Nordseekrabbe

Kein Nordseeurlauber kommt an den berühmten norddeutschen Krabbengerichten vorbei. Hier erfährst du mehr über die berühmte Delikatesse und wie du sie ganz einfach Zuhause zubereiten kannst.

Brown Shrimp (c) Chris Shields

Lat.: Crangon crangon

Korrekte Bezeichnung: Nordseegarnele

Alter: 2 - 3 Jahre

Größe: 7 - 10 cm


Allgemeine Informationen

Die Nordseekrabbe (Crangon crangon) heißt eigentlich Nordsee- oder Sandgarnele und ist eine der mehr als 2000 Krebstiere, die unter der generischen Bezeichnung Garnele zusammengefasst werden. Wie auch die Eismeergarnele gehört sie in die Ordnung der Zehnfußkrebse.

Den Beinamen Krabbe hat sie nur der Küchensprache zu verdanken und nicht nur diesen: Sie taucht auch unter den Namen Granat, Krevette, Porren oder Knat auf Speisekarten oder Verkaufstafeln auf. Auch wenn das zunächst verwirrend erscheint, die Begriffe werden weitgehend synonym verwendet.

Aussehen

Nordseegarnelen haben einen langen, schmalen Körper, der im Querschnitt leicht oval ist. Wie bei allen Garnelenarten wird er von einem chitinhaltigen Außenskelett geschützt. Ebenfalls typisch sind die langen Antennen am Kopf, die als Tastorgane dienen und zur Orientierung genutzt werden. Ausgewachsene Männchen können es auf 7 cm, Weibchen auf bis zu 10 cm Körperlänge bringen.

Wie alle Zehnfußkrebse hat die Nordseekrabbe nicht nur zehn Füße, sondern zehn Paar Füße und damit also insgesamt 20 Füße. Fünf Paare der Füße sitzen am Vorderkörper, wobei die beiden vorderen Paare mit Scheren zu Greiforganen umgebildet sind, während die anderen 3 als Schreitbeine ausgebildet sind, mit deren Hilfe sich die Garnelen im Wasser bewegen können. Die fünf Extremitätenpaare des Hinterleibs dienen als Schwimmbeine. Am Ende der deutlich segmentierten zweiten Körperhälfte befindet sich ein Schwanzfächer, den die Nordseegarnele ruckartig bewegen kann, um schnell aus Gefahrensituationen zu fliehen.

Die Farbe der Nordseegarnele ist grau-braun. Deswegen werden sie im Französischen „crevette grise“, im Englischen „brown shrimp“ genannt. Erst im gekochten Zustand bekommt das Fleisch die typische blassrosa bis rötliche Färbung.

Lebensweise

Der Lebensraum der Nordseekrabbe ist der gesamte Nordostatlantik, die Ostsee und natürlich die Nordseeküste vor Belgien, Holland, Deutschland und Dänemark. Dort leben sie bevorzugt in Buchten mit relativ seichten Wassertiefen von durchschnittlich 20 Metern. Sie fühlen sich auf sandigen Untergründen am wohlsten, wo sie sich zum Schutz vor Fressfeinden vergraben und leicht kleine Krebse, Schnecken, Würmer und Muscheln finden, von denen sie sich hauptsächlich ernähren. Sie selbst stellen eine bedeutende Nahrungsquelle für Seevögel und Fische dar.

Nordseekrabben können mehrere Fortpflanzungsperioden im Jahr haben, wobei sich Zeitraum und Häufigkeit der Fortpflanzungszeiten je nach Lebensraum unterscheiden. In der südlichen Nordsee gibt es Sommer- und Wintereier. Die befruchteten Eier werden von den Weibchen etwa einen bis drei Monate an ihrem Hinterleib getragen, bevor die Larven schlüpfen. Diese leben zunächst freischwimmend im offenen Meer. Nach mehreren Wachstumsphasen, in denen sie sich immer wieder häuten, gehen sie schließlich zum Bodenleben in Küstennähe über.

Fanggebiet

FAO Fanggebiet Nordseekrabbe

Fischerei & Nachhaltigkeit

Um die am Boden lebenden Nordseegarnelen zu fangen, werden engmaschige Grundschleppnetze eingesetzt, die wegen der baumartigen Ausleger der Fischkutter Baumkurren genannt wegen. Die Netze werden an langen Leinen über den Meeresgrund gezogen. Nachdem der Fang eingeholt und über Sortiervorrichtungen vom Beifang getrennt wurde, werden die Krabben direkt an Bord des Schiffes im Meerwasser gekocht und anschließend zu den Fischmärkten oder weiterverarbeitenden Betrieben gebracht.

Die Nordseekrabbenbestände sind sehr groß – die Tiere wachsen schnell, werden früh fortpflanzungsreif und ihre Reproduktionsrate ist hoch. Aus diesem Grund ist die Gefahr der Überfischung nicht besonders groß. Negative Auswirkungen auf das Ökosystem können durch die Fischerei mit Grundscherbrettnetzen entstehen, die den Meeresboden und die dort lebenden Organismen schädigen kann. Da die Maschengröße aufgrund der geringen Größe der Nordseegarnelen relativ gering ist, kann die Krabbenfischerei zudem hohe Beifangmengen haben.

Die Fischerei auf Nordseegarnelen ist gesetzlich kaum reguliert. Es ist eine der wenigen Arten, für die es noch keine von der EU vorgegebenen Höchstfangmengen gibt. Im Zuge der MSC-Zertifizierung der Nordseekrabbenfischerei in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark wurde von der Fischerei ein freiwilliger Bewirtschaftungsplan erarbeitet. Dieser enthält für die Bewirtschaftung der Krabbenbestände unter anderem Aufwandsbeschränkungen für die Fischer. Außerdem sieht er die sukzessive Erweiterung der Maschengrößen vor, um die Beifangmengen zu reduzieren, und der Einsatz von Pulsbaumkurren (Netze mit elektrischen Pulsen) wird ausgeschlossen.

Bei Nordseekrabben und Produkten mit dem MSC-Siegel kann man sicher sein, dass diese aus nachhaltiger Fischerei stammen und die Fischerei durch ständige Verbesserungsmaßnahmen den Schutz des Ökosystems verbessert. Ein Gremium von unabhängigen Experten prüft regelmäßig, ob die Kriterien des MSC-Umweltstandards für nachhaltige Fischerei eingehalten und die Bedingungen für eine Zertifizierung langfristig erfüllt werden.

Auf dem Teller

Nordseekrabben sind eine besondere Spezialität der norddeutschen Küche. Sie haben ein würzig-nussiges Aroma und verleihen auch simplen Gerichten den typischen Geschmack nach Meer und Urlaub. Im Handel erhält man sie oftmals schon gekocht und geschält unter der Bezeichnung Krabbenfleisch, entweder in Konserven oder als Tiefkühlprodukt. Bei Fischhändlern kann man allerdings auch frisch gekochte, ungeschälte Nordseekrabben kaufen.

Wie alle Garnelenarten sind auch Nordseekrabben aufgrund ihres hohen Eiweiß- und geringen Fettanteils besonders gesund. Sie enthalten zudem Vitamin D und B12 sowie wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Kalzium, Natrium, Selen, Zink und vor allem viel Jod – allesamt wichtige Stoffe für das menschliche Immunsystem.

Die Verwendungsmöglichkeiten für Nordseekrabben in der Küche sind äußerst vielfältig. Für typische norddeutsche Gerichte werden die Krabben als Brotbelag (Krabbenbrötchen) verwendet oder zu Krabbensalat oder -cocktails verarbeitet. Für einen traditionellen Krabbensalat vermengt man das geschälte Krabbenfleisch mit Salatmayonnaise, Gurke und würzt alles mit Salz, Pfeffer, Dill und etwas Zitronensaft. Für Krabbencocktails gibt es eine Unmenge an Rezepten. Typischerweise wird das Krabbenfleisch dafür jedoch mit einer würzigen Sauce aus Mayonnaise, saurer Sahne, Meerrettich, Tabasco und Worcestersauce gemischt und zu Eisbergsalat gereicht.

Doch man muss sich nicht von den traditionellen Rezepten einschränken lassen, sondern kann ganz nach dem eigenen Geschmack sämtliche mediterranen und asiatischen Gerichte mit dem würzigen Fleisch der Nordseekrabben verfeinern.

Rezepte

© Joerg Lehmann, MSC – Klassischer Cocktail von Eismeergarnelen-min

"Swinging Sixties" Garnelencocktail

Vorbereitung 10 mins
Garzeit 0 mins
Portionen 4
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