Der Klimawandel stellt unsere Ozeane vor enorme Herausforderungen - und belastet somit zunehmend auch die weltweite Fischerei. Klimawandelfolgen wirken sich auf das Verbreitungsgebiet von Fischbeständen und ihrer Nahrungsquellen aus.
Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Meere und ihre Bewohner?
Die Meere spielen eine wichtige Rolle in globalen Klimakreislauf: Sie produzieren etwa 50% des Sauerstoffs auf unserem Planeten und haben seit den 1970er Jahren 93% der überschüssigen Wärme aus Treibhausgasemissionen absorbiert.
Die Meere beherbergen außerdem zwischen 500.000 und 10 Millionen Meereslebewesen und tragen damit enorm zur Artenvielfalt unseres Planeten bei.
Angesichts seiner Bedeutung für den Planeten ist es unerlässlich, dass sorgsam mit den Meeren umgehen. Veränderungen im Meeresökosystem bedeuten Veränderungen für Fischbestände. Nachhaltige Fischerei erfordert, angemessen und schnell auf Klimawandelfolgen zu reagieren.
Weltweit wird bis 2100 ein Anstieg der Meerestemperaturen um 1 bis 4 °C prognostiziert.
Diese Veränderungen wirken sich auf das Leben im Meer aus. Plötzliche Temperaturanstiege und Versauerung können zum Verlust von Meereslebensräumen und Arten führen. Sich verändernde Meeresströmungen und die ansteigenden Wassertemperaturen wirken sich auf das Verbreitungsgebiet von Fischbeständen und die Struktur der Ökosysteme, in dem sie lebten, aus.
Zeugen des Klimawandels
Wie der Klimawandel den Fischfang beeinträchtigt
Der Klimawandel bedroht Fischbestände, schafft aber auch neue Möglichkeiten für die Fischerei.
Während das Verbreitungsgebiet einiger Fischarten im Nordatlantik und im Nordpazifik zunimmt, wird für Gebiete in den Tropen ein erheblicher Rückgang der potenziellen Fangmengen an Fisch vorhergesagt - bis zu 40% im Jahr 2050.
Diese Veränderungen bringen Herausforderungen mit sich. Um weiterhin nachhaltig fischen zu können, müssen Bewirtschaftungsstrategien angepasst werden. Fischereiindustrie und Regierungen haben Schwierigkeiten, auf Lebensraumverschiebungen adäquat zu reagieren, insbesondere wenn Fische Ländergrenzen überschreiten oder Fangmengen erheblich reduziert werden müssen.
Erwärmung der Meere
Die Oberflächentemperatur der Weltmeere steigt an, was großen Einfluss auf die Verbreitung vieler Fischarten und auf deren Verhalten hat. Wird es zu warm, wandern Fische in kältere Gewässer oder gehen in die Tiefe.
Sauerstoff im Wasser
In wärmerem Wasser nimmt der Sauerstoffgehalt ab. Der Sauerstoffbedarf von Fischen und anderen Lebewesen steigt jedoch mit steigenden Temperaturen - eine mögliche Folge sind kleinere Fische, was weniger Fangmöglichkeiten für Fischer bedeutet.
Versauerung der Meere
Der Ozean nimmt 20-30% der menschengemachten CO₂-Emissionen auf. Im Wasser gelöst reagiert CO₂ zu Kohlensäure. Da Säure Kalk auflöst, ist das CO₂ Gift für kalkschalenbildende Organismen wie Korallen, Muscheln, Garnelen, gewisse Planktonarten, Algen und Meeresschnecken.
Fischen nach Lösungen
Wir brauchen gesunde Meere, um die Erderwärmung aufzuhalten und eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Auf Nahrung aus dem Wasser ruht große Hoffnung für eine umweltgerechte Bewältigung von Hunger und Mangelernährung.
Die Meere haben das Potenzial, Milliarden von Menschen zu versorgen, wenn sie durch Befolgen von wissenschaftlichen Erkenntnissen vor Überfischung und Klimawandel beschützt werden und dadurch ihre biologische Vielfalt erhalten bleibt.
Bleiben wir untätig im Fischereimanagement, wird dies zu dramatischen Einbußen in der Produktivität der weltweiten Fischerei und damit zu Nahrungsnotständen und Existenzbedrohungen von Millionen Menschen führen.
Überfischung begünstigt möglicherweise den Klimawandel. Wir brauchen Lösungen, die das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Prioritäten aufrechterhalten und die Bedeutung intakter Meeresökosysteme und ihrer Bewohner ernst nehmen. Dies können wir nur durch nachhaltige Fischerei erreichen.
Immer mehr Korallen bleichen aus und sterben ab, weil die Wassertemperaturen steigen.
Wenn der Klimawandel den Fischfang beeinträchtigt, kann ich dann noch Fisch essen?
Ja. Achten Sie beim Kauf von Wildfisch und wildgefangenen Meeresfrüchten aber immer auf das MSC-Siegel. MSC-zertifizierte Fischereien werden gut geführt und sind besser auf Umweltveränderungen vorbereitet. Diese Fischereien befolgen aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen, um nachhaltige Fangpraktiken zu gewährleisten.
Wildfisch ist eine klimafreundliche Proteinquelle
Fischerei hat weniger Auswirkungen auf das Klima als die Gewinnung anderer Proteine. Eine Studie zu den Treibhausgasemissionen der Fischerei ergab, dass jedes Kilogramm Wildfisch zwischen 1 und 5 Kilogramm CO2 produziert. Im Vergleich dazu wird die Produktion von rotem Fleisch auf 50 bis 750 kg CO2 pro Kilogramm Fleisch geschätzt.Es gibt auch Hinweise darauf, dass nachhaltige Fischerei durch effizientere Fangaktivität zur Reduzierung der CO2-Emissionen beiträgt. So führen beispielsweise höhere Fangmengen in der isländischen Fischerei dazu, dass Fischereifahrzeuge nun kürzere Fangfahrten unternehmen, wodurch ihr Kraftstoffverbrauch und damit ihre Kohlenstoffemissionen sinken.
Wie gehen Fischereien im MSC-Programm mit dem Klimawandel um?
Viele ohnehin durch Überfischung gefährdete Bestände sind durch den Klimawandel und seine Folgen einer weiteren Bedrohung ausgesetzt. Dadurch stehen Ausbauziele bei der Nutzung blauer Lebensmittel zusätzlich erheblich unter Druck.
- Fischerei nachhaltig zu betreiben,
- die Auswirkungen des Klimawandels immer besser zu verstehen,
- Fischereimanagement weiterzuentwickeln und an das veränderte Klima anzupassen,
ist also von zentraler Bedeutung.
Nachhaltige Fischerei hat das Potenzial, Fischereibetriebe und Fischbestände widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen, denn gut bewirtschaftete Fischbestände sind gesünder und produktiver.
Diese Fischereien verfügen über wirksame Überwachungs- und Managementsysteme, um ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern und nur innerhalb wissenschaftlich empfohlener Grenzen zu fangen. Auf Empfehlung von Wissenschaftlern haben diese Fischereien im Voraus Pläne für den Umgang mit wahrscheinlichen Umweltveränderungen vereinbart.Fischereien im MSC-Programm zeigen, dass es möglich ist, wirtschaftliche und ökologische Prioritäten in Einklang zu bringen, ohne die langfristige Gesundheit der Meere zu gefährden.
Fischen nach Lösungen: Jetzt ist Zeit zum Handeln
Was passiert, wenn sich Fischereien im MSC-Programm nicht an den Klimawandel anpassen können?
Da der Klimawandel Fischbestände auf unerwartete Weise beeinflussen kann, können auch MSC-zertifizierte Fischereien Probleme bekommen.
Hier sind zwei Beispiele für Fischbestände, die vom Klimawandel betroffen sind:
Nordatlantische Makrele
Seit 2007 hat sich das Verbreitungsgebiet der atlantischen Makrele rapide verändert. Mit steigenden Meerestemperaturen haben sich die Bestände nach Norden verlagert.
Das hat zu Streitigkeiten zwischen den Küstenstaaten
über die Aufteilung der Fangmengen geführt. Da die Fische geopolitische Grenzen überschreiten, besteht keine Einigkeit darüber, wie die Bestände am besten bewirtschaftet werden sollen.
Da die Streitigkeiten
nicht beigelegt werden konnten, wurde im März 2019 allen Fischereien im Nordostatlantik das MSC-Zertifikat entzogen. Die Suspendierung betrifft Fischereien in acht Ländern.
Der MSC fordert die Regierungen der Fangnationen im Nordostatlantik seit Jahren auf, sich auf Fangquoten zu einigen, die den wissenschaftlichen Empfehlungen entsprechen. Die dramatische Bestandssituation betrifft neben atlantischer Makrele auch atlanto-skandischen Hering und Blauen Wittling.
Nordsee-Kabeljau
Der jüngste Rückgang der Nordsee-Kabeljaubestände wird zum Teil auf den Klimawandel zurückgeführt. Diese Veränderung hat dazu geführt, dass weniger Jungfische das Erwachsenenalter erreichen. Die geringere Anzahl an ausgewachsenen Fischen erschwert die nachhaltige Befischung der Kabeljaubestände. Aufgrund dieses Problems wurden die Fischereien auf Nordsee-Kabeljau im September 2019 von der MSC-Zertifizierung suspendiert.
Die Fischereien haben auf diese enttäuschende Nachricht reagiert und sich zu Maßnahmen verpflichtet, um die Kabeljaubestände in den nächsten fünf Jahren wieder aufzubauen.
