MSC-Antwort auf Nabu-Gastbeitrag im Weser-Kurier vom 14.08.2018

Der MSC ist mit dem Ziel angetreten, weltweit notwendige Änderungen in der Fischerei und in ihrem Management voranzubringen und so zu einem global nachhaltigeren Fischereisektor beizutragen. Diese Änderungen haben bereits zu beachtlichen Verbesserungen in und auf unseren Meeren geführt –  weniger Überfischung, weniger Beifang, mehr Schutzgebiete, stärkere Kontrollen und detailliertere Forschung – mehr als 1.200 messbare Verbesserungen benennt der aktuelle MSC-Fortschrittsbericht, eine echte Erfolgsgeschichte. Diese vielen positiven Entwicklungen – angestoßen durch das MSC-Siegel – hat Kim Detloff in seinem Gastbeitrag leider völlig außer Acht gelassen. “Es gibt keine andere Initiative, die globale Anforderungen an ein effektives Fischereimanagement besser entwickeln kann,“ bestätigt Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen Instituts für Ostseefischerei. „Nachhaltigkeit braucht die richtigen Anreize, und genau diese Anreize schafft der MSC.“

Wirtschaftlicher Anreiz als wirkungsvoller Hebel für mehr Nachhaltigkeit in der Fischerei

„Wir können nachvollziehen, dass der NABU seine Standpunkte in den MSC-Kriterien für nachhaltige Fischerei zum Teil nicht ausreichend berücksichtigt sieht,“ erklärt Stefanie Kirse, Leiterin des MSC in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das liegt im unterschiedlichem Wesen der beiden Organisationen begründet“: Beide haben sich dem Erhalt gesunder Ozeane verpflichtet. Der NABU ist eine Naturschutzorganisation, sein Fokus liegt auf Schutzanforderungen. Das Ziel des MSC hingegen ist die Nutzung mariner Ressourcen unter Einhaltung strenger Nachhaltigkeitsanforderungen. Dadurch unterscheiden sich auch unsere Herangehensweisen grundlegend. Die Arbeit des MSC fußt auf der Tatsache, dass ein wirtschaftlicher Anreiz ein wirkungsvoller Hebel für mehr Nachhaltigkeit ist: Je mehr Verbraucher nachhaltige Produkte nachfragen und je mehr sich Handel und Hersteller verpflichten, nachhaltige Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen, desto größer ist auch der Anreiz für Fischereien, auf Nachhaltigkeit zu setzen. „Das Ringen um die Balance zwischen Schutz und Nutzung wird immer zum Wesen des MSC gehören und der MSC wird vielleicht nie an einen Punkt kommen, an dem der NABU sagen kann, dass er rundherum mit dem MSC zufrieden ist,“ verdeutlicht Kirse.

MSC verfolgt objektiven und wissenschaftlichen Ansatz

Nachhaltige Fischerei ist ein sehr komplexes Thema, und es gibt unterschiedliche Einstellungen dazu, was darunter zu verstehen ist: Wissenschaftliche, ethische oder auch emotionale Aspekte können eine Rolle spielen. So findet Gastautor Kim Detloff den Verzehr von Haiprodukten fragwürdig, andere möchten Kaninchen aus ethischen Gründen nicht auf der Speisekarte sehen und wieder andere verzichten aufgrund ethischer Überlegungen komplett auf Fleisch und Fisch. Der MSC verfolgt einen rein wissenschaftlichen Ansatz bei der Bewertung der Nachhaltigkeit einer Fischerei. Ethische Bewertungen sind weltweit zu unterschiedlich, um hier auf einen Nenner zu kommen; sie sind nicht Teil unseres Umweltstandards.

Um das MSC-Siegel zu erhalten, wird für jede Fischerei einzeln geprüft, ob sie die anspruchsvollen MSC-Kriterien erfüllt. Dass die Überprüfung nicht vom MSC selbst, sondern von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt wird, ist kein Nachteil, sondern im Gegenteil ein Qualitätsmerkmal des Verfahrens, welches als „Best Practice“ für glaubwürdige Zertifizierungsprogramme gilt. Alle anerkannten Institutionen, die im Labelbereich Orientierung liefern und Regeln für glaubwürdige Siegel entwickelt haben – FAO, GSSI, ISEAL – fordern die Prüfung durch unabhängige Dritte.

Kontinuierliche Weiterentwicklung des MSC-Programms

Der MSC überprüft ständig, wie sein Zertifizierungsprogramm weiterentwickelt und verbessert werden kann. Dabei helfen uns Anregungen und Unterstützung von externen Stakeholdern wie dem NABU.

„Angesichts des zunehmenden Drucks, unter dem unsere Meere stehen, ist es wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen – Umweltschutzorganisationen, Regierungen, Einzelhändler und die Industrie – um eine nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen voranzutreiben. Das erfordert einen pragmatischen Ansatz und von allen Beteiligten, hin und wieder einen Schritt zurückzutreten und das Gesamtbild zu betrachten. So werden wir unsere gemeinsamen Ziele am besten erreichen können,“ ergänzt Kirse abschließend.

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