Zander — Marine Stewardship Council
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Zander

+++ Sander lucioperca +++ Größe: Ø 50 cm +++ Gewicht: Ø 3 kg +++

Zander

Der Zander ist ein auch bei uns heimischer Süßwasserfisch, der zur Familie der Barsche gehört. Er ist ein empfindlicher Bursche und stellt besondere Ansprüche an die Umweltbedingungen unter Wasser. Im Gegensatz zu vielen anderen Artgenossen, die im Süßwasser leben, bevorzugt er getrübte Gewässer. Der Untergrund seines Lebensraumes sollte hart sein, und die Seen und Flüsse, in denen er zu finden ist, dürfen im Sommer sogar höhere Wärmegrade aufweisen, damit der Zander sich wohlfühlt. Der Zander ist ein schneller Räuber. Besonders bevorzugt er Stinte. Aber auch Krebse und Kleinlebewesen gehören zu seiner Beute. Aufgrund seiner Fressgier ist der Zander relativ schnellwüchsig. Zander werden üblicherweise zwischen 40 und 130 Zentimetern lang und bis zu zehn Kilogramm schwer.

Im Rahmen des gesamten Fischverzehrs in der Bundesrepublik Deutschland spielt der Zander eine Nischenrolle. Dennoch liegt es im Trend, Zander zu genießen. Sein weißes, wohlschmeckendes, fettarmes Fleisch gehört zum Besten, was aus dem Süßwasser auf den Teller kommt. Insbesondere die gehobene Gastronomie hat Zander in den letzten Jahren neu entdeckt, und mit diesem Aufschwung wurde auch die Nachfrage nach diesem Süßwasserfisch immer größer.

Aussehen

Obwohl er zur Barsch-Familie gehört, ähnelt der Zander im Aussehen und in seinem Jagdverhalten eher dem bekanntesten Süßwasserräuber, dem Hecht. Besonders die schlanke Körperform erinnert an den Hecht. Die Färbung des Fisches ist blass-grünlich. Dunkle, am Rücken verlaufende Fleckenreihen, die sich auch über Flossen und Schwanz fortsetzen, verzieren ihn mit einem interessanten Muster.

 

Beispiel einer MSC-zertifizierten Fischerei

> Zanderfischerei im Hjälmaren-See, Schweden: Lake Hjälmaren pikeperch fish-trap and gillnet

Zander Schweden Fischer (c) Ulf BerglundDie Zanderfischerei im Hjälmaren-See war 2006 sowohl die erste Süßwasser-Fischerei als auch die erste Fischerei in Schweden, die MSC-zertifiziert wurde.

Heute wimmelt der Hjälmaren-See sowohl unter als auch über Wasser nur so vor Lebewesen. Heerscharen von Fischadlern, Seeadlern und Kormoranen kreisen hier – doch das war nicht immer so. Im frühen 20. Jahrhundert fiel die traditionelle Flusskrebs-Fischerei einer Plage zum Opfer. Und so richteten die Fischer ihr Augenmerk auf den Zander, einem in Süßwasser lebenden Raubfisch mit magerem, saftigem, weißem Fleisch, der in Schweden bis zu zwölf Kilogramm schwer werden kann. Im späten 20. Jahrhundert ging dann aber auch diese Spezies stark zurück und es wurden verzweifelte Managementmaßnahmen ergriffen, um sie zu retten.

Ökologische Maßnahmen

Unter dem schwedischen Fischereigesetz von 1994 mussten alle Fischer eine Lizenz besitzen, doch die Details zur Fischereiregulierung konnten regional festgelegt werden. Im Hjälmaren-See erhöhte man die gesetzlich vorgeschriebene Mindestgröße für Zander freiwillig auf 45 cm – verglichen zu 40 cm in anderen Fanggebieten – und die Maschengröße der Kiemennetze auf 60 cm. So konnten auch größere Fische entkommen und weiter heranreifen. „Je größer ein Weibchen, umso mehr Eier produziert es,“ erläutert Inger Näslund vom WWF Schweden, die bei der MSC-Zertifizierung der Fischerei eine maßgebliche Rolle spielte. „Die Fischer wollten einen gesunden Bestand, weil er der Schlüssel zu einem intakten See ist. Sie begrenzen die Lizenzen auf rund 6 Meter lange Boote, und maximal 25 Boote erhalten eine Lizenz.“ Dementsprechend verzeichnete der Bestand ein rapides Wachstum und ist äußerst stabil. Im Sommer verwenden die Fischer hoch selektive Fischfallen, die ins Wasser gelassen, anschließend in die Boote gehievt und dort blitzschnell von unerwünschten Arten sowie zu kleinen Fischen befreit werden. Da die Tiere aus lediglich fünf Metern Tiefe hochgezogen werden, erweitert sich ihre Schwimmblase nur geringfügig. (Eine starke Erweiterung kann dazu führen, dass die Fische an die Oberfläche treiben, wodurch zurückgeworfene Fische zur Beute für Seemöwen werden.) Die Überlebensraten sind ausgezeichnet: Eine Studie ermittelte, dass 28 von 2.299 speziell markierten Zandern mindestens zehn Mal gefangen und wieder freigelassen wurden. Kiemennetze kommen hauptsächlich im Winter zum Einsatz. Dann fahren die Fischer in Schneemobilen auf den zugefrorenen See hinaus, schlagen Löcher ins Eis und ziehen mithilfe eines sogenannten „Is häst“ (Eispferd) eine Leine unter der Oberfläche entlang. Anschließend wird das Netz unter dem Eis ausgebracht und manuell hochgezogen. Wegen der Eisdecke verfangen sich keine Kormorane oder andere Tauchvögel im Netz, was im Sommer gelegentlich der Fall ist. „Die Fischer wussten, dass sie bereits eine nachhaltige Fischerei hatten,“ kommentiert Näslund, „aber sie wollten herausfinden, ob man ihren Fisch auch kennzeichnen könnte. Im Jahr 2004 kam ich mit meinem WWF-Kollegen Lennart Nyman hierher, um einen Vortrag über die Zertifizierung zu halten und zu veranschaulichen, was das MSC-Siegel auf dem Markt erreichen kann. Wir dachten zuerst, wir müssten den Raum verlassen, während sich die Fischer darüber beraten. Aber der Vorsitzende stand einfach auf und sagte: ‚Was haltet ihr davon, Jungs? Sollen wir uns für MSC entscheiden?‘ Alle stimmten zu. Wir waren total perplex.“

Höhere Preise und mehr Umweltbewusstsein

Heute verkauft die Fischerei 80 Prozent ihres Zanderfangs an einen in Göteborg ansässigen Abnehmer namens Hjälmarfisk. Dieser ist nach dem Rückverfolgbarkeits-Standard des MSC zertifiziert und verkauft den Zander weiter, hauptsächlich nach Deutschland. „Die Fischer bekommen einen etwas höheren Preis pro Kilo, wenn sie zertifiziert sind,“ bestätigt Näslund, aber die MSC-Zertifizierung bringt auch subtilere, längerfristige Vorteile mit sich. „Nun möchten sie die Maschen weiter vergrößern, um die Fortpflanzung des Bestandes zu sichern,“ sagt Näslund. Beeinflusst habe sie dabei die Bewertung nach MSC-Standard. Sie hatte es zur Auflage gemacht, dass die Fischer einen Aktionsplan erstellen, aus dem hervorgeht, wie sie künftig mit niedrigeren Bestandszahlen umgehen wollen. Darüber hinaus sollten sie Daten zur Geschlechterverteilung, zur Größe und zum Alter der Zander erheben, um mögliche Populationsverschiebungen zu ermitteln, welche die Reproduktionskapazität beeinträchtigen könnten. „Die Fischer dachten bereits nachhaltig,“ so Näslund, „aber der MSC hat sie weiter wachgerüttelt. Vor kurzem kam uns zu Ohren, dass auch auf anderen Seen die Mindestfanggröße für Zander erhöht wurde.“ Damit zeigt sich, dass sich die Botschaft der Nachhaltigkeit auch jenseits der Ufer des Hjälmaren-Sees ausbreitet.

 

Fanggebiet

FAO-Gebiet 05: Europa Binnengewässer

© Speziesbild: Scandinavian Fishing Year Book | Fischereibilder: Ulf Berglund

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