Fisch ist gesund und lecker, und auch aus ökologischer Sicht hat Wildfisch eine Reihe von Vorteilen. Doch die Überfischung der Meere gefährdet den wertvollen Speisefisch, deshalb ist ein nachhaltiger Fischgenuss wichtig.
Vor- und Nachteile von Fischkonsum
- Wildfisch ist eine natürlich nachwachsende Ressource und gesund.
150 Gramm Fisch liefern ca. 50 bis 60 Prozent der benötigten Tagesration Eiweiß eines Erwachsenen, ebenso wie wertvolle Fettsäuren, Vitamine und andere lebenswichtige Nährstoffe wie Jod und Selen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es daher empfehlenswert, sogenanntes Blue Food stärker in die Ernährung zu integrieren. - Fisch hat einen geringen ökologischen Fußabdruck.
Wildfisch braucht als Kaltblüter zum einen vergleichsweise wenig Nahrung zur Produktion von viel tierischem Protein. Auch was Aspekte wie Wasserverbrauch, Düngemitteleinsatz, Bodenversauerung, CO2-Ausstoß, Energieverbrauch oder Landflächenverbrauch betrifft, ist der Fang von Wildfisch der Produktion anderer tierischer Nahrung - und teilweise sogar der ressourcenintensiven Landwirtschaft - ökologisch überlegen. - Überfischung bedroht das wertvolle Nahrungsmittel Fisch und das ökologische Gleichgewicht im Meer.
Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO schätzt, dass derzeit weltweit 35,5 Prozent der wirtschaftlich genutzten Fischbestände überfischt sind. Gleichzeitig ist Überfischung die größte Bedrohung für die biologische Vielfalt und damit das ökologische Gleichgewicht im Meer.
Wie Sie nachhaltig gefangenen Fisch erkennen
Nachhaltige Fischerei ist komplex. Eine MSC-Fischereibewertung dauert im Durchschnitt 18 Monate und ist ein aufwendiges Verfahren, in dem sich viele Fischereiexperten intensiv mit der Fischerei und mit 28 unterschiedlichen Nachhaltigkeitskriterien auseinandersetzen.
Für einen nachhaltigen Fischkonsum müssen Sie jedoch kein Meeresbiologe oder Fischereiwissenschaftler sein. Ist ein Fisch mit dem MSC-Siegel gekennzeichnet, haben Experten geprüft, ob der Fisch umweltverträglich gefangen wurde.

Dasselbe gilt für Fisch aus Aquakultur. Auch hier sollte man auf umweltverträgliche Fischzuchten achten, erkennbar etwa am Bio- oder ASC-Siegel.

Keine Pauschalaussagen von einzelnen Fischarten oder Fangmethoden
Im komplexen Themenfeld "nachhaltige Fischerei" lassen sich wenige Dinge pauschal als richtig oder falsch, als gut oder böse beurteilen. Um die Nachhaltigkeit einer Fischerei beurteilen zu können, müssen wir hinter die Fassade blicken. Und genau das wird bei MSC-zertifizierten Fischereien gemacht, denn die unabhängigen Gutachter überprüfen jede Fischerei individuell. Dabei umfasst eine Zertifizierung immer
- einen definierten Bestand
- mit einem bestimmten Fanggerät
- durch definierte Fangschiffe
Warum es wichtig ist, einzelne Bestände zu betrachten und nicht ganze Arten
Guter oder schlechter Kabeljau? Auf die Frage, wie es um eine Fischart steht, gibt es keine einfache Antwort, denn fast jede Fischart kommt in mehreren, voneinander getrennt lebenden Beständen vor. Im Nordostatlantik sind zum Beispiel 13 verschiedene Kabeljaubestände definiert. Einige davon sind in einem guten Zustand, andere überfischt.
Für die Diskussion um die Überfischung von Fischarten ist es also essenziell wichtig, ihre einzelnen Bestände zu betrachten. Bei nur ganz wenigen Fischarten, wie z. B. dem europäischen Aal, kann man tatsächlich sagen: Diese Art ist insgesamt überfischt – oder eben: "Aal darf man nicht mehr essen". In den meisten Fällen jedoch sind nur einzelne Bestände einer Art überfischt, so dass pauschale Aussagen wie "Kabeljau darf man nicht mehr essen" keinen Sinn ergeben und nicht die Realität einer wissenschaftsbasierten Betrachtung widerspiegeln.
“Zur Beurteilung der Nachhaltigkeit einer Fischerei oder Fangmethode gilt es immer den Einzelfall zu betrachten. Genau das passiert bei einer Fischereibewertung nach dem MSC-Umweltstandard. Nur Fischereien, die das Ökosystem Meer nicht nachhaltig schädigen, erhalten dann das blaue MSC-Siegel.”
Fischereireferentin des MSC DACH

