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Bedeutender Moment für den Blauflossenthunfisch im Ostatlantik (Roter Thun)

Juli 30, 2020

Erste Fischerei bald mit MSC-Zertifikat

Die jüngsten Ergebnisse des zweijährigen Bewertungsprozesses ebnen den Weg für die MSC-Zertifizierung der japanischen Langleinenfischerei Usufuku Honten. Sie wird, nach ausstehenden geringfügigen Änderungen im Abschlussbericht des Zertifizierers, die erste Fischerei auf Blauflossenthunfisch sein, die nach dem MSC-Standard für nachhaltige Fischerei zertifiziert wird. Dies ist ein bedeutender Moment in der Geschichte des ostatlantischen Blauflossenthunfisches, der in den letzten 20 Jahren Gegenstand intensiver Schutzmaßnahmen war. 
Die MSC-Zertifizierung wird ausschließlich für das Familienunternehmen Usufuku Honten gelten, eine Fischerei mit einem einzigen Schiff, das im Jahr 2018 55 Tonnen Blauflossenthunfisch gefangen hat. Das entspricht 0,2 Prozent der Gesamtfangmenge für Blauflossenthunfisch im Ostatlantik (28.200 Tonnen), die von der Internationalen Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICAAT) für 2018 festgelegt wurde. Der MSC-zertifizierte Blauflossenthunfisch der Usufuku Honten-Fischerei ist ausschließlich für den Verkauf auf dem japanischen Markt bestimmt.

Der lange Weg zur Erholung des Bestandes

Der Blauflossenthunfisch im Ostatlantik hat wie alle Blauflossenthunfischbestände schwere Überfischung, illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischfang (IUU) und Missmanagement erlebt, wodurch die Bestände stark abgenommen haben. In den 1990er Jahren und Anfang der 2000er Jahre befanden sich die Bestände auf dem Höhepunkt der Überfischung. Viele Organisationen setzten sich in den darauffolgenden Jahren gemeinsam für die Rettung dieser Thunfischart ein. Im Ostatlantik ist es dank einer strengeren Bewirtschaftung auf Grundlage eines effektiven Bestandserholungsplans, strenger Kontrollen, niedrigerer Fangquoten und eines härteren Vorgehens gegen die IUU-Fischerei gelungen, den ehemals überfischten Bestand langsam wieder aufzubauen. Anders als die Blauflossenthunfisch-Bestände in anderen Meeren, hat sich der Bestand im Ostatlantik in den letzten zehn Jahren erfolgreich von der Überfischung erholt.

Alle verfügbaren, im MSC-Bewertungsprozess berücksichtigten Bestandsgrößenindizes- und -analysen, darunter sowohl Fangdaten, als auch fischereiunabhängige wissenschaftliche Erhebungen (Larvenerhebungen u.ä.) zeigen, dass die Bestandszahlen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Nach Jahrzehnten der Überfischung hat der ostatlantische Blauflossenthunfischbestand wieder ein Bestandsniveau erreicht, welches dem der 1970er Jahre – der Zeit vor dem großen Einbruch – nahe kommt. Eine nachhaltige Befischung ist erstmals wieder möglich. 

Heute an morgen denken: Wie die MSC-Zertifizierung von Usufuku Honten den Markt verändern kann 

Stefanie Kirse, Leiterin des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
„Blauflossenthunfisch ist vor allem in Japan ein bedeutender Speisefisch. Wir hoffen, dass die MSC-Zertifizierung von Usufuku Honten das Bewusstsein der japanischen Verbraucher für die Bedeutung von nachhaltig gefangenem Thunfisch stärken wird und die Zertifizierung dieser kleinen japanischen Fischerei anderen Blauflossenthunfischfischereien zeigt, dass Nachhaltigkeitsbemühungen sich auszahlen. In Anbetracht des starken Anstiegs der globalen jährlichen Thunfischfangmenge, sehen wir es heute mehr denn je als wichtige Aufgabe, so viele Fischereien wie möglich zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Thunfisch zu motivieren. Dies gilt auch und insbesondere für Fischereien auf Blauflossenthunfisch, dessen Bestände in der Vergangenheit stark überfischt wurden und teilweise immer noch werden“.   

Die japanische Fischerei ist zwar sehr klein, aber ihre Zertifizierung kann große Veränderungen bewirken. Usufuku Honten wurde in ihrem Bestreben, eine MSC-Zertifizierung zu erhalten, durch japanische Regierungsbehörden unterstützt, um insbesondere im japanischen Markt ein Signal für die dringend notwendigen Verbesserungen bei der Bewirtschaftung von Blauflossenthunfischbeständen zu setzen.

Eine kleine Fischerei geht mit gutem Beispiel voran

Zwischen 2012 und 2018 fing das Schiff von Usufuku Honten im Ostatlantik durchschnittlich 292 Blauflossenthunfische pro Jahr, mit einem Durchschnittsgewicht von 150 Kilogramm pro Exemplar. Der Thunfisch wird mit Langleinen gefangen und das nur in einigen Wochen im Jahr, zwischen Oktober und November. Die Fang- und Vertriebsaktivitäten der Fischerei werden kontinuierlich dokumentiert und von der japanischen Fischereibehörde und ICCAT überwacht. Jedes einzelne Exemplar wird elektronisch mit einer Seriennummer versehen, an Bord schnell eingefroren und dann nach Japan gebracht, wo der Fisch in erster Linie zu Sashimi verarbeitet wird.

Der Weg ist noch nicht zu Ende

Damit der erfolgreiche Weg der letzten Jahre beim Wiederaufbau des ostatlantischen Thunfischbestandes fortgeführt werden kann, ist eine nachhaltige und vorausschauende Bewirtschaftung des Bestandes unabdingbar. Da das  Bestandsmanagement des ostatlantischen Blauflossenthunfischs durch ICCAT nach wie vor noch Schwächen hat, wird die Usufuku Honten- Fischerei im Rahmen ihrer Zertifizierungsauflagen, eng mit ICCAT und anderen Fischereiorganisationen zusammenarbeiten, um weitere Verbesserungen bei der Bewirtschaftung des Blauflossenthunfischs im Ostatlantik zu erreichen. Dazu gehören unter anderem die Erarbeitung klar definierter Bewirtschaftungsregeln, sowie die wirksame Überwachung aller Fangaktivitäten auch in Bezug auf illegale, ungemeldete und unregulierte (IUU-) Fischerei. 

„Multinational besetzte Gremien, wie die ICCAT, die für die Bewirtschaftung von Thunfischbeständen verantwortlich sind, arbeiten unter hohem Interessensdruck ihrer Mitglieder. Je mehr Fischereien und Fangnationen eine nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände einfordern – wie jetzt im Fall von Usufuku Honten – umso nachhaltiger und schneller werden sich Verbesserungen im Bestandsmanagement umsetzen lassen. “, sagt Stefanie Kirse. 

Der MSC ermutigt Fischereien, Fischereiorganisationen, Umweltbehörden, NGOs und den Handel dazu, zusammenzuarbeiten, um wirkungsvolle Maßnahmen zur Erholung und zur nachhaltigen Bewirtschaftung aller Blauflossenthunfischbestände voranzutreiben. Denn die meisten dieser Bestände sind nach wie vor noch weit von der positiven Entwicklung des ostatlantischen Bestandes entfernt. 

Weitere Informationen und Hintergrund

Über den Bewertungsprozess

Die Bewertung der Langleinenfischerei Usufuku Honten nach dem MSC-Umweltstandard wurde vom unabhängigen Zertifizierungsunternehmen Control Union Pesca Ltd. durchgeführt. Der Bewertungsprozess nahm insgesamt zwei Jahre in Anspruch und war geprägt von einer intensiven Stakeholderbeteiligung. Dabei waren vor allem die Beiträge der Naturschutzorganisationen WWF und The Pew Charitable Trusts maßgeblich. Der Bewertungsprozess umfasste auch ein sechsmonatiges Einspruchsverfahren unter Leitung des unabhängigen Rechtsexperten und Schiedsrichters Eldon Greenberg, bei dem Einwände vom WWF und The Pew Charitable Trusts eingehend behandelt und diskutiert wurden. Den Ablauf des gesamten Bewertungsprozesses mit Zeitachse können Sie hier nachlesen.

Die Bewertungsunterlagen für die Usufuku Honten-Langleinenfischerei auf Blauflossenthunfisch im Ostatlantik  sind  hier einsehbar. Der aktualisierte öffentliche Zertifizierungsbericht wird ebenfalls hier veröffentlicht.
 

Über den Zustand und das Management des ostantlantischen Blauflossenthunfischbestandes

Auf dem Höhepunkt der Überfischung wurden aus dem ostatlantischen Blauflossenthunfischbestand schätzungsweise 50.000 bis 61.000 Tonnen Blauflossenthunfisch pro Jahr gefangen. Die Internationale Kommission für die Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas = ICCAT), eine regionale Fischereiorganisation mit 48 Mitgliedsstaaten, führte 2007 einen 15-jährigen Bestandserholungsplan für Blauflossenthunfisch im Ostatlantik und Mittelmeer ein. Das Ziel: Bis 2022 ein nachhaltiges Bestandsniveau zu erreichen. Dieser Plan beinhaltete umfangreiche Nachhaltigkeitsmaßnahmen, unter anderem in Bezug auf ein wissenschaftlich fundiertes Bestandsmanagement und die Eindämmung der illegalen Fischerei. Die zulässige Gesamtfangmenge wurde 2008 mit den diesbezüglichen wissenschaftlichen Empfehlungen in Einklang gebracht.. Die ersten sichtbaren Erfolge zeichneten sich in der Bestandsanalyse von 2014 ab, laut der die Bestandszahlen schneller gestiegen waren als erwartet. In der Folge wurde der Bestandserholungsplan 2019 in einen langfristigen Bestandsmanagementplan umgewandelt, in dem die zulässige Mindestgröße für gefangene Thunfische erhöht wurde. Für 2020 hat die ICCAT die zulässige Gesamtfangmenge für den Blauflossenthunfisch im Ostatlantik auf 36.000 Tonnen festgesetzt. Die Veröffentlichung der neuesten Bestandsanalyse ist für die zweite Jahreshälfte 2020 geplant.

 

Über die Blauflossenthunfischbestände

Generell werden drei Arten  von Blauflossenthunfisch unterschieden: der atlantische, pazifische und südliche Blauflossenthunfisch. Innerhalb der atlantischen Art (Thunnus thynnus) gibt es zwei verschiedene Bestände, den Bestand im Ostatlantik (dieser Blauflossenthunfisch laicht im Mittelmeer) und den Bestand im Westatlantik (Laichgebiet ist der Golf von Mexiko). Die Bestände vermischen sich im Atlantischen Ozean. In den letzten zehn Jahren hat sich der Bestand im Ostatlantik am stärksten erholt.

Über die Fischerei Usufuku Honten 

Usufuku Honten wurde 1882 als Fischgroßhandelsunternehmen gegründet. In den 1930er Jahren begann das Unternehmen mit der Fischerei in Japans ausschließlicher Wirtschaftszone und auf hoher See. Seit den 1980er Jahren konzentriert Usufuku Honten sich weltweit auf den Thunfischfang mit Langleinen. Das Unternehmen befindet sich in Familienbesitz und war stark am Wiederaufbau der Fischereiindustrie in Kesen-numa und Tohoku nach dem Tsunami 2011 beteiligt. Nähere Informationen unter http://www.usufuku.jp/ 

Über den Zertifizierer

Control Union Pesca Ltd bietet Prüfungsdienstleistungen für die Lebensmittelindustrie in der ganzen Welt an. Seit 2007 gehören Bewertungen nach dem MSC-Umweltstandard sowie dem Rückverfolgbarkeits-Standard zum Portfolio des Unternehmens. Nähere Informationen:  https://uk.controlunion.com/
 
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