Grundschleppnetzfischerei steht häufig in der Kritik. Tatsächlich kann sie empfindliche Lebensräume am Meeresboden beeinträchtigen und zum Beifang nicht zielgerichteter Arten führen. Gleichzeitig wäre es wissenschaftlich nicht korrekt, alle Grundschleppnetzfischereien pauschal als zerstörerisch einzustufen – genauso wenig wie andere Fangmethoden automatisch nachhaltig sind.
Nicht das Fanggerät allein entscheidet
Ob Fischfang ökologisch nachhaltig ist, hängt von vielen Faktoren ab. Eine pauschale Bewertung einzelner Fangmethoden greift daher zu kurz.
Bei Grundschleppnetzen spielen insbesondere folgende Aspekte eine Rolle:
- Die Beschaffenheit des Meeresbodens: Empfindliche Lebensräume wie Korallen reagieren deutlich sensibler als sandige Böden in dynamischen Küstengebieten.
- Die Bauweise des Fanggeräts: Material, Gewicht und Größe beeinflussen den Kontakt mit dem Meeresboden.
- Die Intensität der Fischerei: Entscheidend ist unter anderem, wie häufig und auf welcher Fläche gefischt wird.
Einzelfallprüfung statt pauschaler Urteile
Jede Fischereiaktivität wird im MSC-Bewertungsverfahren individuell geprüft. Der Zertifizierungsprozess dauert bis zu 18 Monate und wird von unabhängigen Gutachtern durchgeführt. Die Ergebnisse werden zusätzlich von einem Peer-Review-College überprüft.
Aktuell sind rund 18 Prozent des weltweiten Wildfangs nach dem MSC-Umweltstandard zertifiziert. Dass dieser Anteil vergleichsweise niedrig ist, ist nicht auf mangelndes Interesse von Fischereiseite zurückzuführen. Es zeigt, wie anspruchsvoll die MSC-Anforderungen sind.
“Nicht die Fangmethode selbst, sondern der Umgang damit und deren Auswirkungen unterscheiden nachhaltige von nicht-nachhaltigen Grundschleppnetzfischereien.”
Marine Stewardship Council
Sehr viele Fischereien bestehen die Vorbewertung nicht
Die meisten Fischereien, die die sehr aufwändige MSC-Zertifizierung anstreben, lassen zunächst eine Vorbewertung durchführen. Diese gibt ihnen eine fundierte Einschätzung darüber, ob eine vollständige MSC-Bewertung Aussicht auf Erfolg hätte. Folgende Zahlen untermauern die Strenge des MSC-Umweltstandards und zugleich den zentralen Aspekt der kontinuierlichen Verbesserung.
533 Fischereien bestehend aus 3214 Fischereikomponenten haben zwischen 2002 und 2022 eine Vorbewertung durchgeführt und deren Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht*. Davon wurden 93,7% Prozent zum Zeitpunkt der Vorbewertung von den Auditoren als „voraussichtlich nicht in der Lage, eine MSC-Zertifizierung zu bestehen“ eingeschätzt. Darunter befanden sich 141 Fischereien mit 422 Grundschleppnetzkomponenten .
Sicherlich haben auch einige dieser Fischereien später die MSC-Zertifizierung erlangt, allerdings erst nachdem die Behebung ihrer jeweiligen Defizite in teils langwierigen Verbesserungsprozessen die erfolgreiche Bewertung gegen den MSC-Standard ermöglichte.
*Bitte bei der Interpretation der Daten die MSC-Definition des Fischereibegriffs beachten
Nachhaltige Verbesserungen statt Ausschluss
Grundschleppnetzfischereien liefern etwa ein Viertel des weltweiten Fangs von Wildfisch und Meeresfrüchten. Dazu gehören wichtige Arten wie Kabeljau, Seelachs, Schellfisch sowie wild gefangene Garnelen und Shrimps. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung.
Ein genereller Ausschluss dieser Fischereien von der Möglichkeit einer MSC-Zertifizierung würde Umweltprobleme daher nicht automatisch lösen. Wirksamer ist es, Anreize für nachhaltige Praktiken zu schaffen und Verbesserungen gezielt voranzutreibenDie Nordsee-Krabbenfischerei
Zertifizierung als Motor für Verbesserungen
Auch nach einer erfolgreichen Zertifizierung müssen Fischereien kontinuierlich an ihrer Umweltleistung arbeiten. Rund 90 Prozent aller MSC-zertifizierten Fischereien erhalten sogenannte Zertifizierungsauflagen, die innerhalb festgelegter Fristen erfüllt werden müssen.
Mit Blick auf MSC-zertifizierte Grundschleppnetzfischereien haben diese seit 2001 rund 1000 Auflagen zur Verbesserungen ihrer Umweltleistung umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise Forschungsarbeiten wie Kartierungen des Meeresbodens um sensible Lebensräume besser zu identifizieren und schützen zu können oder Beifänge zu reduzieren. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten helfen den Fischereien konkrete, effektive Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen wie z.B. Gebietsschließungen für Fangaktivitäten, Anpassungen der Fanggeräte sowie sogenannte „Move-on-Regeln“. Diese verpflichten Fischereien dazu, ein Gebiet zu verlassen, sobald sensible Lebensräume oder Arten festgestellt werden.
99%
Sortiergitter & Fluchtklappen an den Fangnetzen der nordaustralischen Garnelenfischerei
Auswirkungen bewerten, Verbesserungen fördern
Der MSC-Ansatz:
Der MSC bewertet Fischereien nicht nach ihrem Fanggerät, sondern nach ihren tatsächlichen Auswirkungen auf Fischbestände, Ökosysteme und Lebensräume. Ziel ist es, nachhaltige Fischerei zu fördern und dort Verbesserungen anzustoßen, wo sie den größten Nutzen für die Meeresumwelt bringen.
Mehr zum MSC und seinen Erfolgen:
Forschung und Wissenschaft beim MSC
Mehr als 200 Wissenschaftlerinnen sowie Expertinnen und Entscheidungsträgerinnen aus Fischerei, Industrie und Umweltschutz entwickelten zusammen den MSC Umweltstandard.
Das hat der MSC bisher bewirkt
Als gemeinnützige Organisation zum Schutz der Meere und Fischbestände will der MSC die weltweite Fischerei durch ein Zertifizierungsprogramm in nachhaltigere Bahnen lenken.
Fragen zum MSC
Unsere FAQs geben Dir Antworten zu nachhaltiger Fischerei, Fangmethoden wie Grundschleppnetzen, befischten Arten wie Thunfisch, Lachs sowie zu beigegefangenen Arten wie Delfin oder Hai
