Wie geht es dem Thunfisch?

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Von: der MSC Redaktion


Tuna Maledives

Die Frage lässt sich nicht pauschal mit gut oder schlecht beantworten. Denn die meisten Fischarten kommen in verschiedenen Teilen der Welt vor. Deshalb ist es generell wichtig, zwischen verschiedenen Fischbeständen in verschiedenen Regionen zu unterscheiden, denn diese können sich in unterschiedlichem Zustand befinden: Der Kabeljau vor Island zum Beispiel kommt aus einem anderen Bestand als jener vor den Küsten Dänemarks.

Das ist beim Thunfisch nicht anders. Weltweit werden in den verschiedenen Ozeanen für die fünf wichtigsten kommerziellen Thunfischarten 23 Bestände unterschieden: sechs für Weißen Thun, fünf für Echten Bonito (auch Skipjack genannt), vier für Großaugen-Thun, vier für Roten Thun (auch Blauflossen-Thun genannt), und vier für Gelbflossen-Thun.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der International Seafood Sustainability Foundation (ISSF) befinden sich 57% der Thunfischbestände in gutem Zustand, 13% gelten als überfischt und 30% der Bestände werden voll genutzt.

Die weltweiten Fangmengen für Thunfisch sind laut der Welternährungsorganisation FAO bis heute kontinuierlich gestiegen – und zwar von weniger als 0,6 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf über sechs Millionen Tonnen.

Der Echte Bonito – auch Skipjack genannt – macht mehr als die Hälfte (57%) der weltweiten Thunfischfänge aus, gefolgt von Gelbflossen-Thun (28%), Großaugen-Thun (9%), Weißem Thun (5%) und Rotem Thun (1%). Die Bestände des Bonitos befinden sich global in gutem Zustand. Damit stellt der Bonito-Fang an sich kein Problem dar. Problematisch an der Bonito-Fischerei kann allerdings sein, wenn dabei andere Thunfischarten oder Meerestiere mit ins Netz gehen, deren Beständen es eventuell nicht so gut geht.

Thunfisch – ein Liebling auf der Speisekarte

Illustration of Katsuwonus Pelamis - skipjack tunaDer Inhalt der meisten Thunfisch-Dosen: Echter Bonito (Skipjack), Katsuwonus pelamis.


Nicht nur die Japaner und Spanier lieben Thunfisch, auch bei uns Deutschen hat der Thunfisch einen festen Platz auf der Speisekarte, im Restaurant wie zuhause. In Deutschland ist der Thunfischkonsum in den letzten Jahren nicht auffallend stark, wohl aber kontinuierlich gestiegen. Der Thunfisch hat sich in den letzten Jahren einen festen vierten Platz auf der Rangliste der beliebtesten Speisefische in Deutschland erobert, mit mehr als 70.000 Tonnen Konsum pro Jahr.

Vier Thunfischarten spielen auf dem deutschen Markt eine wichtige Rolle: Die Rangliste in Sachen Konsum führt – genau wie bei den Fangmengen – der Echte Bonito an, der häufig in der Dose angeboten wird, gefolgt von Weißem Thun, Gelbflossen-Thun und Rotem Thun.

Thunfischbestände managen - eine globale Herausforderung

Tuna RFMOs

Thunfische sind Wanderfische. Sie legen in ihrem Leben sehr weite Strecken quer durch die Ozeane zurück. Ihre Bestände werden von regionalen Fischereiorganisationen, den Regional Fisheries Management Organisations (RFMO), verwaltet. Die RFMOs bestehen aus jeweils 21 bis 50 Mitgliedsländern. Um Entscheidungen zu treffen, ist ein Konsens aller Mitglieder erforderlich. Das hat sich in der Vergangenheit teils als problematisch erwiesen: Die RFMOs taten und tuen sich oft schwer, schnelle Entscheidungen zu treffen, um Herausforderungen wie dem Rückgang von Thunfischbeständen, zu begegnen.

Ein äußerst effektiver Ansatz für den Umgang mit rückläufigen Fischbeständen ist die Anwendung von Bewirtschaftungsregeln (Harvest Control Rules, kurz HCR). Diese legen fest, wie die Fangmengen reduziert werden müssen, wenn die Bestandsgröße abnimmt, damit ein Fischbestand sich erholen kann, und gelten als „Best Practice“ im Fischereimanagement.

Die Biomasse in Fischbeständen nimmt in der Regel ab, wenn es zu wenige Nachkommen gibt, d.h. die Anzahl der Jungfische zu gering ist oder aber zu viel gefangen wird. Wenn bekannt wird, dass ein Fischbestand abnimmt, müssen die RFMOs schnell reagieren.

Klar definierte und wissenschaftlich getestete Bewirtschaftungsregeln können schnell und effektiv angewendet werden, allerdings müssen sie vorab vereinbart worden sein. Wenn RFMOs sich erst Maßnahmen überlegen, wenn bereits ein akutes Problem besteht, helfen diese, angesichts der langen Entscheidungsfindung, meist zu spät.

Thunfisch und MSC

In Anbetracht des starken Anstiegs der globalen jährlichen Thunfischfangmenge, sehen wir es heute mehr denn je als wichtige Aufgabe, so viele Thunfisch-Fischereien wie möglich zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Thunfisch zu motivieren.

Es gibt derzeit weltweit 24 MSC-zertifizierte Thunfisch-Fischereien. Zusammen landen diese etwa 20% der weltweiten Thunfischfänge an. Alle MSC-zertifizierten Thunfisch-Fischereien fischen bestandsschonend und befischen keine überfischten Bestände.

Der MSC ermutigt Fischereien, Umweltorganisationen, andere NGOs und Einzelhändler dazu, zusammenzuarbeiten, um die RFMOs dazu zu bringen, Maßnahmen umzusetzen, die es den Fischereien ermöglichen, ihre Thunfischbestände zu schützen und langfristig nachhaltig zu bewirtschaften.

Ein Paradebeispiel für eine derartige Zusammenarbeit ist die MSC-zertifizierte Angelruten-Fischerei auf Echten Bonito (Skipjack) auf den Malediven. 2016 ist es der RFMO Indian Ocean Tuna Commission nach monatelangen Verhandlungen erstmals gelungen, länderübergreifende Bewirtschaftungsregeln für Thunfisch (Echter Bonito) im Indischen Ozean einzuführen – ein Erfolg, an dem der MSC und die örtlichen MSC-zertifizierte Thunfisch-Fischerei maßgeblich beteiligt waren. Das Besondere daran: Die Bestände des Echten Bonito waren und sind aktuell gesund. Es handelt sich daher nicht um eine akute Notwendigkeit zur Anpassung der Fangaktivitäten, sondern um eine reine Vorsichtsmaßnahme mit Blick auf die Zukunft.

Als Verbraucher/In können Sie solche zukunftsweisenden Bemühungen unterstützen – etwa über eine bewusste Kaufentscheidung für Thunfischprodukte mit MSC-Siegel. Denn so belohnen sie Fischer, die verantwortungsvoll und mit Respekt vor der Natur arbeiten.

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