Das Mittelmeer gehört weiterhin zu den am stärksten befischten und ökologisch am stärksten belasteten Meeresregionen der Welt.
Mittelmeer & Schwarzes Meer: Fischfang-Fakten
52%
der wissenschaftlich bewerteten Fischbestände in der Region gelten weiterhin als überfischt
1,8
ist der durchschnittliche Fischereidruck im Vergleich zum nachhaltigen Niveau. Es wird fast doppelt so stark gefischt, wie langfristig gesund wäre.
1,05 Millionen
Tonnen Wildfang werden pro Jahr angelandet. Dieser Wert ist seit Jahren recht stabil
84.242
Fangschiffe gibt es in der Region; 82% davon gehören zur kleinen Küstenfischerei mit Bootslängen <10 m
750.000
Arbeitsplätze sichert die Fischerei entlang der gesamten Wertschöpfungskette, darunter etwa 197.000 direkt an Bord von Booten
120
Bestände unterliegen aktiven offiziellen Bewertungen. 2008 waren es erst 45 Bestände. Nur diese Bewertungen ermöglichen eine Einschätzung des Gesamtzustands der Fischbestände
Sommerziel Mittelmeer: Volle Strände - viel zu volle Netze
Das Mittelmeer mit seinen azurblauen Gewässern und atemberaubenden Küsten ist in den Sommermonaten eine der beliebtesten Urlaubsdestinationen der Welt.
Doch das Mittelmeer und Schwarze Meer unterliegen seit Jahren starker Überfischung: Noch immer gelten 52 Prozent der wissenschaftlich bewerteten Fischbestände in dieser Fangregion als überfischt1. Das zeigt der aktuelle Bericht der FAO und der GFCM. Gleichzeitig ist das der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerhebung.
Trotz messbarer Fortschritte bleibt die Lage also kritisch: Das Mittelmeer zeigt zwar erste Erholung, aber der Weg zu nachhaltiger Fischerei ist noch lang. Mehr als die Hälfte der kommerziell befischten Bestände werden hier also außerhalb biologisch nachhaltiger Grenzen befischt. Zum Vergleich: Weltweit sind 37,6 Prozent der Bestände überfischt.
So oder so: Überfischung ist eine Bedrohung für das Ökosystem Meer ebenso wie für die Existenzgrundlage vieler Menschen.
Über 80 Prozent der Fangschiffe im Mittelmeer und Schwarzen Meer gehören zur kleinskaligen Küstenfischerei (Boote unter 10 Metern Länge)2. Diese Fischerei spielt eine zentrale Rolle für Beschäftigung, Ernährungssicherung und lokale Wirtschaft.
Obwohl kleine Küstenfischerei oft als vergleichsweise ressourcenschonend gilt, fehlen in vielen Fällen wichtige Voraussetzungen für eine belastbare Nachhaltigkeitsbewertung: Fangdaten sind häufig lückenhaft, elektronische Logbücher selten und Anlandungen verteilen sich auf zahlreiche kleine Häfen. Dadurch werden Kontrolle, Monitoring und wissenschaftliche Datenerhebung deutlich erschwert.
Die Anzahl der Schiffe allein sagt wenig über den tatsächlichen Fischereidruck aus. Denn obwohl über 80 Prozent der Fischereiflotte im Mittelmeer und Schwarzen Meer zur kleinen Küstenfischerei gehören, stammen die größten Fangmengen weiterhin aus der Ringwadenfischerei und der pelagischen Schleppnetzfischerei. Zusammen machen diese Flottensegmente heute 63,1 Prozent der gesamten Anlandungen aus - ein Anstieg um mehr als vier Prozentpunkte. Konkret bedeutet das: 49,8 Prozent im Mittelmeer und 84,4 Prozent im Schwarzen Meer3.
“Der Zustand des Mittelmeeres bessert sich zwar, gibt aber dennoch weiterhin Anlass zur Besorgnis. Die Umstände lassen kaum erfolgreiche Bewertungen nach dem strengen MSC-Umweltstandard zu. Daher sind hier aktuell lediglich zwei Fischereien zertifiziert.”
Program Manager MSC (DACH)
5 Tipps gegen Überfischung im Mittelmeer
Als Urlauber können wir unseren Teil zum Schutz des Mittelmeers beitragen. Mit diesen 5 Tipps leisten Sie Ihren Beitrag, Fisch im Mittelmeer zu erhalten.
Die 5 Hauptgründe für den schlechten Zustand der Fischbestände im Mittelmeer
- Überfischung trotz Fortschritten: Viele Fischbestände im Mittelmeer werden weiterhin stärker befischt, als wissenschaftlich empfohlen. Zwar zeigen Managementmaßnahmen Wirkung, doch die Erholung vieler Bestände bleibt fragil.
- Unzureichende Kontrolle und Durchsetzung: Obwohl es zahlreiche Regeln gibt, bleibt ihre Umsetzung in vielen Teilen der Region unzureichend. Illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU) bleibt ein zentrales Problem.
- Beifang und Zerstörung von Lebensräumen: Meeresschildkröten, Haie, Rochen und Knorpelfische zählen zu den am stärksten durch Beifang gefährdeten Arten. Der nicht nachhaltige Einsatz bestimmter Fangmethoden – insbesondere von Grundschleppnetzen – gefährdet und beschädigt zudem Seegraswiesen, empfindliche Tiefseelebensräume und Kaltwasserkorallen im Mittelmeer sowie andere sensible Küsten- und Meeresökosysteme im Schwarzen Meer.
- Klimawandel: Steigende Wassertemperaturen, marine Hitzewellen und Sauerstoffmangel setzen die Fischbestände im Mittelmeer und Schwarzen Meer zunehmend unter Druck. Sie beeinträchtigen Wachstum, Fortpflanzung und Wanderverhalten vieler Arten und begünstigen zudem die Ausbreitung invasiver Arten. Dadurch werden marine Ökosysteme geschwächt und das Fischereimanagement zusätzlich erschwert.
- Ungleiche Umsetzung von Schutzmaßnahmen: Die Fischerei im Mittelmeer wird von einer Vielzahl von Ländern mit unterschiedlichen Interessen und Regelungen betrieben. Trotz verbesserter regionaler Zusammenarbeit erschweren unterschiedliche nationale Interessen und ungleiche Kontrollen eine nachhaltige Bewirtschaftung.
Die Bestandssituation im Mittelmeer bleibt kritisch, auch wenn aktuelle FAO-Daten erste Verbesserungen zeigen. Der Anteil MSC-zertifizierter Fischereien in der Region ist im Vergleich zu anderen Weltregionen weiterhin gering. Es gibt lediglich zwei Fischereien, die nach dem strengen Standard des MSC zertifiziert sind:
- JC Mackintosh Greenstick eine Handleinen- und Angelrutenfischerei auf Blauflossenthunfisch (Spanien)
- Sathoan, eine handwerkliche Langleinen- und Handleinenfischerei auf Blauflossenthunfisch (Frankreich).
Die Palamos Fischerei auf Blau- und rote Tiefseegarnelen hat sich dem MSC-Verbesserungsprogramm angeschlossen. Das heißt, sie ist noch nicht nach dem MSC-Standard zertifiziert und darf deshalb das blaue MSC-Siegel noch nicht auf ihren Produkten verwenden. Mit ihrer Teilnahme verpflichtet sie sich jedoch, innerhalb von fünf Jahren die Voraussetzungen für eine MSC-Bewertung zu schaffen. In dieser Zeit muss sie konkrete Verbesserungen umsetzen und ihre Fortschritte regelmäßig von unabhängigen Prüfern überprüfen lassen.
In der Bewertungsprozess befindet sich aktuell die Fischerei Catalonian handline wild bluefin tuna. Der Status "in Bewertung" bezeichnet Fischereien, die sich aktuell im formellen Zertifizierungsprozess befinden. Unabhängige Gutachter prüfen umfassend Fangmethoden, Bestandsdaten und Managementsysteme. Während dieser Phase darf das MSC‑Siegel noch nicht verwendet werden.
Mit dem MedPath-Programm unterstützt der MSC gemeinsam mit Partnerorganisationen Fischerei-Verbesserungsprojekte in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland. Ziel ist es, insbesondere kleine und handwerkliche Fischereien auf ihrem Weg zu nachhaltigeren Fangpraktiken zu begleiten. Viele dieser Fischereien befinden sich in unterschiedlichen Stadien des Verbesserungsprozesses. Gerade im Mittelmeer sind solche Initiativen angesichts des hohen ökologischen Drucks auf die Fischbestände von zentraler Bedeutung.
Mehr unter:
Together for the Med (MedPath)
Medfish-ProjektFischerei und Klimawandel
Zahlen
Artengruppen mit den meisten Fängen zwischen 2018-2020
Im Mittelmeer und Schwarzen Meer gibt es eine Vielzahl von Fischarten, die gefangen werden. Die Häufigkeit und Artenvielfalt der Fänge können jedoch je nach geografischer Lage, Jahreszeit und Fischereipraktiken variieren.
Die drei Artengruppen mit den meisten Fängen machen rund 73% aller Fänge aus:
665.500 Tonnen
Heringe, Sardinen, Sardellen
117.400 Tonnen
Verschiedene Küstenfische
88.100 Tonnen
Verschiedene pelagische Fische
Anmerkungen
[1] [2] [3] Zustandsbericht der Vereinten Nationen: FAO. 2025. The State of Mediterranean and Black Sea Fisheries 2025. General Fisheries Commission for the Mediterranean. Rome.

