Überfischung ist eine der größten Bedrohungen für unsere Meere. Auf dem Spiel stehen Artenvielfalt, marine Ökosysteme und die Ernährung von Millionen von Menschen, die auf Fisch als Proteinquelle und Lebensgrundlage angewiesen sind.
Warum ist Überfischung ein Problem?
Unsere Ozeane stehen unter Druck, denn seit Jahrzehnten werden Fischbestände überfischt, Klimawandel und Verschmutzung bedrohen zusätzlich die Artenvielfalt. Der fürsorgliche Umgang mit dieser so wichtigen natürlichen Ressource lässt vielerorts zu Wünschen übrig.
Bedrohte Fischbestände
Überfischung hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen, und der Anteil der überfischten Bestände ist heute dreimal so hoch wie 1970. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen überwacht weltweit über 2.000 Fischbestände. Aus ihrem Bericht aus 2025 geht hervor, dass schätzungsweise 35,5% der weltweiten Fischbestände überfischt sind.
Gefährdung des Meeresökosystems und Lebensgrundlagen
Für Gemeinden, die vom Fischfang abhängig sind, können die Auswirkungen des Zusammenbruchs von Beständen verheerend sein. Außerdem gehören Überfischung und zerstörerische Fischerei zu den gravierendsten Gefahren für die Meeresumwelt, denn sie sind eine der Hauptursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt im Meer.
Was ist Überfischung?
Überfischung tritt auf, wenn einem Bestand zu viel Fisch entnommen wird und nicht mehr genügend ausgewachsene Tiere übrig bleiben, um sich in den Folgejahren fortzupflanzen und eine gesunde Population aufrechtzuerhalten. In der Wissenschaft wird zwischen Nachwuchs- und Wachstumsüberfischung unterschieden.
Der MSC folgt der Definition der FAO, wonach ein Bestand als überfischt gilt, wenn seine Größe (genauer gesagt: seine Laicherbiomasse) so gering ist, dass die Reproduktionsfähigkeit des Bestandes eingeschränkt und seine Nachwuchsproduktion gefährdet ist.
Dieser Definition, nachzulesen im Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei der FAO, folgt der Großteil der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft. Sie entspricht der internationalen "Best Practice" im Fischereimanagement und den Empfehlungen internationaler wissenschaftlicher Gremien, wie zum Beispiel dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES).
Erfahren Sie, warum nachhaltige Fischerei eine Schlüssellösung gegen Überfischung ist.
Entwicklung der Fischbestände weltweit, 1974-2021
Was sind die Ursachen von Überfischung?
Es gibt mehrere Faktoren, die zu Überfischung beitragen, darunter:
- Steigende Nachfrage: Die Weltbevölkerung erreichte in 2024 8,2 Milliarden Menschen und wird bis 2050 auf voraussichtlich 9,7 Milliarden anwachsen. Die Nachfrage nach blauen Lebensmitteln (aquatische Lebensmittel aus Zucht und Wildfang) ist seit 1961 doppelt so schnell gewachsen wie die Weltbevölkerung.
- Klimawandel: Der Anstieg der Meerestemperaturen wirkt sich auf das Verbreitungsgebiet von Fischbeständen aus, was besonders problematisch für weit wandernde Arten wie Thunfisch ist, der über nationale Grenzen hinweg befischt wird. Überfischung tritt auf, wenn Fischerei weiterhin auf dem gleichen Niveau betrieben wird, obwohl sich einige ihrer Zielarten in neue Gebiete verlagert haben. Die daraus entstehenden Nutzungskonflikte haben besonders im Nordostatlantik verheerende Auswirkungen.
- Illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU): Fischfang ohne Einhaltung staatlicher und internationaler Vorschriften, beispielsweise in Schutzgebieten, oder Nichtmeldung eines Teils der Fänge.
- Fischereisubventionen: Schätzungen zufolge haben Regierungen Milliarden von Dollar für Subventionen zur Unterstützung ihrer Fischereiindustrie ausgegeben. Manchmal kann dies die Fischerei in überfischten Gebieten fördern, in denen die Fänge nicht ausreichen, um die Kosten der Fischerei zu decken. In solchen Fällen fördern Subventionen letztendlich nicht nachhaltige Fischereipraktiken.
Was ist nachhaltige Fischerei?
Was sind die Folgen von Überfischung?
Fast 34 Millionen Menschen sind weltweit in der Fischerei beschäftigt. Ihre Tätigkeit trägt maßgeblich zum Erhalt der eigenen Lebensgrundlagen uns der von Gemeinden bei.Wenn Fischbestände zusammenbrechen, kann dies unmittelbare Auswirkungen haben und die Erholung Jahrzehnte dauern. Der Zusammenbruch der Kabeljaufischerei auf den Grand Banks vor Kanada im Jahr 1992 kostete über 35.000 Fischer und Fabrikarbeiter aus mehr als 400 Küstengemeinden ihren Arbeitsplatz.
Fisch und Meeresfrüchte sind auch eine wichtige Quelle für Proteine und Mikronährstoffe. Mehr als 3 Milliarden Menschen, vor allem im Globalen Süden, sind auf Fisch als wichtige Eiweißquelle angewiesen, wo Nahrung aus dem Meer mindestens 20% der täglichen tierischen Proteinaufnahme ausmacht.
Indonesische Garnelenfischerei im MSC-Fischereiverbesserungsprogramm
Wie wirkt sich Überfischung auf die Artenvielfalt im Meer aus?
Überfischung kann sich auf die Artenvielfalt, Lebensräume und Ökosysteme auswirken, die einen entscheidenden Beitrag zum Klima, zur Luftqualität, zum Wasser und zur Ernährung leisten.Überfischung hat nicht nur negative Folgen für die betroffenen Fischbestände, sondern auch für Nicht-Zielarten und andere Meereslebewesen, die unbeabsichtigt gefangen werden. Dazu können gefährdete Arten wie bestimmte Haie, Rochen und Schildkröten gehören. Übermäßiger Haibeifang kann beispielsweise die natürliche Regulierung der Nahrungskette stören und so das ökologische Gleichgewicht der Meere gefährden.
Wie können wir Überfischung stoppen?
Überfischung zu stoppen bedeutet nicht, Fischfang ganz einzustellen. Verzichtaufrufe (bspw. von namhaften Umwelt- oder Kampagnenorganisationen wie Greenpeace) werden nicht dazu führen, dass die Menschen weltweit keinen Fisch mehr essen. Wir benötigen andere Mechanismen.
Das wirksamste Mittel gegen Überfischung ist gutes Fischereimanagement. Ziel des MSC ist es, Überfischung durch die Förderung nachhaltiger Fischereipraktiken zu reduzieren und zu stoppen. Der MSC-Umweltstandard enthält eine Reihe von Anforderungen, die sicherstellen, dass Fischerei nur auf Bestände abzielt, die eine gesunde Größe aufweisen und die sich innerhalb natürlicher Reproduktionszyklen erholen können. Dadurch werden die Auswirkungen der Fischerei auf das gesamte Meeresökosystem verringert. Durch die Zertifizierung weiterer Fischereien und die Förderung nachhaltiger Fischereipraktiken möchte der MSC Fisch für künftige Generationen erhalten und schädliche Fischerei weltweit reduzieren.
Trotz der Schlagzeilen über Überfischung gibt es stetige Fortschritte bei der Verfügbarkeit von Fisch und Meeresfrüchten aus umweltverträglicher Herkunft. Die Zahlen aus dem jüngsten FAO-Fortschrittsbericht zeigen, dass von den zehn am häufigsten angelandeten Fischarten, darunter Sardellen, Alaska-Seelachs, Echter Bonito und Atlantischer Hering, schätzungsweise 85,8% aus biologisch nachhaltigen Beständen kommen.
Nachhaltige Fischerei als Lösung
“Wie nachhaltige Fischerei funktioniert und wie nachhaltige Fischereipraktiken aussehen sollten, wissen wir sehr genau. Was wir jetzt mehr denn je brauchen, sind die Bereitschaft und die politischen Rahmenbedingungen, nachhaltige Fischerei global umzusetzen.”
MSC Chief Standards Officer


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