Thunfischfischerei im mexikanischen Ostpazifik erhält MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei — Marine Stewardship Council
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Thunfischfischerei im mexikanischen Ostpazifik erhält MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei

Die mexikanische Fischerei Northeastern Tropical Pacific Purse Seine Yellowfin & Skipjack Tuna wurde fast zwei Jahre lang durch unabhängige Gutachter von SCS Global Services geprüft. Die Experten des Zertifizierungsteams sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fischerei die strengen Kriterien des MSC-Umweltstandards erfüllt und nachhaltig arbeitet. Nachhaltig nach MSC-Standard bedeutet, dass Fischbestände nur so stark befischt werden, dass sie eine reproduktionsfähige Größe behalten. Nachhaltig bedeutet auch, dass unbeabsichtigter Beifang – egal ob Delfine, Schildkröten, Haie oder andere Fischarten jenseits der Zielfischart – weitestgehend vermieden werden, dass der Lebensraum Meer nicht irreversibel geschädigt wird und dass die zertifizierte Fischerei über ein effektives Fischereimanagement verfügt.

Fakten zur zertifizierten Thunfischfischerei im Ostpazifik

Arbeitsplätze mex tuna

Das MSC-Zertifikat umfasst 36 Fangschiffe der Pacific Alliance for Sustainable Tuna (PAST), einem Verbund der vier größten mexikanischen Thunfischfischereien. Die zertifizierte Fischerei fängt Yellowfin (Gelbflossen-Thunfisch) und Skipjack (Echter Bonito). Sie fischt etwa 90% des in Mexiko angelandeten Thunfischs dieser beiden Arten. Die Fischerei ist größter legaler Arbeitgeber im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa und schafft dort über 30.000 Arbeitsplätze sowie jährliche Einnahmen in Höhe von mehr als 750 Mio. US-Dollar.

Fischerei auf Gelbflossen-Thunfisch: Auf der Spur von Delfinen

Die Fischer im Ostpazifik fangen Thunfisch mit Ringwaden. Dabei wird ein Netz mithilfe eines Beibootes ringförmig um einen Fischschwarm ausgelegt. Während Skipjack-Schwärme sich in der Regel unabhängig im Meer bewegen, sind die Gelbflossenthunfisch-Schwärme im Ostpazifik häufig  mit Delfinschulen vergesellschaftet: Die Delfine schwimmen an der Wasseroberfläche, der Thunfischschwarm bis zu 150 Meter darunter. Ein Phänomen, welches nur in dieser Meeresregion zu beobachten ist. Seit Jahrhunderten nutzen Fischer hier die Anwesenheit von Delfinen als Hinweis auf die Präsenz von Gelbflossen-Thunfischen. Dies führte bis in die 1980er Jahre zu sehr hohen Delfinbeifängen.

Taucher im Einsatz zum Schutz von Delfinen

Seit 1985 ist die Anzahl der tödlichen Delfinbeifänge in der Ringwadenfischerei im Ostpazifik um 99% gesunken. Ausschlaggebend für diese enorme Verbesserung waren zahlreiche fischereiliche Maßnahmen und eine Reihe internationaler Vereinbarungen, u.a. ein strenges internationales Delfinschutzprogramm (Agreement on the International Dolphin Conservation Program, AIDCP), welches auch von Umweltorganisationen wie Greenpeace und dem WWF unterstützt wird. Das AIDCP wurde 2005 von der UN-Welternährungsorganisation FAO für seinen Erfolg beim Schutz der Thunfischbestände und der mit dem Thunfisch assoziierten Delfine ausgezeichnet. Das Programm legt bindende Maßnahmen zur Reduzierung von Beifang in der Ringwadenfischerei fest und kontrolliert deren Umsetzung.

Um Delfine und andere Arten, die gemeinsam mit den Thunfischen schwimmen und ungewollt ins Netz gelangen, unversehrt freilassen zu können, arbeitet die zertifizierte mexikanische Fischerei mit einer besonderen Technik:

  • Jedes Netz ist mit einem speziellen Sicherheitsschutz – dem so genannten „Medina Panel“ - ausgestattet. Bevor das Netz eingeholt wird, schaltet das Schiff in den Rückwärtsgang, so dass das Medina-Panel am Netzende sinkt. Im Wasser bildet sich dabei eine Rinne, durch die die Delfine, dem Wasserstrom folgend, oberhalb des Netzes ins Freie schwimmen können.
  • Speziell ausgebildete Taucher, welche jede Fangfahrt der Fischerei begleiten, geleiten im Netz befindliche Delfine zu dieser Rinne und in die Freiheit.
  • An Bord jedes Schiffes befinden sich unabhängige AIDCP Beobachter, die die Einhaltung der Schutzmaßnahmen überwachen und dokumentieren. Ihre Daten werden an die zuständige mexikanische Fischereibehörde übermittelt. Das AIDCP zählt zu den strengsten Beobachterprogrammen der Welt. Durch rigorose Kontrollmechanismen sorgt es dafür, dass hochwertige Daten erhoben werden und Beobachter ohne Furcht vor Repressalien Rückmeldungen an die zuständigen Behörden geben können.

Dieses Video zeigt die die Fangtechnik der Pacific Alliance for Sustainable Tuna (PAST) im Detail.

Wissenschaft bestätigt Gesundheit der Delfinpopulationen im Ostpazifik

Die Delfinbeifänge im Ostpazifik konnten dank der neuen Fangtechnik drastisch reduziert werden. Letzten Studien zufolge wird heute bei 95,5% der Fangausfahrten der zertifizierten Fischerei nicht ein einziger Delfin getötet oder schwer verletzt [1]. Die Anzahl der tödlichen Delfinbeifänge liegt weit unter den international festgelegten Grenzwerten und gefährdet Reproduktion und Fortbestand der Delfinpopulationen im Ostpazifik aus wissenschaftlicher Sicht nicht. Die betroffenen Delfinpopulationen wurden in den vergangenen Jahren intensiv erforscht. Nach dem neuesten Kenntnisstand sind sie stabil und befinden sich in einem guten Zustand. Dies bestätigt eine im Jahr 2012 von Wissenschaftlern der Inter-American Tropical Tuna Commission (IATTC) abgeschlossene Analyse.

Umfassendes Zertifizierungsverfahren mit Auflagen

„Wir sehen zunehmend, dass sich auch vormals nicht-nachhaltige Fischereien lange und intensiv um eine Verbesserung ihrer Fischereimethoden bemühen. Fischereien wie die mexikanische Thunfisch-Fischerei, die viel Zeit, Energie und Geld in ihre Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit investieren. Fischereien, die sich darum kümmern, dass sich ehemals überfischte Bestände erholen, oder die, wie die mexikanische Thunfischfischerei, Sorge dafür tragen, Ihren Einfluss auf das Ökosystem Meer zu minimieren. Wir wollen, dass Fischereien besser werden – und wir möchten anerkennen, wenn sie dies tatsächlich tun. Die ehrgeizigen Maßnahmen der mexikanischen Thunfischfischerei berücksichtigen komplexe ökologische Herausforderungen und haben tiefgreifende Veränderungen eingeleitet. Der MSC wurde gegründet, um genau solche Entwicklungen zu fördern“, sagt Stefanie Kirse, Leiter des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die mexikanische Thunfischfischerei hat in ein mehrjähriges, transparentes Bewertungsverfahren durch unabhängige Gutachter durchlaufen. Das Verfahren umfasste eine eingehende Untersuchung der Fischerei durch wissenschaftliche Experten, Kreuzgutachter, mehrere öffentliche Stakeholder-Konsultationen sowie eine schiedsgerichtliche Beurteilung eines abschließenden Einspruchs durch den WWF. Gutachter und Schiedsrichter sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fischerei die strengen Kriterien des MSC-Umweltstandards erfüllt und nachhaltig arbeitet. Sie darf daher ab dem heutigen Tag das blaue MSC-Siegel tragen.

Die MSC-Zertifizierung wurde unter folgenden Auflagen erteilt:

  • Weitere Verbesserungen bei der Datenerhebung.
  • Weitere Maßnahmen zum Schutz von Haien und Rochen.
  • Investition in weitere Forschungstätigkeiten zu den Auswirkungen der Ringwadenfischerei auf die Delfinpopulationen im Ostpazifik.

Über die Vorschriften des AIDCP und die Auflagen der MSC-Zertifizierung hinaus, hat sich die mexikanische Thunfisch Fischerei freiwillig zur Umsetzung eines anspruchsvollen Aktionsplans verpflichtet. Dieser beinhaltet u.a. null Rückbehalt und 100% lebende Rückführung von beigefangenen Haien und Rochen, ein 7-jähriges Moratorium für den Fang von pazifischem Blauflossen-Thunfisch, zusätzliche Investitionen in die Schulung von Crew-Mitgliedern und eine starke Zusammenarbeit mit externen Interessensgruppen wie Umweltverbänden und Wissenschaftlern.

Jährliche Kontrollen stellen sicher, dass zertifizierte Fischereien den MSC-Standard weiterhin erfüllen und eventuelle Auflagen effektiv umsetzen. Sollte eine Fischerei dies nicht tun, wird ihr das MSC-Siegel wieder entzogen.

Den Original MSC-Zertifizierungsbericht mit allen Bewertungsergebnissen sowie den Zertifizierungsauflagen können Sie hier einsehen. Weitere Informationen zur Fangmethode und Historie der Fischerei finden Sie zudem in diesem Faktenblatt.

[1] Weitere Informationen zur Delfinsterblichkeit im Ostpazifik finden Sie im AIDCP-Bericht zum IDCP (2015)

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