Fragen und Antworten zu: Beifang

Was genau ist Beifang und dürfen MSC-zertifizierte Fischereien Beifang haben? Wie sorgt der MSC dafür, dass Beifang reduziert wird? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Die wichtigsten Fragen zu Beifang

Was ist Beifang eigentlich?

Als Beifang wird der Teil des Fischfangs bezeichnet, der nicht aus der hauptsächlichen gefangenen Fischart besteht. In manchen Fischereien lässt sich Beifang nicht vermeiden, da einige Fischarten nicht in reinen Schwärmen vorkommen sondern sich mit anderen Arten mischen. In Fischereien, bei denen sich gezielt einzelne Arten fangen lassen, etwa Schwarmfische wie Hering und Makrele, funktioniert das gut. Aber oft landen verschiedene Fischarten im Netz. In der Seezungenfischerei beispielsweise werden oft Schollen mitgefangen.

Im Rahmen einer MSC-Zertifizierung wird die Höhe und die Zusammensetzung des Beifangs untersucht um zu beurteilen ob die Fischerei nachhaltig arbeitet.

Dürfen MSC-zertifizierte Fischereien Beifang haben?

Es gibt kaum eine Fischerei ohne Beifang, da viele Fischarten nicht in reinen Schwärmen vorkommen, sondern sich mit anderen Arten mischen. Beifang ist ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt beim MSC. Die Höhe des akzeptablen Beifangs für eine MSC-Zertifizierung ist von Fischerei zu Fischerei unterschiedlich. K.O. Kriterien bzw. pauschale Quoten sind bei der Beurteilung des Beifangs wenig zielführend. Der MSC betrachtet daher immer den Einzelfall: Im Rahmen einer MSC-Zertifizierung wird die Höhe und die Zusammensetzung des Beifangs und auch der Umgang mit dem Beifang untersucht, um zu beurteilen, ob die Fischerei nachhaltig arbeitet.

Dabei ist die Höhe des akzeptablen Beifangs von Fischerei zu Fischerei unterschiedlich. Fällt in einer Fischerei zum Beispiel ein Beifang in Höhe von acht Prozent an, so ist dies im weltweiten durchschnittlichen Vergleich ein geringer Beifanganteil. Bestehen diese acht Prozent jedoch aus einer Art, die in dem jeweiligen Gebiet als gefährdet gilt, so können auch acht Prozent schon zu viel sein. Den Umgang ebenfalls zu betrachten, ist deshalb wichtig, weil auch hohe Mengen an Beifang akzeptabel sein können, wenn diese zu einem großen Anteil wieder lebend freigelassen werden. 

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Der MSC-Standard - Prinzip 2: Der Lebensraum Meer wird geschont

Wie sorgt der MSC dafür, dass Beifang reduziert wird?

Fischereien, die das MSC-Zertifikat erhalten, verpflichten sich, sich auch nach der Zertifizierung stetig zu verbessern. Um das zu erreichen, müssen Fischereien sogenannte Zertifizierungsauflagen erfüllen. Oft handelt es sich dabei um Beiträge zur Forschung, Verbesserungen an Fangmethoden oder Maßnahmen zum Bestandsaufbau.

Wenn zertifizierte Fischereien ihren Zertifizierungsauflagen nicht nachkommen und/oder den MSC-Kriterien nicht mehr gerecht werden, werden sie suspendiert, d.h. dürfen ihren Fang nicht weiter mit MSC-Siegel kennzeichnen. Derzeit sind 16 Fischereien suspendiert. Die isländische Seehasenfischerei (Februar 2018) und die kanadische Hummerfischerei (März 2018) haben jeweils ihr Zertifikat verloren, da die Höhe und Zusammensetzung des Beifangs der Fischerei nicht mehr den Anforderungen des MSC entsprach.

Was sind Fischsammler und was haben sie mit Beifang zu tun?

Fischsammler nennt man schwimmende Gegenstände, die einen Schatten ins Wasser werfen. Es gibt verschieden Arten von Fischsammlern. Am verbreitetsten sind heutzutage schwimmende Holzkonstruktionen und Bojen mit Hängenetzen, welche viele Fische anlocken. Sie werden entweder frei im Meer treibend eingesetzt, oder im Meeresboden verankert.

Einige Thunfischfischereien fischen auch um natürliche Objekte, wie etwa im Wasser schwimmende Baumstämme oder große Meerestiere, um die sich Fische gerne sammeln. Indem Fischer ihre Netze und Angelruten in der Nähe dieser schwimmenden Objekte auswerfen, können sie ihren Fang erhöhen.

Setzt eine Fischerei ihre Netze um Fischsammler herum ein, so hat dies tendenziell auch einen höheren Beifang zur Folge.

Haben Thunfischfischereien Delfine als Beifang?

Während Skipjack-Schwärme sich in der Regel unabhängig im Meer bewegen, ist der Gelbflossen-Thun im Nordostpazifik untrennbar mit Delfinschulen verbunden. Die Delfine schwimmen an der Wasseroberfläche, der Gelbflossen-Thun im Schwarm bis zu 150 Meter darunter. Die Gründe dafür sind weitgehend unerforscht und unbekannt, aber dieses Schwarmverhalten ist nur bei ausgewachsenen, älteren Fischen dieser Art zu beobachten, und nicht bei jüngeren Exemplaren oder anderen Thunfischarten. Und so nutzen Fischer in der Region seit Jahrhunderten die Anwesenheit von Delfinen als Hinweis auf die Präsenz von Gelbflossen-Thun. Im nordöstlichen Pazifik wird Thunfisch in der Regel mit Ringwaden gefangen. Dabei wird ein Netz mithilfe eines Beibootes ringförmig um einen Fischschwarm ausgelegt und anschließend zusammengezogen. 

Da die Delfine oberhalb der Thunfische schwimmen, waren die Delfinbeifänge bei dieser Art der Fischerei in der Vergangenheit enorm hoch und die mexikanische Thunfischfischerei galt aus Umweltperspektive Jahrzehnte lang als eine der umstrittensten Fischereien überhaupt. Im Jahr 1989, lag der Delfinbeifang bei 132.000 Tieren. Ein Umdenken in der Fischerei war dringend notwendig. Und dieses Umdenken hat stattgefunden: die Anzahl der verendeten Delfine im tropischen Nordostpazifik konnte um 99 % gesenkt werden. 

Die Methode der mexikanischen Fischer zählt mittlerweile zu den ökologisch selektivsten Fangtechniken und schützt neben den Thunfischbeständen gleichzeitig auch Haie, Rochen, Delfine, Schildkröten und andere wichtige Meeresbewohner.

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