Skip to main content

15 Jahre MSC-Zertifizierung für nachhaltige Fischerei – der MSC zieht Bilanz

Was haben Seelöwen, Studierende, Katzen und Kantinengäste in Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam? Ihren Speiseplan! Auf dem steht nämlich regelmäßig nachhaltig gefangener Fisch mit MSC-Siegel. 1034 Betriebskantinen und 123 Mensen bieten ihren Gästen Fischgerichte aus zertifizierter nachhaltiger Fischerei an. In bereits 3 deutschen Zoos verputzen Seelöwen & Co MSC-zertifizierten Hering und Katzenfreunde können zwischen rund 100 Futtersorten mit MSC-zertifiziertem Fisch wählen. Erfreuliche Zahlen, die Teil der MSC-Bilanz nach 15 Jahren Fischereizertifizierung sind.

Fischereien: MSC-Zertifikat eröffnet Marktchancen und sichert Arbeitsplätze

Vor 15 Jahren gab der MSC stolz die Zertifizierung der weltweit ersten Fischerei bekannt. Heute hat die australische Hummerfischerei bereits zum dritten Mal erfolgreich ihre MSC-Bewertung durchlaufen und ist eine von weltweit 264 Fischereien, die ihren Fang mit dem MSC-Siegel kennzeichnen dürfen. Sie alle haben in einer unabhängigen Prüfung bewiesen, dass sie die strengen Kriterien des MSC-Standards erfüllen. Zusammen fangen diese Fischereien mehr als neun Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte – das entspricht etwa 10 Prozent des weltweiten Fischfangs. Die zertifizierten Fischereien sind in 36 Ländern rund um den Globus ansässig – 19 davon in Entwicklungsländern – und fangen insgesamt 108 verschiedene Fisch- und Meeresfrüchtearten.

Die MSC-Zertifizierung bringt den Fischern vielseitige Vorteile: Einige berichten etwa, dass sie aufgrund des MSC-Zertifikats höhere Erzeugerpreise für ihren Fang bekommen. Anderen hat die Zertifizierung dabei geholfen, Kunden langfristig zu binden, neue Absatzmärkte zu erschließen oder Arbeitsplätze zu sichern. So erhalten die zertifizierten deutschen Heringsfischer in der Ostsee dank des MSC-Siegels bis zu 30 Prozent mehr Geld pro Kilo Hering und in Südafrika hat die Zertifizierung der Kap-Seehechtfischerei indirekt dazu beigetragen, rund 12.000 Arbeitsplätze im Fischereisektor und den abhängigen Wirtschaftszweigen zu sichern. Dies bestätigten vergangenes Jahr zwei unabhängige Studien.

Umwelt: MSC-Zertifizierung führt zu spürbaren Veränderungen in und auf dem Wasser

Intakte Fischbestände, weniger Beifang, mehr Schutzgebiete, stärkere Kontrollen und detaillierte Forschung: MSC-zertifizierte Fischereien tragen dazu bei, den Lebensraum Meer für die Zukunft zu erhalten. Das belegen die regelmäßig veröffentlichten Fortschrittsberichte des MSC, die die ökologischen und strukturellen Auswirkungen des MSC-Programms erfassen. Aus dem aktuellen Bericht 2015 geht hervor, dass MSC-zertifizierte Fischereien seit dem Jahr 2000 insgesamt 615 Verbesserungen erzielt haben. Um nur einige konkrete Beispiele zu nennen: Die Hokibestände vor Neuseeland sind nach einem starken Einbruch zwischen 2001 und 2009 heute wieder auf gesundem Niveau, die südafrikanische Kap-Seehechtfischerei hat ihren Beifang an Albatrossen um über 99 Prozent gesenkt und in Südgeorgien führten die Zertifizierungsauflagen der Fischerei auf Schwarzen Seehecht zu strengeren Kontrollmaßnahmen: unabhängige Beobachter begleiten jede Fangfahrt. Darüber hinaus hat die MSC-Zertifizierung zu drei neuen Schutzgebieten im Fanggebiet der Fischerei beigetragen.

Verbraucher: Glaubwürdige Orientierungshilfe

Verbraucher sind einer enormen Informationsflut ausgesetzt, die es unmöglich macht, in allen Bereichen Experte zu sein. Und genau dafür wurde das MSC-Siegel entwickelt. Es gibt Fischliebhabern mit einem Blick auf die Verpackung die Gewissheit, dass es sich um ein Produkt aus nachhaltiger Fischerei handelt. Um die Seriosität eines Zertifikates zu beurteilen, bieten vor allem zwei Organisationen Hilfestellung im Siegeldschungel: die Welternährungsorganisation FAO und die Dachorganisation für Nachhaltigkeitssiegel ISEAL. Beide haben Richtlinien für glaubwürdige Zertifizierungsprogramme definiert. Der MSC verwaltet im Fischereibereich das einzige Zertifizierungsprogramm, das sowohl den FAO- als auch den ISEAL-Ansprüchen vollständig gerecht wird. Dies stärkt neben der Rückverfolgbarkeit MSC-zertifizierter Produkte das Vertrauen in das MSC-Siegel als ein glaubwürdiges Instrument, um nachhaltig gefangenen Fisch zu identifizieren – für Verbraucher wie für Handelsunternehmen. Über 1000 vom MSC durchgeführte DNA-Tests geben Verbrauchern darüber hinaus ein hohes Maß an Sicherheit, dass MSC-gekennzeichnete Produkte tatsächlich aus MSC-zertifizierten Fischereien stammen.

Produkte und Handel: Erzeugnisse mit MSC-Siegel auf dem Vormarsch

Das weltweit erste Produkt mit MSC-Siegel wurde im Jahr 2002 in Deutschland auf den Markt gebracht. Heute können Verbraucher weltweit aus 28.000 verschiedenen MSC-zertifizierten Produkten wählen. Deutschland ist im Angebot MSC-gesiegelter Produkte Spitzenreiter: „Knapp 60 Prozent der verkauften Wildfischerzeugnisse sind hierzulande mit dem MSC-Siegel gekennzeichnet – Tendenz steigend. Denn sowohl Endverbraucher als auch der Handel setzen sich stark für den Erhalt der Fischbestände ein“, resümiert Gerlinde Geltinger, Pressesprecherin im MSC-Büro Berlin. Das spiegeln auch folgende Zahlen wider: 13 Prozent aller weltweit nach dem MSC-Rückverfolgbarkeits-Standard zertifizierten Unternehmen haben ihren Sitz im deutschsprachigen Raum. Außerdem sind die deutschen Verbraucher im weltweiten Vergleich zusammen mit ihren Schweizer Nachbarn am besten über nachhaltige Fischerei und den MSC aufgeklärt: 58 Prozent der deutschen Fischesser und 57 Prozent der Schweizer kennen das MSC-Siegel. Auch in der Gastronomie ist eine positive Entwicklung zu beobachten: 1166 Gastronomiestandorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz setzen bereits MSC-zertifizierte Gerichte auf ihre Speisekarte.

Blick in die Zukunft

15 Jahre nach der ersten Fischereizertifizierung blickt das MSC-Siegel zweifelsohne auf eine Erfolgsgeschichte zurück. „Das bedeutet allerdings nicht, dass wir uns auf unseren Lorbeeren ausruhen können“, findet Gerlinde Geltinger. „Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von mehr Nachhaltigkeit im Fischereisektor ist global betrachtet immer noch gering. Dass heute 10 Prozent des weltweiten Wildfangs das MSC-Siegel tragen dürfen, ist ein großer Erfolg. Unseren Auftrag erledigt haben wir aber erst, wenn sich 100 Prozent der Verbraucher und auch 100 Prozent der weltweiten Fischereien für eine nachhaltige Arbeitsweise entscheiden. Wir haben also noch einen langen Weg vor uns.“

Weiterführende Informationen