Fischerei und Klimawandel – Fischen nach Lösungen

Im Jahr 2050 wird die Erde vermutlich mehr als neun Milliarden Menschen ernähren müssen - zwei Milliarden mehr als heute. Auf Nahrung aus dem Wasser ruht große Hoffnung zur Bewältigung von Hunger und Mangelernährung. Doch der Klimawandel stellt unsere Ozeane vor enorme Herausforderungen - und belastet somit zunehmend auch die weltweite Fischerei.

„Blaue Lebensmittel“ sind die Zukunft, sagen Forscher.

Als "blau" gelten Lebensmittel, wenn sie aus Süß- oder Salzwasser stammen. Und sie haben viel Potenzial bei der Bewältigung der Herausforderungen von Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Mangelernährung, wie die Internationale InitiativeBlue Food Assessment“ kürzlich mit einer umfangreichen Studie zeigte.

Fisch und andere blaue Nahrungsmittel könnten mehr Menschen mit Nährstoffen versorgen, als das heute bereits der Fall ist. Zudem seien sie ein möglicher Weg hin zu mehr Ernährungsgerechtigkeit und Ernährungssicherheit.

blaue Lebensmittel: geöffnete Thunfischdose auf weißem Teller mit Gabel auf blauem Tisch

Blaue Lebensmittel haben ein enormes Potenzial, um die Herausforderung einer wachsenden Bevölkerung zu bewältigen.

Hinzu kommt: Fisch und Meeresfrüchte haben eine signifikant günstigere Treibhausgasbilanz. Einer der wesentlichen Pluspunkte hier ist, dass Fisch ein Kaltblüter ist – er benötigt also relativ wenig Energie, um seine Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Stattdessen kann er Nahrungsenergie in Körperwachstum und damit, aus menschlicher Sicht, in die Produktion von wertvollen Proteinen umsetzen.

Das unterscheidet ihn von den meisten Tieren, die wir sonst verzehren. Auch wenn man sich weitere Parameter anguckt - also Überdüngung, CO2-Ausstoß, Energieverbrauch und so weiter - ist Wildfisch als Lieferant für Proteine ökologisch im Vorteil gegenüber Schweinen, Hühnern und Rindern.

CO2_Vergleich_Fisch_Fleisch

Eine neue Studie vom Institue of Marine and Antarctic Studies (IMAS) und kanadischen Wissenschaftlern hat errechnet, dass für jedes Kilo gefangenen Fisch etwa ein bis fünf Kilo CO2 produziert werden. Bei der Produktion von rotem Fleisch wie Rind oder Lamm fallen schätzungsweise 50 bis 750 Kilo CO2 pro Kilo Fleisch an. 

Auf Nahrung aus dem Wasser ruht also große Hoffnung für ein zukünftiges globales nachhaltiges Ernährungssystem. Doch der Klimawandel stellt unsere Ozeane vor enorme Herausforderungen und belastet somit zunehmend auch die weltweite Fischerei. 


Zu warm, zu sauer, zu wenig Sauerstoff – wie der Klimawandel den Fischfang beeinträchtigt

Korallenbleiche  – Fischen nach Lösungen für Fischerei und gegen Klimawandel

Immer mehr Korallen bleichen aus und sterben ab, weil die Wassertemperaturen steigen.

Die Oberflächentemperatur der Weltmeere steigt an, was großen Einfluss auf die Verbreitung vieler Fischarten und auf deren Verhalten hat. Wird es zu warm, wandern Fische in kältere Gewässer, also polwärts. Oder sie gehen in die Tiefe, wo das Wasser auch kälter ist.

Historische Aufzeichnungen zeigen bereits, dass sich die Verteilung der weltweiten Fischpopulationen verändert. Während das Verbreitungsgebiet einiger Fischarten in höheren Breitengraden wie dem Nordatlantik und dem Nordpazifik zunimmt, was zu neuen Fangmöglichkeiten führt, wird für Gebiete in den Tropen ein erheblicher Rückgang der potenziellen Fangmengen an Meeresfrüchten vorhergesagt - bis zu 40 % im Jahr 2050. 

In wärmerem Wasser nimmt der Sauerstoffgehalt ab, denn dort ist Sauerstoff weniger gut löslich. Der Sauerstoffbedarf von Fischen und anderen Lebewesen steigt jedoch mit steigenden Temperaturen - eine mögliche Folge sind kleinere Fische, deren reduzierte Körpergröße ihre relative Sauerstoffaufnahme erhöht.

Kleinere Fische bedeuten eine geringere Meeresbiomasse, was weniger Fangmöglichkeiten für Fischer bedeutet. 

Ein weiteres Problem ist die Versauerung des Meerwassers. Der Ozean nimmt 20 bis 30 Prozent der menschgemachten CO₂-Emissionen auf. Im Wasser gelöst reagiert CO₂ zu Kohlensäure.

Da Säure Kalk auflöst, ist das CO₂ im Meerwasser Gift für kalkschalenbildende Organismen wie Korallen, Muscheln, Garnelen, gewisse Planktonarten, Algen und Meeresschnecken. Diesen Lebewesen, die oft am Anfang der Nahrungskette stehen, kommt die Bausubstanz für ihre teils filigranen Skelette abhanden.

Der Dokumentarfilm des MSC verdeutlicht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischereiindustrie und die bisher zu wenig beachtete Rolle von nachhaltig gefangenem Fisch und Meeresfrüchten in der Klimapolitik.

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Fischen nach Lösungen: Jetzt ist Zeit zum Handeln

16:22

Nachhaltige Fischerei macht Bestände robuster gegen Klimawandel

Viele ohnehin durch Überfischung gefährdete Bestände sind durch den Klimawandel und seine Folgen einer weiteren Bedrohung ausgesetzt. Dadurch stehen Ausbauziele bei der Nutzung „blauer Lebensmittel“ zusätzlich erheblich unter Druck. 

Nachhaltige Fischerei hat das Potenzial, Fischereibetriebe und Fischbestände widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Außerdem sind gut bewirtschaftete Fischbestände gesünder und produktiver!

Wissenschaftler schätzen, dass durch ein weltweit nachhaltiges Fischereimanagement jedes Jahr 16 Millionen Tonnen mehr gefangen werden könnten. Nach einer Analyse des MSC würde dies den Proteinbedarf von 72 Millionen Menschen weltweit decken

Eine nachhaltige Fischerei hat auch das Potenzial, zur Verringerung der CO2-Emissionen beizutragen, indem sie effizienter fängt. 

 

Der Klimawandel wird uns zwingen, mehr zu tun 

Auch wenn die Umsetzung der heutigen Best-Practice-Maßnahmen im Fischereimanagement den richtigen Weg für eine klimaresistente Fischerei einschlägt, müssen wir noch weiter gehen.

In dem Maße, in dem wir uns an das veränderte Klima anpassen und die Auswirkungen des Klimawandels immer besser verstehen, muss sich auch das Fischereimanagement weiterentwickeln und anpassen.

Die Fischerei nachhaltig zu betreiben, ist also von zentraler Bedeutung. Der Klimawandel macht das allerdings zu einer größeren Herausforderung.

 

Fische kennen keine nationalen Grenzen – internationale Zusammenarbeit erforderlich

Fische kennen keine nationalen Grenzen. Der Klimawandel verschärft diese Dringlichkeit noch. 

Aktuelles Beispiel: Die Erwärmung des Nordatlantiks führt bereits zu ersten Wanderungsbewegungen unter Fischen. Die Verbreitung der Bestände der drei Arten atlanto-skandischer Hering, Makrele und Blauer Wittling hat sich nach Norden verlagert.

Dies führte zu Streitigkeiten zwischen den Küstenstaaten über die Aufteilung der Fischereiressourcen und zu einer mangelnden Einigung darüber, wie die Bestände am besten bewirtschaftet werden.

Die Folge: Die Fangmengen von atlanto-skandischem Hering, Makrele und Blauem Wittling überschritten in den letzten sechs Jahren die wissenschaftlich empfohlene nachhaltige Fangmenge um insgesamt 34 Prozent.

Dies entspricht 4,8 Millionen Tonnen Fisch, die zu viel gefischt wurden und bei nachhaltiger Befischung im Meer hätten bleiben müssen! Daraus resultiert ein Verlust ihres MSC-Zertifikat für Fischereien im Jahr 2020

Das bedeutet:

  • Selbst die Fischereien, die bereits ein gutes Management haben, können nicht untätig bleiben, sondern müssen sich weiterentwickeln. 
  • Überwachungs-, Regulierungs- und Managementmaßnahmen müssen regelmäßig geprüft werden und wenn nötig auf veränderte Rahmenbedingungen wie. z. B. schwankende und wandernde Fischbestände, angepasst werden.
  • Nationale Interessen müssen mehr zurückstehen und marine Ökosysteme als Ganzes über ihre nationalen Grenzen hinaus verwaltet und bewirtschaftet werden.
  • Fischereimanager, Wissenschaftler und Regierungen müssen über die derzeitigen Strukturen, Vorschriften und traditionellen Technologien hinaus denken und internationale Fischereiabkommen müssen flexibler angelegt werden.

 

Was zu tun ist, ist klar. Es fehlt noch die Umsetzung

Wir brauchen gesunde Meere, um die Erderwärmung aufzuhalten und eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren! Wir können das Potenzial der Ozeane nutzen, um Milliarden von Menschen zu versorgen und gleichzeitig die Meere und ihre Artenvielfalt schützen, wenn wir den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen.

Aber wir dürfen nicht warten, bis es zu spät ist. Bleiben wir untätig im Fischereimanagement, wird dies zu dramatischen Einbußen in der Produktivität der weltweiten Fischerei und damit zu Nahrungsnotständen und Existenzbedrohungen von Millionen Menschen führen.  


Der Klimawandel ist da, er ist real, und er wirkt sich auf unsere Meere und das Leben darin aus. Die Zeit des Redens ist vorbei, die Zeit zum Handeln ist jetzt! 
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