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Gegen Zwangs- und Kinderarbeit in der Fischereiwirtschaft

• MSC stellt neue Anforderungen an Fischereien und Unternehmen entlang der Lieferkette 
• Verpflichtende Audits in Risikoländern
• Bei Verstößen droht Suspendierung
• Aktualisierter MSC-Rückverfolgbarkeits-Standard veröffentlicht


Der MSC (Marine Stewardship Council) gibt sozialen Nachhaltigkeitsaspekten mehr Raum und stellt neue Anforderungen an Fischereien und fischverarbeitende Unternehmen. So müssen MSC-zertifizierte Unternehmen der Lieferkette künftig beispielsweise unabhängige arbeitsrechtliche Audits durchlaufen, wenn sie in einem Land mit Risiko von Zwangs- oder Kinderarbeit tätig sind. Der MSC verurteilt den Einsatz von Zwangs- und Kinderarbeit. Auch wenn der MSC-Standard in erster Linie ein Umweltstandard ist, sind wir uns der wachsenden weltweiten Besorgnis hinsichtlich des Arbeitskräftemissbrauchs in Fischerei und Fischindustrie bewusst und erkennen die Wichtigkeit sozialer Nachhaltigkeitsaspekte an. 

Erweiterte Anforderungen an Unternehmen in der Lieferkette


“Weltweit“, so Dr Yemi Oloruntuyi, Head of Accessibility beim MSC, “sind mehr als 150 Millionen Kinder und 25 Millionen Erwachsene Opfer von Zwangsarbeit. Wir haben nun Maßnahmen ergriffen, um dieses Problem in der Lieferkette für MSC-zertifizierten Fisch anzugehen. Wir wollen weitestmöglich sicherstellen, dass Unternehmen, die MSC- und ASC-zertifizierte Fischprodukte verarbeiten und verpacken, keine Zwangs- oder Kinderarbeit einsetzen.”

Die neuen Anforderungen an Unternehmen der Lieferkette sind Teil des aktualisierten MSC-Rückverfolgbarkeits-Standards, der jetzt veröffentlicht wurde und am 28. September 2019 in Kraft tritt. Für Verbraucher schafft dieser Standard Vertrauen in die Integrität der Lieferkette und in die Rückverfolgbarkeit MSC-zertifizierter Produkte vom Supermarkt oder Fischhändler bis zu einer nachhaltigen Fischerei. Zurzeit sind mehr als 4.500 fischverarbeitende Firmen und Handelsunternehmen an mehr als 45.000 Standorten in rund 100 Ländern MSC-zertifiziert.

Festlegung von Risikoländern


Alle MSC-zertifizierten Unternehmen – sofern sie nicht in einem Land tätig sind, welches wie z.B. Deutschland als Niedrigrisikoland für Zwangs- und Kinderarbeit gilt – müssen sich einem Audit durch ein unabhängiges, vom MSC anerkanntes Arbeitsrechtsprogramm unterziehen. Die Einstufung eines Landes als Risiko- oder Niedrigrisikoland erfolgt anhand von weltweit anerkannten Indikatoren, die in Zusammenarbeit mit zahlreichen Stakeholdern festgeschrieben wurden.

Vom MSC anerkannte Arbeitsrechtsprogramme sind die Amfori Business Social Compliance Initiative (BSCI), das SEDEX Members Ethical Trade Audit und die SA8000 Zertifizierung von Social Accountability International. Zukünftig wird der MSC auch Arbeitsrechtsprogramme zulassen, die von der Sustainable Supply Chain Initiative (SSCI) anerkannt wurden. 

Erfüllt ein Unternehmen die arbeitsrechtlichen Anforderungen dieser Programme nicht, verliert es sein MSC-Zertifikat bzw. wird nicht zertifiziert.  

Strengeren arbeitsrechtliche Anforderungen auch für Fischereien


Zwangs- und Kinderarbeit ist ein branchenweites Problem, für das es keine schnelle oder einfache Lösung gibt. Die neuen Anforderungen an Unternehmen der Lieferkette sind Teil einer Reihe von Aktualisierungen des MSC-Programms zur Bekämpfung dieses Problems. Ein anderer Teil ist die stufenweise Implementierung entsprechender Zertifizierungsanforderungen auch bei Fischereien. Bis zum 31. August 2019 muss jede MSC-zertifizierte Fischerei schriftlich offenlegen, über welche Regularien und Mechanismen zum Ausschluss von Zwangs- und Kinderarbeit sie verfügt. Fischereien, die dies nicht darlegen können, werden suspendiert bzw. nicht zertifiziert. Alle erforderlichen arbeitsrechtlichen Angaben der Fischereien werden öffentlich zugänglich und überprüfbar sein.

In einem weiteren Schritt sollen später auch für Fischereien, ähnlich wie jetzt schon bei den Unternehmen der Lieferkette, risikobasierte, arbeitsrechtliche Audits durch unabhängige Arbeitsprogramme eingeführt werden.