Ist der MSC-Standard zu lasch?

Der MSC ist weltweit anerkannt als das strengste Programm zur Zertifizierung nachhaltiger Fischerei. Alle anerkannten Institutionen, die im Labelbereich Orientierung liefern und Regeln für glaubwürdige Siegel entwickelt haben, bestätigen die Glaubwürdigkeit und die Effektivität des MSC.

Der MSC ist weltweit das einzige Zertifizierungsprogramm für nachhaltige Fischerei, das sowohl die „Best Practice“ Anforderungen für glaubwürdige Kennzeichnungsprogramme der Welternährungsorganisation (FAO) und zusätzlich die der Global Sustainable Seafood Initiative (GSSI) und der Internationalen Allianz für Soziale und Ökologische Akkreditierung und Kennzeichnung (ISEAL) erfüllt. Die Anforderungen, die Fischereien für eine MSC-Zertifizierung erfüllen müssen, wurden von über 200 Experten weltweit entwickelt und entsprechen einem breiten wissenschaftlichen Konsens darüber, was nachhaltige Fischerei beinhalten muss.

Über 2.000 Verbesserungen in den Meeren

Der MSC hat in den vergangenen 25 Jahren einen realen Wandel bewirkt: Er hat das Bewusstsein für nachhaltige Fischerei in der Bevölkerung wie auch in der Industrie maßgeblich und nachweislich geprägt und gleichzeitig Tausende messbare Verbesserungen in den Meeren bewirkt: Schutz von Seevögeln und sensiblen Lebensräumen, weniger Beifang, mehr Forschung, mehr Schutzgebiete, bessere Kontrollen und effektiveres Management – und nicht zuletzt: Bestände, die sich erholen konnten. Mehr zu den positiven Wirkungen MSC-zertifizierter Fischereien.

Nur 14 Prozent der weltweiten Fangmenge MSC-zertifiziert

Bisher kommen rund 14 Prozent der weltweiten Fangmenge aus MSC-zertifizierten Fischereien, d.h. rund 86 Prozent des weltweiten Fangs kommen aus NICHT-MSC-zertifizierten Fischereien. Damit bewegt sich der MSC (nach 25 Jahren Bestehen) immer noch in einer Nische. Es ist nicht mangelndes Interesse von Fischereiseite, das diesen Prozentsatz so niedrig hält, sondern die Höhe unserer Anforderungen.

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Ringen um Balance zwischen Schutz und Nutzung

Nachhaltige Fischerei ist komplex und ein Balanceakt. Denn die Herausforderung liegt darin, Anforderungen zu formulieren, die beides sind: ökologisch wirksam und fischereilich machbar. 

Das Ziel des MSC ist die Nutzung mariner Ressourcen unter Einhaltung strenger Nachhaltigkeitsanforderungen. Das Ringen um die Balance zwischen Schutz und Nutzung gehört zum Wesen des MSC. Wir arbeiten mit einer Vielzahl von Interessengruppen zusammen, dazu gehören Umweltorganisationen, Wissenschaft und Regierungen ebenso wie die Fischerei- und fischverarbeitende Industrie und der Handel. Es ist nicht immer einfach, hier das richtige Gleichgewicht zu finden. Und indem der MSC den notwendigen Kompromiss zwischen diesen verschiedenen Interessen sucht, öffnet er sich der Kritik. Wir tun dies, weil wir davon überzeugt sind, dass wir nur dann wirkliche Veränderungen vorantreiben können, wenn sich so viele und so unterschiedliche Interessenvertreter wie möglich beteiligen und wir uns diese Diskussionen zu eigen machen.

Kritik erfahren wir nicht nur von Umweltorganisationen, sondern auch von der Industrie, also von Fischereien, die finden, der MSC-Standard sei zu streng, nur wird diese Kritik seltener in der Öffentlichkeit ausgetragen.

Einzelmeinungen können nicht dominieren

Der MSC ist nach dem Prinzip einer breiten Stakeholderbeteiligung aufgebaut. Ein Prinzip, bei dem keine Einzelmeinung dominieren kann. Mitsprachemöglichkeiten für Interessenvertreter sind ein wichtiger Bestandteil des MSC-Programms. Alle Fischereibewertungen, die regelmäßige Standardüberarbeitung und auch unsere Leitungsgremien sind nach diesem Prinzip aufgebaut.  

Multistakeholderansatz

Stakeholder sind nicht immer einer Meinung. Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Interessenvertretern und Unmut über das Ergebnis einer Fischereibewertung oder Standardüberarbeitung können also bei der einen oder anderen Partei auftreten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Entscheidung falsch oder der MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei zu lasch ist.

Globaler Kontext für globale Organisation

Als global agierende Organisation muss der MSC der mehrheitlichen Einschätzung der wissenschaftlichen Gemeinde folgen und kann keine Einzelmeinungen als Grundlage für die Definition seiner Kriterien heranziehen. Der MSC hat den international strengsten Standard zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Fischereien. Die Anforderungen an eine MSC-Zertifizierung entsprechen den Vorgaben des „Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischerei“ sowie den „Leitlinien für die Vergabe von Umweltsiegeln für Fisch und Fischereierzeugnisse“ der FAO. Sowohl die Anerkennung durch die  Global Sustainable Seafood Initiative (GSSI) als auch durch die Internationale Allianz für Soziale und Ökologische Akkreditierung und Kennzeichnung ISEAL bestätigt, dass der MSC in Bezug auf Glaubwürdigkeit internationalen Standards umfänglich entspricht. 

MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei wird regelmäßig überarbeitet

Der MSC-Umweltstandard für nachhaltige Fischerei wird regelmäßig alle 5 Jahre überarbeitet, um ihn an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen und sicherzustellen, dass er anerkannte Praktiken nachhaltigen Fischereimanagements reflektiert. Die aktuelle Überarbeitung des MSC-Umweltstandards hat 2018 begonnen. Der überarbeitete Standards wird im Sommer 2022 veröffentlich. Die Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen ist integraler Bestandteil des Überarbeitungsprozesses. Gespräche mit über 1000 Interessenvertretern bilden eine wichtige Grundlage für die aktuelle Standardüberarbeitung.

Unser Appell an Kritiker

Der MSC-Standard ist der weltweit strengste Standard für nachhaltige Fischerei, und das soll er auch bleiben. Wir überprüfen ständig, wie unser Zertifizierungsprogramm verbessert werden kann, und begrüßen dabei konstruktive Kritik. Solch konstruktive Eingaben zahlreicher NGOs haben bereits zu vielen Verbesserungen beigetragen. 

Leider sehen wir uns regelmäßig auch mit unsachlicher, manchmal unseriöser öffentlicher Kritik konfrontiert. Eine konstruktive und differenzierte Auseinandersetzung ist jedoch unbedingt notwendig. Andernfalls riskieren wir, dass verunsicherte und resignierte VerbraucherInnen das Vertrauen in glaubwürdige Nachhaltigkeitsstandards und unabhängige Zertifizierung verlieren, im Zweifelsfall zu konventioneller Ware greifen und so mit ihrer Kaufentscheidung unwissentlich jene Produzenten „bestrafen“, die in umweltverträglichere Praktiken investiert haben. Wenn hier alle – auch die kritischen – Umweltinteressierten stärker an einem Strang ziehen würden, wäre insgesamt mehr erreicht und den Meeren mehr geholfen.


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Das bewirkt der MSC

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Als gemeinnützige Organisation zum Schutz der Meere und Fischbestände will der MSC die weltweite Fischerei durch ein Zertifizierungsprogramm in nachhaltigere Bahnen lenken.

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Meeresschutz-Fördergelder

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Der MSC unterstützt mit seinem „Ocean Stewardship Fund“ zahlreiche Fischerei- und Forschungsprojekte weltweit - z. B. Projekte, die unerwünschtem Beifang reduzieren.

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Forschung und Wissenschaft beim MSC

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Mehr als 200 Wissenschaftlerinnen sowie Expertinnen und Entscheidungsträgerinnen aus Fischerei, Industrie und Umweltschutz entwickelten zusammen den MSC Umweltstandard.

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