Am 23. April 2018 wurde im deutschen Fernsehen (ARD) eine Reportage ausgestrahlt, die eine Reihe irreführender und falscher Aussagen zum MSC enthält. Während wir konstruktive Diskussionen über unser Zertifizierungsprogramm begrüßen und Verständnis für das Bedürfnis haben, bestehende Modelle nachhaltiger Fischerei näher zu untersuchen, sind wir enttäuscht darüber, dass Rolle, Aufgabe und Programm des MSC in weiten Teilen falsch dargestellt wurden.

Seit 1997 haben MSC-zertifizierte Fischereien mehr als 1.200 Verbesserungen bewirkt: den Schutz von Seevögeln und empfindlichen Ökosystemen, die Reduzierung von Beifang, Bestände, die sich erholen konnten, neue Forschung, mehr Kontrollen und besseres Management. 90% davon wurden innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Zertifizierung erreicht.

Die Reportage stellt die Frage, ob das MSC-Siegel ein Marketinginstrument ist, das eingesetzt wird, um Profit und Akzeptanz für die Fischereiindustrie zu generieren. Spezifische Aspekte, die angesprochen werden, sind u.a.: Shark Finning, Delphinbeifang, das Senken des MSC Zertifizierungsstandards zugunsten von Profitinteressen, Bestechung und Einschüchterung von Fischereibeobachtern sowie die bevorzugte Behandlung von großen, industriellen Fischereien gegenüber kleinen. Grundlegend ist festzustellen, dass sich zentrale Anschuldigungen des Films auf Fischereien beziehen, die nicht MSC-zertifiziert sind oder waren. Mit der Unterstützung von Handel, NGOs, Wissenschaft und Fischereien leistet das MSC Programm einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Weltmeere und zur nachhaltigeren Gestaltung der globalen Fischerei.  

Stellungnahme in Stichpunkten

  • Alle Haifischaufnahmen im Film wurden bei nicht MSC-zertifizierten Fischereien gedreht. Die Fischerei, der im Film ‘Shark Finning’ vorgeworfen wird, war nie MSC-zertifiziert. Sie hat das MSC Bewertungsverfahren nicht abgeschlossen.

  • Die Filmaufnahmen der mexikanischen Thunfisch-Fischerei, die aus den 80er Jahren stammen, sind nicht mehr repräsentativ für diese Fischerei. Sie hat ihre Delfinsterblichkeit auf dem langen Weg zur MSC- Zertifizierung um mehr als 99% gesenkt. 

  • Weder dem MSC noch den unabhängigen Gutachtern liegen Nachweise vor, dass Fischereibeobachter Bestechungsgelder angenommen haben oder in ihren Entscheidungen von Drohungen beeinflusst worden sind. Tatsächlich zählen die beiden Beobachterprogramme, denen die Fischerei angeschlossen ist, zu den besten weltweit. 

  • Der MSC arbeitet mit Industrie, Einzelhandel, Wissenschaft, Politik und Umweltorganisationen gleichermaßen zusammen. Keine Seite hat den MSC „gekapert“. 

  • Der MSC entwickelt seine Zertifizierungskriterien regelmäßig weiter. Dabei wird die Messlatte immer höher – sie wurde noch nie gesenkt, um Fischereien „anzulocken“.

  • Der MSC ist eine Non-Profit Organisation. Er erzielt keine Einnahmen aus der Bewertung oder Zertifizierung einer Fischerei. 

  • Das MSC Programm schließt sowohl kleine als auch große Fischereien ein. Nachhaltigkeit ist nicht abhängig von Größe. 

Hier finden Sie die offizielle Pressemitteilung des MSC >


Delfinsterben und Bestechung in der mexikanischen Thunfischfischerei

Wie viele Delfine sterben in in der mexikanischen Thunfischfischerei?

Alle im Film verwendeten Aufnahmen von im Netz verfangene Delfinen stammen aus den 1980er Jahren. Seitdem hat die Fischerei die fischereibedingte Delfinsterblichkeit um 99% gesenkt. 

Die mexikanische Thunfischfischerei hat ihre Fangtechniken und ihr Fanggerät massiv verändert, um die fischereibedingte Delfinsterblichkeit von 132.000 Tieren im Jahr 1986 auf 702 Tiere im Jahr 2016 zu senken. Sie setzt heute unter anderem bei jeder einzelnen Fangfahrt Taucher ein, um sämtliche Netze unter Wasser zu begleiten und Delfine, die möglicherweise darin gefangen sind, zu befreien. 2016 kam nur bei 4% aller Fangfahrten ein Delfin zu Tode oder wurde schwer verletzt.

Nichtsdestotrotz ist jeder einzelne getötete Delfin bedauerlich. Daher musste sich die Fischerei verpflichten, ihren Delfinbeifang weiter gegen Null zu senken. Im Rahmen ihrer MSC-Zertifizierung wird dies jährlich überprüft. Erfüllt die Fischerei ihren Plan nicht, verliert sie das MSC-Siegel.

Darüber hinaus prüfen und beraten wir derzeit, die gezielte Bedrängung und Tötung von Meeressäugern durch fischereiliche Aktivitäten in die kommende Überarbeitung unseres Umweltstandards mit aufzunehmen.

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Faktenblatt zu mexikanischem Thunfisch >


Sind die von den Gutachtern im MSC-Zertifizierungsprozess ermittelten Zahlen zur Delfinsterblichkeit zuverlässig?

Jede MSC-Bewertung wird von unabhängigen, externen Gutachtern durchgeführt. Diese sind verpflichtet, eine transparente, objektive und wissenschaftlich überprüfbare Bewertung der Fischerei vorzunehmen. Ihre Arbeit umfasst An-Bord-Besuche und Interviews mit Fischereivertretern, örtlichen Behörden und Interessengruppen, ebenso wie die Analyse aller vorhandenen Informationen und wissenschaftlichen Daten über die Fischerei.

Um die Ergebnisse der Gutachter zu verifizieren, sind in den MSC-Zertifizierungsprozess verschiedene Kontrollmechanismen integriert: Die Gutachterergebnisse werden durch unabhängige Zweit- und Drittgutachter überprüft, NGOs können Einspruch erheben und bei Meinungsdifferenz wird ein weiterer externer Schiedsrichter hinzugerufen.

Im Bewertungsprozess der mexikanischen Thunfisch-Fischerei mussten die Gutachter auch Meldungen von Bestechungsversuchen der zuständigen Fischereibeobachter untersuchen. Sie fanden dabei jedoch keine Beweise dafür, dass Bestechungsgelder akzeptiert oder Fangdaten manipuliert wurden. 


Werden Beobachter bestochen oder bedroht, um Todeszahlen schönzurechnen?

Das Beobachterprogramm der mexikanischen Thunfisch-Fischerei gilt als eines der strengsten weltweit. Es gibt einen Beobachter auf jedem einzelnen Schiff. Die Beobachter werden nach jeder Fangfahrt auf ein neues Schiff versetzt, um das Risiko von Bedrohung, Bestechung und Korruption zu minimieren. Die Beobachter berichten direkt an das „Internationale Abkommen zum Schutz der Delfine“ (AIDC), welches von den Vereinten Nationen für seine Verdienste ausgezeichnet wurde. Versuche, die von den Beobachtern erhobenen Daten zu fälschen, würden schnell aufgedeckt.

Es gab Einzelfälle, in denen Beobachter einen Bestechungsversuch gemeldet haben. Diese Fälle wurden jedoch eingehend untersucht, Beweise dafür, dass Bestechungsgelder akzeptiert oder Fangdaten manipuliert wurden nicht gefunden.


Bedeutung großer/industrieller Fischereien im MSC

Ist der MSC ein Siegel für große Fischereien?

In der Dokumentation kommt ein spanischer Fischer aus einer kleinen Oktopus-Fischerei zu Wort, der behauptet, der MSC arbeite hauptsächlich mit großen Fischereien. Dem ist nicht so: Das MSC-Programm umfasst sowohl große nachhaltige Fischereien als auch kleine nachhaltige Fischereien. Auch die derzeit einzige MSC-zertifizierte Oktopus-Fischerei ist eine kleine asturianische Fischerei, deren kleine Boote morgens den Hafen verlassen und nachmittags wieder zurückkehren und die nur 50 Tonnen Oktopus im Jahr fischt. Sie bestätigt, dass die Vorteile einer MSC-Zertifizierung auch kleinen Fischereien offen stehen: „Die MSC-Zertifizierung hat uns dabei geholfen, die Fischereigemeinden zu stärken, die Fischer zu vereinen und einen Fischereiverband (ARPESOS) zu gründen, der unsere Stimme stärkt, den Bottom-Up-Dialog mit den Verwaltungen erleichtert und auch wissenschaftliche Forschung rund um unsere Fischerei anregt. Darüber hinaus hat uns die MSC-Zertifizierung neue Märkte erschlossen, in denen die Nachhaltigkeit des Produktes einen Mehrwert darstellt, der die Fischerei für uns und unsere Familien profitabler macht, “ sagt Julio Blanco, Präsident des Fischereiverbandes ARPESOS.

Die MSC-Zertifizierung hat uns neue Märkte erschlossen, in denen die Nachhaltigkeit des Produktes einen Mehrwert darstellt, der die Fischerei für uns und unsere Familien profitabler macht.

Julio Blanco, Präsident Fischereiverband ARPESOS

Derzeit sind knapp ein Drittel der MSC-zertifizierten Fischereien kleine Fischereien. Die Größe eines Fangschiffs oder einer Fischerei entscheidet jedoch nicht darüber, ob sie nachhaltig fischt oder nicht. Wichtiger ist, dass die Fischerei ein effektives Management hat, welches nachhaltige Fischereiaktivität implementiert und überwacht und sich an die relevanten nationalen und internationalen Gesetze hält. Auch das Vorhandensein von Bestandsdaten und kontinuierliche Kontrollen spielen eine Rolle – beides ist bei großen Fischereien z.B. oft besser als bei kleinen. Doch im Endeffekt gilt: Ob groß oder klein, entscheidend für die Nachhaltigkeit einer Fischerei ist, dass Bestände und Ökosystem durch die Fischereitätigkeit nicht gefährdet werden.

Die Vorstellung einer Welt mit ausschließlich kleinen, handwerklichen Fischereien geht an der Realität vorbei. Denken wir nur an den Nahrungs- und Proteinbedarf der Weltbevölkerung. Oder an die Fischerei auf hoher See. Wir brauchen große Fischereien ebenso wie kleine – und wir müssen die großen ebenso wie die kleinen davon überzeugen, nachhaltig zu fischen. 

Der MSC unternimmt viel, um den Standard auch für datenarme Kleinfischereien zugänglich zu machen und es gibt für die kleinen Fischereien erhebliche Beihilfen für eine MSC-Zertifizierung.

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Wird der MSC von der Industrie dominiert?

Um das Ziel einer nachhaltigen Nutzung unserer Meere bestmöglich zu erreichen, bindet der MSC seit jeher alle relevante Interessensgruppen in sein Programm ein.

Repräsentanten aus Fischerei und Handel sind in unseren Leitungsgremien ebenso vertreten wie Wissenschaftler und Umweltorganisationen. Sie alle sind an der Weiterentwicklung unserer Standard- und Zertifizierungsanforderungen beteiligt, keine Einzelmeinung dominiert. Auch bei jeder einzelnen Fischereibewertung ist die Beteiligung von Umweltorganisationen auch ein wichtiger Bestandteil.

Im Jahr 2017 rief der MSC den reformierten Interessengruppen-Beirat (Stakeholder Advisory Council) ins Leben, um die Zusammenarbeit zwischen Stakeholdern und MSC weiter zu vertiefen. Der Beirat besteht aus bis zu 17 ehrenamtlichen Mitgliedern, von denen 6 aus der Fischerei kommen (Verarbeitung oder Fang), 6 aus dem Umweltschutz und 2 aus dem Handel. Gegenwärtig befinden sich folgende Umweltorganisationen im Beirat: WWF, The Nature Conservancy, Conservation International, Birdlife International, Pew Charitable Trusts and Masyarakat Dan Perikanan Indonesia Foundation.

Wir sind überzeugt, dass wir unsere Meere und ihre Fischbestände nur dann langfristig bewahren können, wenn alle Seiten – vom Verbraucher über Politik und Handel bis zu Umweltorganisationen und Fischereien – an einem Strang ziehen.

Multistakeholderansatz


Ist der MSC ein Marketing-Tool um nicht-nachhaltige Fischereien salonfähig zu machen?

Jede Fischerei, die MSC-zertifiziert werden möchte, muss unseren Umweltstandard und die dort festgelegten Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen. Nur Fischereien die nachhaltig sind, können MSC-zertifiziert werden. 

Der MSC ist das strengste und weltweit anerkannteste Zertifizierungsprogramm für nachhaltige Fischerei. Die einer MSC-Zertifizierung zugrundeliegende Fischereibewertung wird immer durch unabhängige Gutachter vorgenommen. Jede Entscheidung wird ausführlich belegt und begründet und auf unserer Website öffentlich zugänglich gemacht. Selbst wenn Entscheidungen kritisiert werden, bedeutet dies nicht, dass sie deswegen automatisch falsch sind.
Nur Fischereien, die unsere Zertifizierungskriterien erfüllen und dies im unabhängigen Bewertungsprozess beweisen, dürfen das MSC-Siegel tragen.

Anspruch und Wirksamkeit des MSC-Umweltstandards

Sind die Nachhaltigkeitskriterien des MSC streng genug?

Bisher kommen 12% der weltweiten Fangmenge aus MSC-zertifizierten Fischereien. Wenn der MSC-Standard einfach zu erreichen wäre, gäbe es viel mehr Fischereien, die versuchen würden, sich zertifizieren zu lassen. 

Der MSC ist das weltweit anerkannteste und strengste Zertifizierungsprogramm für nachhaltige Fischerei. 2016 wurde das MSC-Programm durch die Global Sustainable Seafood Initiative (GSSI) geprüft. GSSI ist aus einer strategischen Allianz zwischen NGOs, Privatwirtschaft und der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entstanden. Der MSC hat in der GSSI Prüfung die bei weitem höchste Punktzahl aller Zertifizierungsprogramme weltweit erzielt. Der MSC Umweltstandard ist streng – doch er darf nie so streng sein, dass er unerreichbar wird. Denn sonst macht keiner mehr mit.

Warum zertifiziert der MSC auch Grundschleppnetz-Fischereien?

Der MSC schließt keine legale Fangmethode pauschal vom Bewertungsprozess aus. Vielmehr gilt es immer den Einzelfall zu prüfen. Grundschleppnetze sind Schleppnetze, die für den Einsatz am Boden oder in Bodennähe konzipiert sind. Die Netze unterscheiden sich je nach Einsatzgebiet und Zielart erheblich. Das sogenannte Grundgeschirr kann aus verschiedenen Materialien (Holz, Metall, Gummi) bestehen, die leichter oder schwerer sind und dementsprechend unterschiedliche Auswirkungen auf den Meeresboden haben. Die zertifizierte Schollenfischerei in der Nordsee fischt zum Beispiel mit einem Grundschleppnetz namens „Twin Rig“, welches im Vergleich zu herkömmlichen Grundschleppnetzen weniger Bodenkontakt hat. Der Einfluss eines Schleppnetzes kann auch je nach Bodenbeschaffenheit unterschiedlich sein. In Gebieten, die generell stark von Strömungen und/oder Gezeiten beeinflusst sind, so dass Bodenumwälzungen stattfinden, sind die Auswirkungen eines Grundschleppnetzes in der Regel überschaubarer, als z.B. auf sensibleren Böden, die im MSC-Programm besonderen Schutz genießen. 

Es gilt also, immer den Einzelfall zu betrachten, um Aussagen über die Nachhaltigkeit eines Fanggerätes zu treffen und genau das tut der MSC.

Eine ganze Fangmethode pauschal auszuschließen würde bedeuten, vielen Fischereien den Weg und den Anreiz für eine nachhaltigeren Arbeitsweise zu verbauen. 

Zerstören MSC-zertifizierte Fischereien den Meeresboden (z.B. in der Nordsee)?

Eine Fischerei, die den Meeresboden nachhaltig schädigt, kann das MSC-Siegel nicht erhalten. Dies schreibt der MSC-Umweltstandard vor.

Der Film suggeriert ein Vorher-Nachher Scenario: unberührter Meeresboden und dann zerstörter Meeresboden durch Trawling. Tatsächlich handelt es sich aber um zwei völlig verschiedenen Gebiete des Meeres. Das eine: Ein Steinriff in relativ flachem Gewässer. Das andere: Ein Sandboden in großer Tiefe. Auf Steinriffen wachsen andere, langlebigere Arten als auf Sandböden, wo wir eher wiederstandsfähige und sich schnell regenerierende Arten finden. Im Öresund gibt es einige geschlossene Schutzgebiete rund um Steinriffe. Diese dürfen MSC-zertifizierte Fischereien nicht befischen. Davon abgesehen werden Steinböden von Grundfischern auch gemieden, da kein Fischer diese Brocken im Netz haben will.


Erlaubt der MSC Shark Finning?

Nein. Seit März 2013 schließt der MSC Fischereien von der Zertifizierung aus, die Shark Finning betreiben.

Unter Shark Finning versteht man das Entfernen der Flossen eines Hais und das anschließende Zurückwerfen seines Körpers ins Meer. Die aktuelle Version des MSC-Umweltstandards verlangt von Fischereien, dass sie beigefangene und einbehaltene Haifische ausschließlich mit Flossen am Körper anlanden dürfen.

Nur bei lückenloser Dokumentation, etwa durch Kameras oder Beobachter an Bord, dürfen Haie an Bord verarbeiten werden. In diesen Fällen können Flossen und Körper getrennt, aber im nachweislich richtigen Mengenverhältnis angelandet werden. Eine zertifizierte Fischerei darf niemals nur Flossen anlanden.


Befischen MSC-zertifizierte Fischereien überfischte Bestände?

Nein, der MSC zertifiziert keine Fischereien, die auf überfischte Bestände zielen. Sinkt die Größe eines Bestands, muss die Fischerei ihre Fangmenge reduzieren. Jüngste Untersuchungen der europäischen Fischbestände haben gezeigt, dass MSC-zertifizierte Fischereien zur Verbesserung der Bestandsgrößen beitragen.

Die Aussage von Herrn Dr. Froese, der MSC zertifiziere überfischte Bestände, ist falsch. Dr. Christopher Zimmermann, deutscher Vertreter im Advisory Committee des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) zur Studie von Froese: „Die Autoren geben an, sie hätten als Referenzwerte ausschließlich die international anerkannten ICES Daten verwendet, aber das haben sie nicht. Stattdessen haben sie eigene Referenzpunkte verwendet, um zu der Aussage zu kommen, dass der MSC die Ausbeutung von überfischten Beständen zulässt. Die Analyse von Froese, Opitz et al. beruht auf einer unzutreffenden Interpretation der offiziellen ICES-Daten.“


Wachstum und wirtschaftliche Interessen des MSC

Hat der MSC ein wirtschaftliches Interesse an der Zertifizierung von Fischereien?

Die Dokumentation suggeriert, dass der MSC die Zertifizierung von immer mehr Fischereien unterstützt, um seine Einnahmen zu steigern. Diese Aussage ist falsch. Der MSC erzielt durch die Zertifizierung von Fischereien keine Gewinne.

Der MSC ist eine gemeinnützige Organisation. Sämtliche Einnahmen, die wir erhalten, werden in unser Programm reinvestiert, z.B. in Forschung und Entwicklung, in Bildung, in die Unterstützung von Fischereien in Entwicklungsländern oder in die Aufklärung von Verbrauchern. Unsere Einnahmen betrugen im Finanzjahr 2016/17 22 Millionen Euro und setzen sich zusammen aus Spenden (rund 6 Millionen Euro) und den Lizenzgebühren, die Hersteller und Einzelhändler zahlen, wenn sie das blaue MSC-Siegel auf ihren Produkten führen wollen (rund 16 Millionen Euro). Aus der Zertifizierung von Fischereien erzielt der MSC keine Einnahmen.

Finanzen


Zertifiziert der MSC "Masse statt Klasse"?

Wir verzeichnen weltweit eine steigende Nachfrage der Verbraucher und des Handels nach nachhaltigeren, zertifizierten Fischprodukten, was positiv zu bewerten ist. Aber nicht der MSC entscheidet, ob mehr zertifizierter Thunfisch auf den Markt kommt oder nicht: Fischereien entscheiden freiwillig, ob sie sich in einen Zertifizierungsprozess begeben oder nicht. Und wenn sie dies tun, so entscheiden unabhängige Gutachter und Zertifizierer, unter Berücksichtigung von Informationen und Einwänden von NGOs und anderen Stakeholdern, ob eine Fischerei zertifiziert wird oder nicht.

Selbst mit dem Erfolg, den wir bislang hatten, ist MSC immer noch weit davon entfernt, auf globaler Ebene einen deutlichen Fußabdruck zu hinterlassen. Mit nur 12% des weltweiten Fangs, der MSC-zertifiziert ist, bewegen wir uns in einer kleinen Nische. Das Bewusstsein und die Notwendigkeit für einen nachhaltigen Fischereisektor sind global betrachtet immer noch gering und es bleibt immens viel zu tun. Um auf globalem Level etwas zu verändern, müssen sich mehr Fischereien dazu verpflichten, nachhaltig zu arbeiten. Die Herausforderung liegt darin, die Anforderungen an diese Fischereien gleichzeitig effektiv und erreichbar zu machen. Unsere Fortschrittsberichte belegen, dass wir hier auf gutem Wege sind. Wir können unsere Erfahrung aus 20 Jahren nutzen, um Veränderungen auf den Weg zu bringen, bei großen industriellen Fischereien und auch bei kleinen Fischereien. Unsere Standards werden dabei auf keinen Fall geschwächt werden. Tatsächlich darf und wird die Messlatte bei der Nachhaltigkeit nur in eine Richtung gehen: nach oben.


Will der MSC immer mehr Fischereien zertifizieren (z.B. Thunfisch)?

In Anbetracht des dramatischen Anstiegs der globalen Thunfischfangmenge von 0,6 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf mittlerweile mehr als 6 Millionen Tonnen jährlich, sehen wir es heute mehr denn je als wichtige Aufgabe, so viele Thunfisch-Fischereien wie möglich zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Thunfisch zu motivieren. Außerdem muss Thunfisch in Zukunft nicht nur deutlich nachhaltiger, sondern auch in enger internationaler Zusammenarbeit gemanagt werden: Da Thunfisch sich über große räumliche Distanzen hinweg bewegt und die Fanggebiete vieler Länder durchschwimmt, ist er besonders anfällig für Überfischung.

Es gibt derzeit weltweit 24 MSC-zertifizierte Thunfisch-Fischereien. Zusammen landen diese etwa 20% der weltweiten Thunfischfänge an. Alle MSC-zertifizierten Thunfisch-Fischereien fischen bestandsschonend und befischen keine überfischten Bestände. 2016 ist es der Indian Ocean Tuna Commission  nach monatelangen Verhandlungen erstmals gelungen, länderübergreifende Bewirtschaftungsregeln für Thunfisch (Echter Bonito) im Indischen Ozean einzuführen – ein Erfolg, an dem der MSC und die örtlichen MSC-zertifizierte Thunfisch-Fischerei maßgeblich beteiligt waren.

Weitere Informationen zu Thunfisch >

Qualität des Prüfverfahrens zur Bewertung einer Fischerei

Wie unabhängig sind die Gutachter/Prüfbüros vom MSC?

Der MSC bewertet und prüft Fischereien nicht selbst. Die Überprüfung und Bewertung erfolgt vielmehr durch unabhängige, externe Gutachter/Prüfbüros. Diese Gutachter müssen bei der von den Vereinten Nationen empfohlenen Zertifizierungsstelle ASI akkreditiert sein, um einen hohen Qualtiätsstandard sicherzustellen. Anders als die Reportage behauptet, empfiehlt der MSC keine Gutachter und führt auch keine Liste von Gutachtern/Prüfbüros, auf die Fischereien zurückgreifen können.


Wie unabhängig sind die Gutachter/Prüfbüros von der Fischerei?

Die Gutachter berichten direkt an die von der FAO anerkannte Zertifizierungsstelle ASI. Sie sind verpflichtet, eine transparente, objektive und wissenschaftlich überprüfbare Bewertung der Fischerei vorzunehmen. Ihre Arbeit umfasst An-Bord-Besuche und Interviews mit Fischereivertretern, örtlichen Behörden und Interessengruppen ebenso wie die Analyse aller vorhandenen Informationen und Daten über die Fischerei.

Um die Ergebnisse der Gutachter zu verifizieren, wurden in den MSC-Zertifizierungsprozess verschiedene Kontrollmechanismen integriert: Die Gutachterergebnisse werden durch unabhängige Zweit- und Drittgutachter überprüft, NGOs können Einspruch erheben und bei Meinungsdifferenz wird ein weiterer externer Schiedsrichter hinzugerufen.

Gutachter werden bezahlt, unabhängig davon, ob eine Fischerei die Zertifizierung erhält oder nicht. Den Vorwurf, die Gutachter würden einen positiven Prüfungsausgang bevorzugen, um Folgeaufträge zu bekommen, kann man auch umdrehen: Wenn eine Fischerei den Bewertungsprozess nicht auf Anhieb besteht, hat der Gutachter die Chance auf einen Folgeauftrag. Insofern bestünde kein Anreiz für eine positive Prüfung.

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