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Verbraucherstärkung: Beim Fischkauf eine sichere und orientierte Wahl treffen

28.09.2026

Von EU-Vorgaben zur Praxis: Was EmpCo für freiwillige Nachhaltigkeitssysteme bedeutet

Von William Morré, EU Policy Affairs Manager beim MSC

Die EU hat in den vergangenen Jahren die Regeln für umweltbezogene Aussagen deutlich verschärft. Die nächste Herausforderung besteht nun darin, dafür zu sorgen, dass diese Regeln im gesamten EU-Binnenmarkt einheitlich angewendet werden.

Seit dem 27. September 2026 gilt die Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel (Empowering Consumers for the Green Transition, kurz EmpCo). Sie enthält neue Anforderungen daran, wie Unternehmen gegenüber Verbraucher über Umwelteigenschaften von Produkten kommunizieren und unter welchen Voraussetzungen Nachhaltigkeitssiegel verwendet werden dürfen. Ziel der Richtlinie ist es, Umweltinformationen verlässlicher, konkreter und aussagekräftiger zu machen und gleichzeitig zu verhindern, dass Verbraucher durch vage oder nicht ausreichend belegte Aussagen in die Irre geführt werden.

Für Organisationen wie den Marine Stewardship Council (MSC), der ein freiwilliges Zertifizierungsprogramm und ein Umweltsiegel auf Grundlage unabhängig geprüfter Standards betreibt, geht es dabei um weit mehr als eine Anpassung der Marketingkommunikation. Wir mussten sorgfältig prüfen, wie wir gegenüber Verbraucher über unsere Zertifizierung informieren. Gleichzeitig wirft die Richtlinie grundsätzliche Fragen dazu auf, welche Rolle glaubwürdige freiwillige Nachhaltigkeitssysteme im Rahmen der grünen Transformation der EU spielen.

Der MSC beteiligt sich bereits seit den Anfängen der EU-Debatte über Umweltaussagen – sogenannte „Green Claims“ – an der politischen Diskussion. Gemeinsam mit anderen Nachhaltigkeitsstandards und Umweltsiegeln sowie in Zusammenarbeit mit ISEAL, dem globalen Mitgliederverband für glaubwürdige Nachhaltigkeitsstandards, haben wir uns dafür eingesetzt, dass der Rechtsrahmen zwischen unbelegten Umweltaussagen im Marketing und Aussagen unterscheidet, die auf glaubwürdigen Zertifizierungssystemen beruhen.

Unabhängige Prüfung und Rechenschaftspflicht werden anerkannt

Diese Unterscheidung findet sich in der endgültigen Richtlinie wieder. EmpCo verbietet Nachhaltigkeitssiegel, die weder auf einem Zertifizierungssystem beruhen noch von staatlichen Stellen eingeführt wurden. Gleichzeitig legt die Richtlinie Anforderungen an Zertifizierungssysteme fest, unter anderem hinsichtlich Transparenz, Einbindung relevanter Interessengruppen und unabhängiger Überwachung.

Für glaubwürdige freiwillige Nachhaltigkeitssysteme ist dies eine wichtige Entwicklung: Unabhängige Prüfung und Rechenschaftspflicht werden damit im EU-Rechtsrahmen für Nachhaltigkeitssiegel ausdrücklich anerkannt – und dienen nicht mehr allein dazu, Vertrauen bei Verbraucher und im Markt zu schaffen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass zertifizierte Organisationen einfach so weiterkommunizieren können wie bisher. Die Richtlinie verändert auch grundsätzlich den Rahmen für Umweltaussagen. Allgemeine Begriffe wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ unterliegen strengeren Voraussetzungen. Besondere Sorgfalt ist außerdem bei Aussagen zu Nachhaltigkeit oder Verantwortung erforderlich, da diese neben der ökologischen Leistung auch weitere Aspekte umfassen können.

Für den MSC bedeuteten die neuen regulatorischen Anforderungen daher ganz konkrete Arbeit in unseren verschiedenen Märkten. Wir haben die Aussagen, die unser MSC-Siegel begleiten, überprüft und überarbeitet. Sie sollen nun noch klarer erklären, wofür die MSC-Zertifizierung steht und was das MSC-Siegel konkret abdeckt.

Konkrete, verständliche und belegbare Aussagen für VerbraucherInnen

Dabei ging es nicht nur darum, die Anforderungen zum Stichtag im September 2026 zu erfüllen. Unser Ziel war ebenso, sicherzustellen, dass Verbraucher konkrete, verständliche und belegbare Aussagen erhalten. Gleichzeitig brauchen Unternehmen, die in mehreren Märkten tätig sind, eine einheitliche Grundlage für ihre Kommunikation über die Zertifizierung. Für ein globales freiwilliges Zertifizierungssystem ist diese Konsistenz eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Einhaltung regulatorischer Vorgaben in der Praxis funktioniert.

Genau hier liegt nun die nächste Herausforderung: die Umsetzung.

EmpCo schafft zwar einen gemeinsamen EU-Rahmen, doch die konkrete Anwendung hängt von der nationalen Umsetzung, den jeweiligen Leitlinien und der Durchsetzung in den Mitgliedstaaten ab. Dabei kommen die einzelnen Länder unterschiedlich schnell voran. Gleichzeitig beginnen Unternehmen, sich mit nationalen Behörden und anderen zuständigen Stellen darüber auszutauschen, wie die neuen Anforderungen in der Praxis anzuwenden sind.

Für Unternehmen, die in mehreren EU-Mitgliedstaaten tätig sind, kann daraus Unsicherheit entstehen. Dieselben Nachweise, Formulierungen oder Methoden zur Begründung einer Umweltaussage können in verschiedenen Märkten unterschiedliche Fragen aufwerfen. Das ist nicht zwangsläufig ein Widerspruch innerhalb der Richtlinie. Vielmehr zeigt sich darin die Herausforderung, einen gemeinsamen europäischen Rechtsrahmen in 27 nationalen Systemen einheitlich in die Praxis umzusetzen.

Für international tätige freiwillige Nachhaltigkeitssysteme ist diese Herausforderung besonders relevant. Zertifizierungssysteme sind darauf ausgelegt, über verschiedene Märkte hinweg einen einheitlichen Rahmen zu bieten. Wenn sich jedoch die regulatorischen Anforderungen an die Kommunikation dieser Zertifizierung von Land zu Land deutlich unterscheiden, entsteht für Organisationen und Unternehmen, die entsprechende Siegel nutzen, zusätzliche Komplexität. Und zwar selbst dann, wenn sich an den zugrunde liegenden Umweltnachweisen und Zertifizierungsanforderungen nichts ändert.

All dies stellt die grundsätzlichen Ziele von EmpCo nicht infrage. Verbraucher sollten glaubwürdige Umweltinformationen von vagen oder unbelegten Aussagen unterscheiden können. Gleichzeitig sollten Unternehmen, die tatsächlich in bessere Umweltleistungen investieren, unter faireren Wettbewerbsbedingungen agieren können. Glaubwürdige Zertifizierungssysteme unterstützen diese Ziele bereits seit vielen Jahren.

Beginn einer neuen Phase

Jetzt kommt es darauf an, dass der neue Rahmen auch in der Praxis möglichst einheitlich funktioniert. Eine stärkere Abstimmung zwischen den zuständigen nationalen Behörden sowie klare Leitlinien auf EU-Ebene zur Auslegung der Anforderungen an Dokumentation und Nachweise würden Behörden, Unternehmen und Zertifizierungssystemen helfen – und letztlich auch den Verbraucher zugutekommen.

Die Umsetzung von EmpCo ist daher nicht das Ende der Debatte über Umweltaussagen. Vielmehr beginnt jetzt eine neue Phase: Nachdem gemeinsame Regeln geschaffen wurden, muss sichergestellt werden, dass diese im gesamten EU-Binnenmarkt möglichst einheitlich angewendet werden können.

Der MSC wird weiterhin mit Unternehmen und relevanten Interessengruppen zusammenarbeiten, damit unsere Zertifizierung und unsere Kommunikation gegenüber Verbraucher auch in einem sich weiterentwickelnden regulatorischen Umfeld klar, glaubwürdig und zweckmäßig bleiben.