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Weltfischereibericht 2026: Überfischung bleibt globale Herausforderung – nachhaltiges Management zeigt Wirkung

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat heute im Rahmen der Our Ocean Conference in Mombasa, Kenia, ihren aktuellen Bericht zum Zustand der weltweiten Fischerei und Aquakultur vorgestellt. Präsentiert wurde der Bericht bei einem Side Event, das gemeinsam mit dem Marine Stewardship Council (MSC) organisiert wurde. Für den zweijährlich erscheinenden Bericht kam erstmals eine neue Methodik zum Einsatz, mit der deutlich mehr Fischbestände als in früheren Erhebungen analysiert wurden. Damit liefert der Report ein noch detaillierteres Bild über den Zustand der globalen Fischressourcen.

Der Bericht macht deutlich: Überfischung bleibt weltweit ein ernstes Problem. Der Anteil der Fischbestände, die als biologisch nachhaltig eingestuft werden, ist auf 62,4 Prozent gesunken – nach 64,5 Prozent im Bericht vor zwei Jahren. Hinter diesen globalen Zahlen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Fischereien mit wirksamem Management verfügen häufig über gesunde Bestände, während Bestände dort, wo nachhaltiges Fischereimanagement fehlt, deutlich stärker unter Druck geraten. Große Unterschiede zeigen sich dabei sowohl zwischen Regionen als auch zwischen einzelnen Arten.

Aquatische Lebensmittel aus Wildfang und Aquakultur liefern inzwischen mindestens ein Fünftel des tierischen Proteins für 3,1 Milliarden Menschen weltweit. Mit einem Handelswert von 184 Milliarden US-Dollar erreicht der globale Handel mit Fisch und anderen aquatischen Produkten mittlerweile ein Niveau, das mit dem Handel von Fleisch aus der Nutztierhaltung vergleichbar ist. Der Schutz dieser wertvollen Ressourcen ist deshalb entscheidend – für die Gesundheit der Ozeane ebenso wie für die Ernährungssicherheit von Milliarden Menschen.

Positiv hervorzuheben ist, dass sich in mehreren Regionen und bei verschiedenen Arten die Nachhaltigkeitswerte stabilisiert oder verbessert haben. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass wissenschaftsbasiertes Fischereimanagement und nachhaltige Fangstrategien wirken. Gleichzeitig bleiben Regionen mit hohem Fischereidruck, starken Umweltveränderungen oder unzureichenden Managementkapazitäten besonders gefährdet.

Gewichtet nach der biologischen Größe der Bestände zählen die antarktischen Gewässer zu den Regionen mit den besten Nachhaltigkeitswerten: Dort gelten 100 Prozent der analysierten Bestände als nachhaltig. Es folgen Teile des Pazifiks, insbesondere der Nordost- und Südwestpazifik, mit 89,3 beziehungsweise 86,8 Prozent nachhaltig bewerteter Bestände.

Besonders kritisch bleibt die Lage im östlichen Zentralatlantik, wo nur 47,1 Prozent der Bestände als nachhaltig gelten. Den niedrigsten Wert verzeichnen das Mittelmeer und das Schwarze Meer: Hier werden lediglich 45,7 Prozent der Bestände als biologisch nachhaltig eingestuft.

Eine weitere wichtige Erkenntnis des Berichts liefert Anlass zur Hoffnung: 72,6 Prozent der im Jahr 2023 angelandeten Fangmenge aus von der FAO bewerteten Fischbeständen stammen aus biologisch nachhaltigen Beständen. Das bestätigt, dass größere und produktivere Bestände häufig besser gemanagt werden.

Dazu erklärt Michael Marriott, MSC Program Director für Afrika, den Nahen Osten und Südasien:

„Die neuen Daten der FAO zeigen sehr deutlich, dass Überfischung weiterhin ein ernstes globales Problem ist. Sie bedroht die Artenvielfalt der Meere, die Lebensgrundlagen vieler Menschen und die weltweite Ernährungssicherheit. Der Bericht macht dies eindrücklich sichtbar. Die neuen Zahlen zeigen, dass der Handel mit aquatischen Produkten inzwischen wirtschaftlich mit dem Fleischhandel landbasierter Nutztiere gleichzieht.

Das differenziertere Bild des Berichts liefert zugleich Anlass zur Hoffnung und eine klare Warnung: Wo Fischereien gut gemanagt werden, sind Bestände gesünder. Wo Management fehlt, geraten sie unter Druck. Die Daten zeigen: Nachhaltiges Fischereimanagement funktioniert – wird aber noch längst nicht überall konsequent umgesetzt.

Die Lösungen liegen auf dem Tisch: wissenschaftsbasierte Bewirtschaftung, Fangquoten auf Grundlage robuster Bestandsbewertungen, unabhängige Überprüfung und ein entschiedenes Vorgehen gegen illegale, unregulierte und nicht gemeldete Fischerei. Wenn wir unsere Ozeane und ihre Ressourcen schützen wollen, müssen wir jetzt schneller handeln und diese Instrumente dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Regierungen, Fischereien, Wissenschaft, NGOs, Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Der FAO-Bericht zeigt klar, wo wir ansetzen müssen.“