neue

Kürzlich wurde Chapman von einem großen US-Händler angerufen, der früher keinen kanadischen Schellfisch aus dem Atlantik gekauft hat. Jetzt hat er Interesse an MSC-zertifizierten Schellfisch. Dies könnte ein erstes Anzeichen zukünftiger Entwicklungen sein. „Ich glaube, dass die Zertifizierung uns einige Märkte öffnen wird, die früher nicht wirklich auf Schellfisch aus Neuschottland fokussiert waren“, sagt Chapman. „Und was noch wichtiger ist, ich glaube, dass wir dadurch Märkte erhalten, auf denen wir jetzt schon sind. Gerade mit Blick auf Käufer, die zertifizierte, nachhaltige Produkte beziehen wollen. Das ist wahrscheinlich der größte Vorteil – der Erhalt von bestehenden Märkten.“ Auf politischer Ebene trug die Zertifizierung der Schellfischfischerei dazu bei, dass die kanadische Regierung unter Druck geriet, ihre Richtlinien für nachhaltige Fischerei schneller umzusetzen. „Es gibt einige gute Leitlinien für den Vorsorgeansatz und für empfindliche Bodengebiete, aber deren Umsetzung schritt etwas langsamer voran als erwartet“, erklärt Chapman. „Die Zertifizierung der Schellfischfischerei führte dazu, dass die Umsetzung einiger dieser Vorschriften schneller erfolgte.“

Ein Blick in die Zukunft

Die Fischerei arbeitet weiterhin daran Entscheidungsfindungen transparenter und geradliniger zu machen und den Beifang gering zu halten. Die Entwicklung und der Einsatz von Bestimmungsbüchern soll den Fischern dabei helfen, gefangene Rochen zu identifizieren und deren Position festzuhalten, bevor sie die Tiere lebend ins Meer zurücksetzen. Fangen die Fischer in einem Gebiet mehr Tiere als im Rahmen und üblich ist, müssen sie das Fanggebiet verlassen. „Das ist Naturschutz, den wir auf See umsetzen können“, sagt Chapman.

Bestandsinformationen

FAO Fanggebiet 27 mit Ökoregionen (c) Fischbestände Online verändert nach FAO

…zum Bestand in der Barentssee, Nordostatlantik (FAO 27):

Der Schellfischbestand in der Barentssee ist in einem sehr guten Zustand. 2011 erreichte der Bestand den höchsten Wert seit den 1950er Jahren, seit 2012 nimmt er jedoch leicht ab. Untersuchungen der vergangenen Jahre weisen auf eine geringere Nachwuchsproduktion hin, die sich nun in der Fischerei bemerkbar macht. Um angemessen darauf zu reagieren und eine nachhaltige Fischerei sicherzustellen, müssen die zur Zeit sehr hohen Fangquoten kurzfristig stark gesenkt werden.

 

 

 

FAO Fanggebiet 21 mit Ökoregionen (c) Fischbestände Online verändert nach FAO


FAO 21

Nordwestatlantik

Southern Scotian Shelf / Bay of Fundy / Golf von Maine / Georges Bank

Kanada







© Speziesbild: Scandinavian Fishing Year Book | Fischereibild 1: Alex Olsen | Fischereibild 2: Nova Scotia Department of Agriculture | Fischereibild 3: Alexander - Fotolia.com | Fanggebietskarten: Fischbestände Online verändert nach FAO

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