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Fischerei und Klimawandel

Fischen nach Lösungen

Der Klimawandel stellt unsere Ozeane vor enorme Herausforderungen - und belastet somit zunehmend auch die weltweite Fischerei. Klimawandelfolgen wirken sich auf das Verbreitungsgebiet von Fischbeständen und ihrer Nahrungsquellen aus.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Meere und ihre Bewohner?


Die Meere spielen eine wichtige Rolle in globalen Klimakreislauf: Sie produzieren etwa 50% des Sauerstoffs auf unserem Planeten und absorbieren einen großen Teil der überschüssigen Wärme aus Treibhausgasemissionen

Doch im Rahmen der zunehmenden Erderwärmung wird bis 2100 ein Anstieg der Meerestemperaturen um 1 bis 4°C prognostiziert. Marine Hitzewellen haben in den letzten 30 Jahren haben um mehr als 50% zugenommen.

Der Klimawandel wirkt sich auch auf das Leben im Meer aus. Temperaturanstieg und zunehmende Versauerung können beispielsweise Einfluss auf das Verbreitungsgebiet von Fischbeständen und die Struktur der örtlichen Meeresökosysteme Haben. Auch ein Verlust von Meereslebensräumen und mariner Artenvielfalt droht.  

Zeugen des Klimawandels

Zeugen des Klimawandels

Von extremen Hitzewellen bis hin zu Lebensraumverschiebungen der Fischbestände: Fischer, die am MSC-Programm teilnehmen, spüren die Veränderungen in unseren Meeren aus erster Hand.

Fischerei muss auf den Klimawandel reagieren

Nachhaltige Fischerei muss angemessen und schnell auf die Folgen des Klimawandels reagieren. 

Während das Verbreitungsgebiet einiger Fischarten im Nordatlantik und im Nordpazifik zunimmt, wird für Gebiete in den Tropen ein erheblicher Rückgang der potenziellen Fangmengen an Fisch vorhergesagt - bis zu 40% im Jahr 2050.

Diese Veränderungen bringen Herausforderungen mit sich. Um weiterhin nachhaltig fischen zu können, müssen Bewirtschaftungsstrategien angepasst werden. Fischereiindustrie und Regierungen haben Schwierigkeiten, auf Lebensraumverschiebungen adäquat zu reagieren, insbesondere wenn Fische Ländergrenzen überschreiten oder Fangmengen erheblich reduziert werden müssen.

Der Klimawandel schafft neue Herausforderungen für die Fischerei.

Erwärmung der Meere

Die Oberflächentemperatur der Weltmeere steigt an, was großen Einfluss auf die Verbreitung vieler Fischarten und auf deren Verhalten hat. Wird es zu warm, wandern Fische in kältere Gewässer oder gehen in die Tiefe.

Sauerstoff im Wasser

In wärmerem Wasser nimmt der Sauerstoffgehalt ab. Der Sauerstoffbedarf von Fischen und anderen Lebewesen steigt jedoch mit steigenden Temperaturen - eine mögliche Folge sind kleinere Fische, was weniger Fangmöglichkeiten für Fischer bedeutet.

Versauerung der Meere

Der Ozean nimmt 20-30% der menschengemachten CO₂-Emissionen auf. Im Wasser gelöst reagiert CO₂ zu Kohlensäure. Da Säure Kalk auflöst, ist das CO₂ Gift für kalkschalenbildende Organismen wie Korallen, Muscheln, Garnelen, gewisse Planktonarten, Algen und Meeresschnecken.

Fischen nach Lösungen

Wir brauchen gesunde Meere, um die Erderwärmung aufzuhalten und eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Auf Nahrung aus dem Wasser ruht große Hoffnung für eine umweltgerechte Bewältigung von Hunger und Mangelernährung.

Die Meere haben das Potenzial, Milliarden von Menschen zu versorgen, wenn sie durch Befolgen von wissenschaftlichen Erkenntnissen vor Überfischung beschützt werden und dadurch ihre biologische Vielfalt erhalten bleibt.

Bleiben wir untätig in der Regulierung des Fischfangs, wird dies zu dramatischen Einbußen in der Produktivität von Fischbeständen und Fischerei weltweit und damit zu Nahrungsnotständen und Existenzbedrohungen für Millionen Menschen führen.

Überfischung begünstigt möglicherweise den Klimawandel. Wir brauchen Lösungen, die das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Prioritäten aufrechterhalten und die Bedeutung intakter Meeresökosysteme und ihrer Bewohner ernst nehmen. Dies können wir nur durch nachhaltige Fischerei erreichen.

Korallenbleiche  – Fischen nach Lösungen für Fischerei und gegen Klimawandel

Immer mehr Korallen bleichen aus und sterben ab, weil die Wassertemperaturen steigen.


Wenn der Klimawandel den Fischfang beeinträchtigt, kann ich dann noch Fisch essen?

Ja. Achten Sie beim Kauf von Wildfisch und wildgefangenen Meeresfrüchten aber immer auf das MSC-Siegel. MSC-zertifizierte Fischereien werden gut geführt und sind besser auf Umweltveränderungen vorbereitet. Sie reagieren angemessen und befolgen aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen, um nachhaltigen Fischfang zu gewährleisten.

Wildfisch ist eine klimafreundliche Proteinquelle

Fischfang ist klimafreundlicher als die Gewinnung anderer tierischer Proteine. Eine Studie zu den Treibhausgasemissionen der Fischerei ergab, dass jedes Kilogramm Wildfisch zwischen 1 und 5 Kilogramm CO2 produziert. Im Vergleich dazu wird die Treibhausgasemission von rotem Fleisch auf 50 bis 750 kg CO2 pro Kilogramm geschätzt. 

Es gibt auch Hinweise darauf, dass effizientere Fangaktivitäten nachhaltiger Fischereien zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen. So führt beispielsweise eine Erhöhung der Fangmenge pro Fangfahrt in der isländischen Fischerei dazu, dass Fischereifahrzeuge nun weniger Fangfahrten unternehmen, wodurch ihr Kraftstoffverbrauch und damit ihre Kohlenstoffemissionen sinken.

Bluefood Superfood

Als "blau" gelten Lebensmittel, wenn sie aus dem Wasser stammen. Nahrung aus dem Wasser hat viel Potenzial für die Bewältigung der Herausforderungen von Klimawandel und Mangelernährung.

Wie gehen Fischereien im MSC-Programm mit dem Klimawandel um?


Nachhaltige Fischerei hat das Potenzial, Fischereibetriebe und Fischbestände widerstandsfähiger gegen den Klimawandel
zu machen, denn gut bewirtschaftete Fischbestände sind gesünder und produktiver als überfischte Bestände. 

MSC-zertifizierte Fischereien verfügen über wirksame Regulierungs- und Kontrollmechanismen, um ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren und Fischbestände nur innerhalb wissenschaftlich empfohlener Grenzen zu befischen. Sie haben im Voraus wissenschaftsbasierte Pläne für den Umgang mit wahrscheinlichen Umweltveränderungen aufgestellt.

Fischereien im MSC-Programm zeigen, dass es möglich ist, wirtschaftliche und ökologische Prioritäten in Einklang zu bringen.

Fischen nach Lösungen: Jetzt ist Zeit zum Handeln

Fischen nach Lösungen: Jetzt ist Zeit zum Handeln

Was passiert, wenn Fischfang nicht an den Klimawandel angepasst wird?


Beispiel Nordostatlantische Makrele

Seit 2007 hat sich das Verbreitungsgebiet der atlantischen Makrele rapide verändert.  Mit steigenden Meerestemperaturen haben sich die Bestände nach Norden verlagert.

Das hat zwischen den Fangnationen zu Streitigkeiten über die Aufteilung der Fangmengen geführt - infolge derer die nordostatlantische Makrele über Jahre hinweg zu stark befischt wurde. 

Im März 2019 wurde allen Fischereien im Nordostatlantik das MSC-Zertifikat entzogen. Die Suspendierung betrifft Fischereien in acht Ländern. 

Der MSC fordert die Regierungen der Fangnationen im Nordostatlantik seit Jahren auf, sich auf Fangquoten zu einigen, die den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprechen. Das betrifft neben atlantischer Makrele auch atlanto-skandischen Hering und Blauen Wittling.

 

Beispiel Nordsee-Kabeljau

Der jüngste Rückgang des Nordsee-Kabeljaubestands wird zum Teil auf den Klimawandel zurückgeführt. Er hat dazu geführt, dass weniger Jungfische das Erwachsenenalter erreichen. Die geringere Anzahl an ausgewachsenen Fischen erschwert eine nachhaltige Befischung des Kabeljaubestands. Aufgrund dieses Problems wurden die Fischereien auf Nordsee-Kabeljau im September 2019 von der MSC-Zertifizierung suspendiert.