Ob Dorade in Griechenland, Calamari in Italien oder Meeresfrüchte-Paella in Spanien – frischer Fisch gehört für viele zum perfekten Mittelmeerurlaub. Doch der Fang auf dem Teller stammt längst nicht immer aus dem Mittelmeer. Gleichzeitig stehen viele Fischbestände der Region weiterhin unter Druck. Mit wenigen Fragen im Restaurant oder beim Einkauf können Urlauber bewusster genießen und nachhaltige Fischerei unterstützen.
Für Millionen Menschen gehört ein Urlaub am Mittelmeer zum Sommer einfach dazu: frischer Fisch in der Taverne, Meeresfrüchte im Hafenrestaurant und laue Abende direkt am Wasser. Doch was viele Urlauber nicht wissen: Der Fisch auf ihrem Teller stammt längst nicht immer aus dem Mittelmeer. Beliebte Arten wie Dorade und Wolfsbarsch kommen häufig aus Aquakultur, andere Fische werden aus anderen Meeresregionen importiert.
Mittelmeer trotz erster Erfolge weiterhin stark überfischt
Gleichzeitig verbirgt sich unter der glitzernden Oberfläche des Mittelmeers eine ernste Realität: Die Region zählt weiterhin zu den am stärksten überfischten Meeresgebieten der Welt. Nach aktuellen Daten der UN FAO gelten 52 Prozent der wissenschaftlich bewerteten Fischbestände im Mittelmeer und Schwarzen Meer als überfischt.
Zwar zeigen einzelne Bestände erste Anzeichen einer Erholung, insgesamt liegt der Fischereidruck jedoch weiterhin deutlich über einem langfristig nachhaltigen Niveau.
Drei Fragen helfen beim nachhaltigen Fischgenuss
Wer im Urlaub Fisch genießen möchte, kann bereits mit wenigen Fragen bewusster entscheiden: Woher stammt der Fisch? Handelt es sich um Wildfang oder Aquakultur? Und stammt der Wildfisch aus einer nachweislich nachhaltig bewirtschafteten Fischerei?
Denn „mediterran“ beschreibt häufig die Küche oder die Zubereitungsart – nicht zwangsläufig die Herkunft des Fisches.
„Das Mittelmeer zeigt erste Anzeichen der Erholung, das ist vor allem das Ergebnis eines besseren Fischereimanagements in den letzten zehn Jahren. Dennoch werden noch immer mehr als die Hälfte der wissenschaftlich bewerteten Bestände außerhalb biologisch nachhaltiger Grenzen befischt. Damit sich die Fischbestände langfristig erholen können, braucht es weiterhin konsequentes Fischereimanagement, eine wirksame Bekämpfung illegaler Fischerei und belastbare wissenschaftliche Daten als Grundlage für gute Entscheidungen“, sagt Kathrin Runge, Program Manager beim Marine Stewardship Council (MSC).
Ein Meer voller Leben – und Lebensgrundlage für viele Menschen
Das Mittelmeer ist nicht nur eines der beliebtesten Reiseziele der Welt, sondern auch Lebensgrundlage für Hunderttausende Menschen. Rund 750.000 Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette hängen von der Fischerei ab, mehr als 80 Prozent der Fangschiffe gehören zur kleinskaligen Küstenfischerei. Gleichzeitig erschweren lückenhafte Fangdaten, unzureichende Kontrollen und illegale Fischerei eine nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände.
Neben der Überfischung setzen auch Klimawandel, Beifang und die Zerstörung empfindlicher Lebensräume wie Seegraswiesen und Kaltwasserkorallen dem Ökosystem zu.
Mit bewussten Entscheidungen nachhaltigen Fischfang unterstützen
Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können nachhaltige Fischerei unterstützen. Wer beim Einkauf oder im Restaurant auf die Herkunft des Fisches achtet und sich für Produkte aus nachweislich nachhaltiger Wildfischerei entscheidet, stärkt Fischereien, die verantwortungsvoll wirtschaften und wissenschaftliche Fangempfehlungen berücksichtigen.
Eine wachsende Nachfrage nach ökologisch nachhaltig gefangenem Fisch schafft Anreize für Fischereien weltweit, ihre Bestände langfristig zu schützen und nachhaltig zu bewirtschaften.
Im Mittelmeer sind aktuell lediglich zwei Fischereien nach dem MSC-Umweltstandard zertifiziert [JC Mackintosh Greenstick eine Handleinen- und Angelrutenfischerei auf Blauflossenthunfisch (Spanien) und Sathoan, eine handwerkliche Langleinen- und Handleinenfischerei auf Blauflossenthunfisch (Frankreich)]. Das zeigt, wie groß die Herausforderungen in der Region weiterhin sind – zugleich aber auch, dass ökologisch nachhaltiger Fischfang im Mittelmeer möglich ist.
Mehr erfahren - MSC-Schwerpunktthema: Überfischung im Mittelmeer
KASTEN
Vier Tipps für einen nachhaltigeren Mittelmeerurlaub
- Bekunden Sie Interesse und fragen Sie nach der Herkunft des Fisches. "Mediterran" beschreibt oft die Küche – nicht die Herkunft. Fragen Sie daher nach Fanggebiet oder ob aus Wildfang oder aus Aquakultur.
- Bedenken Sie, dass regionaler Fisch nicht immer besser ist: Der tiefgekühlte Rotbarsch aus Island oder die Dorade aus kroatischer Aquakultur können nachhaltiger sein als ihre überfischten Pendants aus dem Mittelmeer.
- Achten Sie auf Siegel. Das Angebot für Selbstversorger wird größer: Supermärkte in Mittelmeerländern haben immer häufiger Fisch- und Meeresfrüchte mit dem MSC-Logo im Angebot.
- Schützen Sie das Meer auch abseits des Tellers. Vermeiden Sie Einwegplastik und motorisierten Wassersport; wählen Sie möglichst umweltfreundliche Sonnencremes und gehen Sie sorgsam mit den Küsten- und Meereslebensräumen um.