Gemeine Miesmuschel

Miesmuscheln sind nicht nur eine beliebte Speise, sondern auch ein äußerst effizienter natürlicher Wasserfilter. Wie sie das anstellen und warum der Name rein gar nichts mit der Qualität dieser Delikatesse zu tun hat, verraten wir hier.

 

Chilean mussel


Lat.: Mytilus edulis

Größe: Ø 7 cm

Gewicht: Ø 30 g (mit Schale)  


Allgemeine Informationen zur Miesmuschel

Die Gemeine Miesmuschel (Mytilus edulis), die meistens auf unseren Tellern landet, ist eine der Arten aus der großen Familie der Miesmuscheln (Mytilidae). Sie ist eng mit der Mittelmeer-Miesmuschel (Mytilus galloprovincialis) und der Pazifischen Miesmuschel (Mytilus trossulus) verwandt, von denen sie kaum zu unterscheiden ist. Das Gehäuse ist nahezu identisch, nur durch chemische oder molekularbiologische Untersuchungen lässt sich die Art exakt feststellen.

Aussehen

Die Gemeine Miesmuschel ist eine mittelgroße Muschelart von durchschnittlich 7 cm Länge. Einzelne Exemplare können aber bis zu 15 cm lang werden. Beide Klappen sind gleich geformt und haben einen keilförmigen Umriss. Die Schale ist dunkel bis schwarz, fast völlig glatt und mit Wachstumsstreifen gezeichnet.

Auffällig an der Miesmuschel sind die kräftigen Byssusfäden (das ist ihr „Fuß“), mit denen sie sich am Untergrund festheftet und sogar langsam und kontrolliert fortbewegen kann. Ermöglicht wird das durch eine klebrige Masse, die von der Byssusdrüse am Ende der Fäden produziert wird. Die Antwort auf die oft gestellte Frage „Warum heißen Miesmuscheln so?“ hängt damit zusammen. An den Byssusfäden setzen sich nämlich Algen ab, sodass sie bemoost aussehen. Aus diesem Grund wurde die Muschelart früher Moosmuschel genannt, woraus sich im Laufe der Zeit der Name Miesmuschel entwickelte. Der Namensbestandteil „mies“ hat also rein gar nichts mit der Qualität dieser Muscheln zu tun.

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Warum heißen Miesmuscheln Miesmuscheln? | Frag den MSC

Lebensweise

Die Gemeine Miesmuschel kommt vorwiegend im östlichen und nördlichen Nordatlantik und im Weißen Meer vor. Ihre engen Verwandten sind hingegen im Nordpazifik und im Mittelmeer anzutreffen, was sich leicht von ihren Namen ableiten lässt. Allerdings hat die Verbreitung von Aquakulturen dazu geführt, dass sich die Lebensräume teilweise überschneiden. So ist die Gemeine Miesmuschel inzwischen auch im Nordpazifik zu finden.

Miesmuscheln leben in seichten Wassertiefen bis etwa 50 Meter oder in Gezeitengebieten. Sie können bis zu 5 Stunden ohne Wasser auskommen, indem sie ihre Schale fest schließen und so vor dem Austrocknen geschützt sind.

Mit ihren Byssusfäden sind die Miesmuscheln an den jeweiligen Untergrund oder ihre Artgenossen geheftet und bilden große Muschelbänke. Dabei hängt es von der jeweiligen Art ab, ob sie algenbewachsene Untergründe bevorzugen oder sich direkt auf dem Substrat anheften.

Wie alle Muschelarten, so zum Beispiel auch die Tiefseescallops, ernähren sich Miesmuscheln von Plankton. Sie nehmen es über das Atemwasser auf, aus dem sie auch den nötigen Sauerstoff zum Atmen filtern. Stoffe, die nicht verdaut werden können, werden wieder ausgeschieden.

Miesmuscheln sind getrenntgeschlechtliche Lebewesen. Bis zu drei Mal im Jahr geben die Weibchen die riesige Menge von etwa 5 bis 12 Millionen Eiern ins Wasser ab, wo sie extern von den männlichen Samenzellen befruchtet werden. Allerdings wird der größte Teil der Larven gefressen, bevor sie groß genug sind, um sich an den Miesmuschelbänken festzuheften. Das Geschlecht einer Miesmuschel erkennt man übrigens an der Farbe vom Fleisch. Weibliche Miesmuscheln sind orange gefärbt, männliche sind blass.

 

Fanggebiete

Miesmuscheln FAO Fanggebiete

Fischerei & Nachhaltigkeit

Die Gemeine Miesmuschel wird sowohl als Wildmuschel gefangen als auch in Aquakulturen herangezogen. Da die wilden Muscheln am Meeresboden festgeheftet sind, werden sie mit einer Dredge gefangen. Dieses speziell für den Miesmuschelfang entwickelte Fanggerät besteht aus beschwerten Netzen, die über den Meeresboden gezogen werden und die Muscheln ablösen. Ein Schiff zieht mehrere Dredgen, um den Fang möglichst effizient zu gestalten. Die kultivierte Anzucht erfolgt teilweise in Hänge-, vorwiegend aber in Pfahlkulturen, woher die Bezeichnung Pfahlmuschel kommt, unter der die Miesmuschel ebenfalls bekannt ist.

Miesmuscheln spielen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem des Meeres. Für ihre Atmung und Ernährung filtert eine Muschel allein bis zu 15 Liter Meerwasser pro Tag. So haben große Muschelbänke die Wirkung eines riesigen Filtersystems und eine wichtige ökologische Wirkung. Außerdem sind Muschelbänke ein wichtiger Lebensraum für andere Meerestiere und stellen eine lebensnotwendige Nahrungsquelle dar.

Der Fang mit Muscheldredgen wird wegen der Auswirkungen auf den Meeresboden von Naturschützern kritisch gesehen. Modifikationen am Netz, wie zum Beispiel die Schlickrolle, sollen dafür sorgen, dass der Meeresboden nicht mehr als unbedingt nötig in Mitleidenschaft gezogen wird.

Das MSC-Siegel ist beim Miesmuschelkauf ein zuverlässiges Indiz dafür, dass die Muscheln aus nachhaltiger Fischerei stammen. Die MSC-zertifizierten Miesmuschelfischereien werden regelmäßig von unabhängigen Experten und Wissenschaftlern kontrolliert und müssen ihre Fangdaten sowie Zahlen der Bestände zur wissenschaftlichen Auswertung zur Verfügung stellen.

Miesmuscheln auf dem Teller

Das weiche Fleisch der Miesmuscheln mit seinem salzigen, mineralischen Geschmack gilt als äußerst gesunde Delikatesse. Es ist sehr eiweißreich und enthält die gesunden mehrfach gesättigten Omega-3-Fettsäuren. Auch Vitamin B12, Eisen, Zink, Selen und Jod sind reichlich vorhanden – allesamt Nährstoffe, die der Körper im Rahmen einer gesunden und ausgewogenen Ernährung braucht.

Ein weiterer Vorteil der Miesmuscheln ist die einfache Zubereitung. Sie müssen lediglich für etwa 5 Minuten gekocht werden und anschließend weitere 5 Minuten im heißen Wasser ziehen. Dann können sie weiterverarbeitet oder direkt genossen werden. Besonders beliebt sind die Miesmuscheln mit Pasta, in einer Muschelsuppe mit mediterranen Kräutern und Gemüsesorten, Weißwein und Knoblauch oder in einer leichten Sauce aus Fenchel und Weißwein gedünstet. Doch auch hier sind der Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt, der Geschmack kommt in einer asiatischen Kokossuppe genauso gut zur Geltung wie in der Kombination mit mexikanischer Salsa.

Bevor es allerdings an die Zubereitung geht, sollten die Miesmuscheln sorgfältig unter die Lupe genommen werden. Geöffnete Muscheln müssen aussortiert werden, weil sie nicht mehr frisch sind (einzige Ausnahme: wenn sich die Muscheln nach dem Klopfen auf die Schale schließen). Da die Miesmuscheln ihre Nahrung aus dem Wasser filtern, nehmen sie unter Umständen auch Verunreinigungen des Meereswassers mit auf, die sich dann in ihrem Fleisch anreichen. Deshalb müssen sie vor der Weiterverarbeitung gründlich unter fließendem Wasser gespült werden und immer kühl zwischen 2 und 7°C gelagert werden, da sich Giftstoffe und Bakterien rasend schnell vermehren, sobald die Kühlkette unterbrochen wird.

Rezepte

Miesmuscheln in Weißweinsud auf eienm teller mit einem Glas Weißwein

Moules à la Marinière (Miesmuscheln in Weißweinsud)

Vorbereitung 10 mins
Garzeit 20 mins
Portionen 4
Ansehen
Person's hands stirring a pot of ready-to-serve mussels with a spoon

Miesmuscheln in Weißweinsud

Vorbereitung 5 mins
Garzeit 5 mins
Portionen 2
Video
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