MSC-Stellungnahme zur Analyse nordostatlantischer Fischbestände von Opitz et al. — Marine Stewardship Council
Benutzerspezifische Werkzeuge
Anmelden
Sie sind hier: Startseite Presseraum MSC-Stellungnahme zur Analyse nordostatlantischer Fischbestände von Opitz et al.

MSC-Stellungnahme zur Analyse nordostatlantischer Fischbestände von Opitz et al.

Die europäischen Fischbestände, die von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden, sind in gutem Zustand

 

Analysen wie die von Opitz et al. sind ein wichtiger Teil der externen unabhängigen Prüfung, die der MSC grundsätzlich begrüßt. Wir nehmen alle objektiven Überprüfungen des MSC-Standards und seiner Anwendungen ernst. Wir sind jedoch der Auffassung, dass der Artikel von Opitz et al. irreführende Analysen und Aussagen enthält, die wir hier korrigieren möchten.

Die Analyse von Opitz et al. ignoriert den internationalen wissenschaftlichen Konsens in Sachen nachhaltiger Fischerei und verfolgt keine ganzheitliche Betrachtungsweise

MSC-zertifizierte Fischereien befischen keinen Bestand stärker als ökologisch vertretbar. Dafür sorgen die strengen und international anerkannten Nachhaltigkeitskriterien des MSC, denen jede zertifizierte Fischerei gerecht werden muss und deren Erfüllung von unabhängigen Gutachtern überprüft wird. Der Kriterienkatalog des MSC reflektiert den Code of Conduct der FAO und den internationalen wissenschaftlichen Konsens in Sachen nachhaltiger Fischerei.

Im Zentrum des MSC Kriterienkatalogs steht die Erkenntnis, dass die Gesundheit eines Fischbestands durch eine Kombination der Faktoren Grad der Befischung, Größe des Fischbestands und Wirksamkeit des Fischereimanagements bestimmt wird (ein wirksamer Fischerei-Managementplan ermöglicht es den Fischern und der Fischereiindustrie, angemessen auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und Bestände zu schützen). Neben diesen zentralen Faktoren berücksichtigt der MSC zur Bewertung der Nachhaltigkeit einer Fischerei außerdem aktuelle Bestandsentwicklungstendenzen und natürliche Bestandsschwankungen. Eine kombinierte Betrachtung all dieser Indikatoren ist unserer Auffassung nach nötig, um festzustellen, ob Fischereiaktivitäten einen Fischbestand gefährden. Opitz et al. hingegen treffen ihre Aussagen anhand der isolierten Betrachtung von jeweils nur einem einzigen Faktor (Biomasse oder Grad der Befischung), ohne Wechselwirkungen zwischen den drei Faktoren zu berücksichtigen.  

Beispiel zu niedrige Fischbestandsgröße: Nach den Vorgaben von Vereinten Nationen, MSC, ICES und dem Gros der internationalen Fischereiexperten darf die Größe eines Fischbestands kurzzeitig durchaus auch unter ihre Nachhaltigkeitsgrenze fallen, sofern die betroffene Fischerei dann sofort erfolgreiche Gegenmaßnahmen zum Bestandsaufbau ergreift. Dies ist etwa aktuell bei der von Opitz et al. kritisierten norwegischen Heringsfischerei der Fall. Oder bei der MSC-zertifizierten Fischerei auf Nordsee-Seelachs: Hier fiel im Jahr 2012 die Bestandsgröße unter die ICES Richtwerte. In Einklang mit den MSC-Vorgaben und dem Managementplan der Fischerei senkte die Fischerei daraufhin ihre Fangmenge noch deutlich unter den offiziellen Optimalwert – seitdem hat sich der Bestand deutlich erholt.

Beispiel zu hoher Grad der Befischung: Nach Ansicht des MSC und vieler Meereswissenschaftler darf der Befischungsgrad temporär durchaus über dem maximal nachhaltigen Wert liegen, wenn gleichzeitig die Bestandsgröße ebenfalls deutlich über ihrer optimal nachhaltigen Größe liegt.

Es gibt solide Belege dafür, dass MSC-zertifizierte Fischereien den Zustand der Fischbestände in unseren Ozeanen nachhaltig verbessern. Die Analyse von Opitz et al. stellt die Leistung von MSC-zertifizierten Fischereien in europäischen Gewässern falsch dar. (Dr. David Agnew, Leiter für Wissenschaft und Standards beim MSC)

Eine im Rahmen der Recherchen zum aktuellen Global Impacts Report (Erscheinungstermin: 8. Juni 2016) durchgeführte umfangreiche Datenanalyse europäischer Fischbestände hat gezeigt,  

  • dass sich der Zustand der Bestände, die von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden, zwischen 2000 und 2014 deutlich verbessert hat und der Zustand dieser Bestände heute besser ist, als bei Beständen, die von nicht MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden;
  • dass der Grad der Befischung bei MSC-zertifizierten Fischereien zwischen 2000 und 2014 wo nötig vermindert wurde und heute deutlich unter dem Grad der Befischung nicht-zertifizierter Fischereien liegt.

Wo Verbesserungen nötig sind, müssen MSC-zertifizierte Fischereien entsprechende Maßnahmen umsetzen. In der MSC-zertifizierten Fischerei auf Nordsee-Seelachs fielen zum Beispiel im Jahr 2012 die Bestände unter die ICES Richtwerte. In Einklang mit den MSC-Vorgaben und dem Langzeitmanagementplan der Fischerei senkte die Fischerei daraufhin ihre Fangmenge noch deutlich unter den Optimalwert FMSY. Der Bestand hat sich seitdem erholt. Seit Beginn des MSC-Programms wurden über 260 MSC-zertifizierte Fischereien verpflichtet, eine oder mehrere solcher Verbesserung durchzuführen.

Wissenschaftlich fragwürdig: Die Analyse von Opitz et al. beruft sich auf den Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES), deutet dessen Daten jedoch eigenmächtig um. So kommt es, dass Bestände, die nach Deutung von Opitz et al. als überfischt gelten, gemäß der Kriterien des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) gar nicht überfischt sind.

Opitz et al. gehen in ihrer Studie von einem Referenzwert für eine optimale, nachhaltige Fischbestandsgröße (BMSY) aus, der doppelt so hoch ist, wie der vom ICES ermittelte Mindestwert für eine nachhaltige Bestandsgröße (Btrigger oder Bpa). Diese pauschalisierende Art der Festlegung des Optimalwertes widerspricht jedoch dem Ansatz des ICES: Gemäß ICES kann die optimale Bestandsgröße BMSY bei dem einen Fischbestand sehr nah an der Mindestbestandsgröße Btrigger liegen, während sie bei dem anderen Fischbestand weit über dieser Mindestbestandsgröße liegen kann. Die Folge der falschen Referenzwertfestlegung durch Opitz et al.: Die Mehrheit der Bestände, die gemäß der Referenzwerte von Opitz et al. als überfischt gelten, gelten gemäß der Kriterien des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) gar nicht als überfischt.

Dr. Christopher Zimmermann, deutscher ICES-Abgesandter, Mitglied des ICES-Beirats und Vorstand des technischen Beirats des MSC, stellt klar: “Opitz et al. behaupten, nur mit offiziellen ICES-Daten zu arbeiten, doch gerade das tun sie nicht! Sie haben stattdessen eigene Referenzwerte aufgestellt, um anhand dieser, wie schon in der Vergangenheit, fälschlicherweise zu behaupten, der MSC lasse eine Ausbeutung überfischter Bestände zu. Weder nutzt ICES das von Opitz et al. herangezogene BMSY, noch befürworten wir grundsätzlich das Heranziehen einer festen Formel zur Berechnung von BMSY. Die Analyse von Opitz et al. basiert leider auf einer Fehlinterpretation der von den Autoren herangezogenen offiziellen ICES-Daten.“

Der wissenschaftlich fragwürdige Ansatz von Opitz et al. zeigt sich auch in folgendem Punkt: Opitz et al. werfen dem MSC vor, Bestände zu zertifizieren, deren Fangmengen UNTER den Höchstfangmengen liegen. „Eine Fischerei, die weniger fängt als die Höchstfangmenge macht nichts falsch“, so Dr. Agnew vom MSC. „Denn wie die Autoren selbst zugeben, gibt es viele, oft sozio-ökonomische Gründe dafür, dass Höchstfangmengen von Fischereien nicht ausgeschöpft werden. Es gibt keinen Grund für den MSC, eine Fischerei unter diesen Umständen zu suspendieren oder Verbesserungen einzufordern“.

Opitz et al. beziehen auch Bestände, die nicht von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden, in ihre Analyse mit ein und weisen diese als MSC-zertifiziert aus.

Einige Fischbestände, die in der Analyse von Opitz et al. einen besonders hohen Befischungsgrad ausweisen, werden nicht von MSC-zertifizierten Fischereien befischt oder werden von Fischereien befischt, die von ihrer MSC-Zertifizierung bereits suspendiert wurden. In der Analyse von Opitz et al. werden diese Bestände dennoch als „MSC-befischt“ ausgewiesen. 

Die niederländische Handangelfischerei auf Wolfsbarsch in der südlichen Nordsee (bss-47) zum Beispiel wurde Anfang 2015 suspendiert, auch die nordostatlantische Makrele (mac-nea) war zum Zeitpunkt der Datenerhebung von Opitz et al. bereits suspendiert. Der Bestand des norwegischen küstennahen Kabeljaus (cod-coas) wird primär von nicht zertifizierten Fischereien befischt, wenn auch eine kleine Menge dieses Bestands von der zertifizierten küstenfernen Barentssee Kabeljaufischerei mitgefangen wird. Die Darstellung von Opitz et al., wonach diese Bestände von MSC-zertifizierten Fischereien überfischt würden, ist falsch.

Bei anderen Beständen – z.B. bei der portugiesischen Sardine, dem Färöer Seelachs oder der nordostatlantischen Makrele – ziehen Opitz et al. Bestandsgrößen aus falschen Bezugsjahren heran, um ihre Aussage „der MSC zertifiziert überfischte Bestände“ zu stützen. 

Aktualisierte Version vom 12.7.2016

Artikelaktionen