MSC-Stellungnahme zum Greenpeace Einkaufsratgeber Fisch 2016 — Marine Stewardship Council
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MSC-Stellungnahme zum Greenpeace Einkaufsratgeber Fisch 2016

Der Greenpeace Einkaufsratgeber Fisch stuft einige Fischarten als rot ein, also als „nicht empfehlenswert“, die zugleich von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden. Im Folgenden erläutern wir, was eine MSC-Zertifizierung vom Greenpeace Einkaufsratgeber unterscheidet.

Ganz grundsätzlich: Greenpeace ist eine Umweltschutzorganisation, der MSC hingegen ist ein Zertifizierungsprogramm, das durch die Schaffung von Marktanreizen positive Veränderungen in der weltweiten Fischerei vorantreibt. Greenpeace und der MSC arbeiten an einem gemeinsamen Ziel – einer nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Meere – mit unterschiedlichen Instrumenten und Ansätzen.

MSC-Standard fußt auf einem breiten wissenschaftlichen Konsens

Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was „nachhaltige Fischerei“ bedeutet und beinhalten muss. Oft stehen dabei verschiedene Fragestellungen im Vordergrund oder werden vermischt: wissenschaftliche, ethische oder emotionale. Der MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei hat den Anspruch, den langfristigen Erhalt von Fischbeständen und Lebensräumen im Meer zu sichern und fußt ausschließlich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Bei der Definition der MSC-Kriterien liegt die Herausforderung darin, die Anforderungen wirksam und erfüllbar zugleich zu gestalten, sodass eine Fischerei ökologisch verträglich und gleichzeitig wirtschaftlich rentabel arbeiten kann. Sind die Kriterien eines Standards zu anspruchslos, werden keine positiven ökologischen Veränderungen erzielt. Sind die Kriterien eines Standards so anspruchsvoll, dass keine Fischerei sie anwenden kann, kann auch der beste Standard keine Veränderung bewirken. Die Messlatte, die eine vorbildlich und nachhaltig arbeitende Fischerei überspringen muss, um MSC-zertifiziert zu werden, stellt daher einen breiten wissenschaftlichen Konsens dar, der von über 200 Wissenschaftlern, Vertretern aus der Fischereiindustrie, Umweltschützern und anderen Interessengruppen während eines zweijährigen Prozesses (1997-1999) definiert wurde. Die MSC-Kriterien für nachhaltige Fischerei und das dahinter stehende Zertifizierungsverfahren werden regelmäßig unter Beteiligung dieser Interessengruppen weiter entwickelt.

Maßgebliche Unterschiede finden sich auch im Verfahren von MSC-Bewertungen und Greenpeace-Einstufungen. Die Bewertung nach dem MSC-Standard ist ein sehr komplexes, wissenschaftsbasiertes Verfahren, das jede zu bewertende Fischerei individuell unter die Lupe nimmt und im Durchschnitt 18 Monate dauert. Im Rahmen einer MSC-Bewertung untersucht ein unabhängiger Zertifizierer die Bestandssituation, die Auswirkungen der Fischerei auf das Ökosystem sowie das Management der Fischerei anhand von 28 Leistungsindikatoren.

Im folgenden Video werden die MSC-Kriterien für nachhaltige Fischerei erklärt:

Die MSC-Bewertung jeder einzelnen Fischerei ist öffentlich und vollkommen transparent. Jegliche Interessengruppen wie Behörden, Naturschutzorganisationen, andere Fischereien oder auch Einzelpersonen können sich in den Bewertungsprozess einbringen. Die Bewertungsergebnisse werden von mindestens zwei unabhängigen Wissenschaftlern geprüft und stehen mehrere Wochen zur Kommentierung und zum Einspruch für Interessengruppen zur Verfügung. Jeder Bewertungsbericht einer Fischerei wird nach Abschluss der Prüfung auf der MSC-Webseite veröffentlicht.

Prüfung des Einzelfalls statt Definition von Ausschlusskriterien

Der MSC-Standard nimmt keine Verallgemeinerungen vor und definiert keine K.O.-Kriterien, da jede Fischerei unter individuellen Bedingungen operiert. Im Rahmen der MSC-Bewertung wird immer der Einzelfall geprüft. So können sich die Auswirkungen von Fanggeräten je nach Einsatzgebiet unterscheiden, da marine Ökosysteme unterschiedlich empfindlich sind. Diesen Umständen trägt die MSC-Bewertung Rechnung. Lesen Sie hier mehr.

Verbesserungen im Fischereimanagement und in der operativen Arbeit von Fischereien

MSC-Fischereien werden mit unterschiedlich guten Bewertungen zertifiziert, doch ausnahmslos alle Fischereien müssen einen Mindestanspruch an Nachhaltigkeit erfüllen. Wo die Fischereien sich noch verbessern können, werden ihnen Auflagen gemacht. Erfüllen sie diese nicht im vorgegebenen Zeitraum, so riskieren sie, dass ihnen das MSC-Siegel wieder entzogen wird – zuletzt geschehen bei der portugiesischen Sardinenfischerei und bei den Makrelenfischereien im Nordostatlantik. Dies übt Druck auf die Fischereien aus und hat bislang zu knapp 600 positiven Veränderungen geführt. Um nur einige konkrete Beispiele zu nennen: Die Hokibestände vor Neuseeland sind nach einem starken Einbruch zwischen 2001 und 2009 heute wieder auf gesundem Niveau, die südafrikanische Kap-Seehechtfischerei hat ihren Beifang an Albatrossen um über 99 Prozent gesenkt und in Südgeorgien führten die Zertifizierungsauflagen der Fischerei auf Schwarzen Seehecht zur Implementierung strenger Maßnahmen zur Sicherung der Rückverfolgbarkeit (z.B. Beobachter an Bord jedes Schiffes).

Erfahren Sie mehr über die ökologischen und strukturellen Auswirkungen des MSC-Programms in unseren regelmäßig veröffentlichten Fortschrittsberichten.

Langfristige Sicht statt Momentaufnahme

Im Rahmen einer Bewertung nach MSC-Standard wird nicht nur der Status quo betrachtet, sondern auch die Fähigkeit einer Fischerei, angemessen auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Es ist also ein vorausschauender Ansatz, der die langfristig nachhaltige Nutzung der Ressourcen sicherstellen soll. Fischbestände unterliegen aufgrund von Nachwuchsraten, Raubtier-Beute-Verhältnissen und der Nahrungssituation jährlichen Schwankungen – nicht nur aufgrund der Fischerei. Ein Rückgang des Bestandsniveaus in einem Jahr bedeutet nicht notwendigerweise, dass die Fischerei nicht nachhaltig ist. Doch das Fischereimanagement muss auf eine solche Entwicklung reagieren, Fischereiaktivitäten in Abhängigkeit von der Biomasse reduzieren und Wiederaufbaupläne entwickeln.

Verbraucher sind einer enormen Informationsflut ausgesetzt, die es unmöglich macht, in allen Bereichen Experte zu sein. Und genau dafür wurde das MSC-Siegel entwickelt. Es gibt Fischliebhabern mit einem Blick auf die Verpackung die Gewissheit, dass es sich um ein Produkt aus nachhaltiger Fischerei handelt. Um die Seriosität eines Zertifikates zu beurteilen, bieten vor allem zwei Organisationen Hilfestellung im Siegeldschungel: die Welternährungsorganisation FAO und die Dachorganisation für Nachhaltigkeitssiegel ISEAL. Beide haben Richtlinien für glaubwürdige Zertifizierungsprogramme definiert. Der MSC verwaltet im Fischereibereich das einzige Zertifizierungsprogramm, das sowohl den FAO- als auch den ISEAL-Ansprüchen vollständig gerecht wird. Dies stärkt neben der Rückverfolgbarkeit MSC-zertifizierter Produkte das Vertrauen in das MSC-Siegel als ein glaubwürdiges Instrument, um nachhaltig gefangenen Fisch zu identifizieren – für Verbraucher wie für Handelsunternehmen.

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