Scholle — Marine Stewardship Council
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Scholle

+++ Pleuronectes platessa +++  kann über 25 Jahre alt werden +++ Ø 30 cm lang +++ Ø 500 g leicht +++

Scholle © Scandinavian Fishing Year BookDie Scholle, auch Goldbutt genannt, ist der bei uns bekannteste und wichtigste Vertreter der Plattfische. Schollen sind wegen ihres weißen, schmackhaften Fleisches äußerst beliebt.

Lebensweise 

Ihr Lebensraum ist der Meeresboden, an den sich die Scholle als echte Tarnungskünstlerin farblich anpassen kann und in den sie sich bei Gefahr eingräbt. Dann sind nur noch ihre Augen zu sehen, mit denen sie ringsum alles im Blick hat – denn eines der Augen kann nach vorne und das andere gleichzeitig nach hinten sehen. 

Wegen ihres bevorzugten Lebensraums am Meeresboden wird sie den Grundfischen zugerechnet. Schollen sind fast nie in der Nähe von Flussmündungen zu finden, da sie salzreiches, kühles Wasser lieben. Andererseits meiden sie tiefe Gewässer: In den meisten Gebieten leben sie in 10 bis 200 Metern Tiefe, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer auch in bis zu 400 Metern. Eine weibliche Scholle kann bis zu einer halben Million Eier ablegen. Von ihren ursprünglichen Laichzonen wandern die Schollen täglich bis zu 30 Kilometer in Richtung der Gezeitenzonen am Strand. Erst wenn sie älter werden, zieht es sie wieder in tiefere Gewässer. Hauptnahrung der Jungtiere sind kleine Würmer und Krebse. Ausgewachsene Schollen leben von Garnelen, Krabben und kleinen Muscheln, von Aallarven sowie Kleinstdorschen und Spierlingen. 

Aussehen

Schollen tragen ihre Augen auf der rechten Körperflanke. Ihre braune Haut ist mit charakteristischen rötlichen Punkten versehen. Schollen sind durchschnittlich 30 Zentimeter lang und 500 Gramm leicht, dennoch können ausgewachsene Schollen eine Länge von 95 Zentimetern und ein Gewicht von 7 Kilogramm erreichen! Das höchste Alter einer gefangenen Scholle betrug 50 Jahre. In Form und Färbung sieht die Scholle einer Flunder zum Verwechseln ähnlich. Anders als die Flunder fühlt sich die Scholle durch ihre auffallend kleinen Schuppen völlig glatt an. Zwischen den Augen hat sie eine leistenartige Verdickung aus knöchrigen Höckern. Die (obere) Augenseite des platten, ovalen Fischkörpers variiert je nach Untergrund in den verschiedensten Brauntönungen mit hell- bis dunkelroten Flecken, die bei laichreifen Tieren zusätzlich hell gesäumt sind. Die Unterseite  die sogenannte Blindseite  ist weiß, gelegentlich mit dunklen Flecken.

 

© Joerg Lehmann, MSC – Backfisch von der Scholle

Rezepte mit Scholle >>

 

 

 

 

(c) MSC - Ekofish PD147 crew with MSC logoBeispiele MSC-zertifizierter Fischereien

> Ekofish Twin Rig Schleppnetz Nordseescholle: Ekofish Group North Sea twin rigged otter trawl plaice

> Osprey Twin Rig Schleppnetz Nordseescholle: Osprey Trawlers North Sea twin rigged plaice 

Da die Scholle am Meeresboden lebt, kann sie nur mit Geräten gefangen werden, die ebenfalls nahe am Meeresboden eingesetzt werden. Beide Fischereien, die Ekofish Group aus den Niederlanden und Osprey Trawlers aus Dänemark, setzen für den Fang der Nordseescholle ein sogenanntes Twin Rig ein. Dieses Fanggerät besteht aus zwei Grundscherbrettnetzen, die leichter sind als herkömmliche Baumkurren, mit denen die Scholle sonst auch gefischt wird. (c) MSC - Ekofish director Louwe de Boer explains twinriggingDie Schollen werden dabei mithilfe vibrierender Drähte vom Meeresboden ins Netz geleitet. Die Berührungen mit dem Meeresboden sind weniger stark und so sind auch die Auswirkungen des Fanggerätes niedriger. Ein weiterer Vorteil für die Umwelt ist, dass die Fischer durch den Einsatz des leichteren TwinRig sehr viel Treibstoff sparen.

Beide Fischereien setzen oft freiwillig Maschenweiten ein, die größer sind als die legal vorgeschriebene Mindestmaschenweite. In die Oberseiten der Netze sind Einsätze aus quadratischen Maschen eingenäht, die sich im Wasser nicht zuziehen. Dies reduziert den Beifang von untermaßigen Fischen. Weiterhin meiden die zertifizierten Fischereien freiwillig ausgewählte Gebiete, um den Meeresboden und das Ökosystem zusätzlich zu schützen.

> Dänische Nordseescholle: DFPO Denmark North Sea Plaice 

Die dänischen Schollenfischer setzen herkömmliche Grundscherbrettnetze ein. Der Meeresboden in ihren Fanggründen besteht oft aus Sand oder Schlamm, also relativ glattem Untergrund. Daher können die Netze mit vergleichsweise kleinen, leichten Gummirollen (engl. Bobbins) anstatt mit schweren Gummirollen (engl. Rockhopper) ausgerüstet werden und der Untergrund wird so weniger beeinträchtigt. (c) MSC - net filled with plaice catchDie MSC-Bewertung zeigte, dass die eingesetzten Grundscherbrettnetze keine ernsthaften oder unumkehrbaren Schäden am Ökosystem der Nordsee verursachen.

Die Mindestmaschenweite im Steert, also dem Endstück des Netzes, muss in EU-Gewässern 110 mm und in den norwegischen Hoheitsgewässern 120 mm betragen. Viele dänische Fischer wählen jedoch durchgehend 120 mm, da sie in EU- und norwegischen Gewässern fischen. Dies führt zu einer geringeren Anzahl von Jungfischen im Fang.

Bestandsinformation

FAO Fanggebiet 27 mit Ökoregionen (c) Fischbestände Online verändert nach FAO...zum Bestand in der Nordsee (FAO 27):

Die Entwicklung der Scholle wird seit 1956 aufgezeichnet. Der Bestand ist derzeit (2014) so groß wie noch nie und wird nachhaltig befischt. Die Scholle produziert momentan ausreichend Nachwuchs, sodass der Bestand auch in den kommenden Jahren groß bleiben wird.

 

 

 

 

 

 

© Speziesbild: Scandinavian Fishing Year Book | Fischereibild: MSC | Fanggebietskarte: Fischbestände Online verändert nach FAO

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